Jürgen Kuhlmann: Impuls zur Lesung

Lesejahr B

Hütet eure Freude !

Gedanken zum neunzehnten Sonntag im Jahreskreis


»Betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, dessen Siegel ihr tragt für den Tag des Loskaufs« (Eph 4,30).

Schon beim ersten Wort halten wir ein. Leider fälscht die Einheizübersetzung auch hier den klaren Sinn. Was sie mit »Beleidigt nicht« wiedergibt, heißt wörtlich »Betrübt nicht«. Es ist ein Unterschied, ob ein Bruder seinen Geschwistern »Beleidigt nicht die Tante!« zuruft oder »Betrübt nicht die Mutter!«. Beleidigt werden kann eine Hohe Person von jedem Dreckskerl, betrübt nicht. Freilich ist es zum Staunen und scheint unglaublich, dass wir so viel Einfluss auf Gottes Gefühl haben dürfen. Nicht nach ihrem Knechts-Sinn hätten die Übersetzer sich aber richten sollen, sondern schlicht nach dem Text.

Wann wird der Heilige Geist betrübt? Wenn wir unser Herz gegen Seine tiefe Freude verschließen. Schön erklärt Heinrich Schlier: »Dieser Geist ist aber nach unserem Zusammenhang offenbar "Freude" ... Er ist der Geist der Freude, weil er ja der Geist der Hoffnung ist, vgl. Röm 15, 13. Alle christliche Existenz ist also ein Eingehen auf ein Sein der Freude, in dem der Geist der Freude uns seit der Taufe sein lässt.«

Ich erinnere mich einer Stunde während meiner ersten Kaplan-Stelle in Naila, da erging es mir ähnlich wie in der ersten Lesung heute dem Elija. Mir wurde klar: Ich tauge hier überhaupt nichts. Also? Zum Glück blitzte bald die Antwort auf: Du bist hier, um die Frohe Botschaft zu verkünden. Die Freude soll ich leuchten lassen. Das kann ich nicht, wenn sie mir fehlt. Gebe ich der Versuchung zum Missmut nach, bin ich auf jeden Fall gescheitert. Darum muss ich, unbekümmert um Misserfolge, jetzt aus Gottes Kraft freudig sein.

Erschrickt ein Freudenbote vor dem eigenen Nichts, bleibt ihm nur, geduldig zu warten, bis das Grundwasser der Freude wieder steigt und seine Seele erfrischt.

Den Schluss unseres Satzes erläutert Adrienne von Speyr: »Der Tag des Loskaufs ist der Tag unseres Erscheinens vor Gott, der Tag, an dem wir den Sohn persönlich zurückbringen. Der Sohn wurde uns als Wort anvertraut, und wir müssen ihn als angewendetes Wort dem Vater zurückerstatten, so wie wir selber durch den Sohn dem Vater zurückerstattet werden. Es ist ein beiderseitiges Zurückbringen.«

Dieser Tag ist natürlich nicht erst ein späteres Dann, sondern das ewige DANN, das JETZT hereinbricht in jeden Augenblick. Für die Augen der Welt (auch deine) bist du von Jesus getrennt; doch hat [Vat. II, GS 22] zur Freude des Heiligen Geistes »Christus sich bei seiner Menschwerdung irgendwie mit jedem Menschen vereinigt«, auch mit dir, der/die das jetzt liest.

Eine andere Predigt für heute


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Volle Internet-Adresse dieser Seite: http://www.kath.de/predigt/jk/b-s19.htm

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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

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