Jürgen Kuhlmann: Impuls zur Lesung

Lesejahr B

Friede den Gegensätzen!

Gedanken zum Hohen Pfingstfest


"In Jerusalem wohnten Juden, ehrfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel ... zugewanderte Römer ... und Araber – wir hören sie wie mit unseren Zungen von den großen Taten Gottes reden" (Apg 2,5-11).

Was Goethe als "Pfingsten das liebliche Fest" besingt, wird zur selben Zeit in Süd-Chile spätherbstlich-rauh erlebt – und meint doch dieselbe Offenbarung. Auch das Pfingst-Ereignis damals in Jerusalem zeigt ein vielfaches Gesicht. Juden aus vielen Völkern mit lauter verschiedenen Muttersprachen vernahmen Gottes österliche Großtat, jeder in seiner eigenen Sprache. Wie Lukas den Geburtstag der Kirche schildert, ist er Grund zu reiner Freude, so wird er von den Christen heute auch überall festlich begangen.

Zwei der im Bericht genannten Völker sind Römer und Araber. Wie verschieden hat die entstehende Kirche sich für beide entwickelt! Fast dreihundert Jahre hat Rom gegen das Christentum gekämpft und es dann offiziell angenommen – oder eher übernommen und entkernt, wie Mächte seit jeher gegen einander verfahren ? Schier unfassbar die inspirierte Klarsicht des Evangelisten Matthäus, der dieses Doppelantlitz des Papsttums innerhalb von fünf Sätzen andeutet (16,18.23), wenn Jesus den Petrus erst Grundstein der Kirche, dann Stolperstein und Satan nennt. Seit bald einem halben Jahrtausend verkünden Katholiken das helle, Protestanten das finstere Papstgesicht; derzeit dämmert beiderseits vielen mehr und mehr auch die gegnerische Wahrheit.

Auch christliche Araber gibt es bis heute, doch haben sie es schwer, seit Mohammed die zerstrittenen Stämme im moslemischen Glauben und gegen die Anmaßung der byzantinischen Reichskirche geeint hat. Müssen wir Christen den Islam für falsch halten? Keineswegs. Wir dürfen es nicht; ein solches Urteil könnte sich nicht auf unsere Offenbarung berufen, die Jahrhunderte vor Mohammed erging, von ihm mithin nichts weiß. Dass der Islam nicht meine und meiner Mitchristen Wahrheit ist, steht uns fest; für meine Moslemfreunde folgt daraus aber nichts. Ihren Glauben zu achten heißt für mich, ihn als für sie wahr gelten zu lassen, im Vollsinn existentiell wahr, wie das katholische Christentum für mich. Stehen wir begeistert unter einer großen bunten Glaskuppel in der Pfingstsonne, dann strahlt die selbe Sonne uns nicht gleich, sondern rot mir, grün dir. Obwohl das Gegenfarben sind, unsichtbar durch die je andere Brille, ist doch jede dem echt wahr, dem sie sich zeigt. Denn in ihr selbst ist die Sonne – nicht bunt aber allfarbig-superweiß. Halte, wer Pfingsten verstehen will, ein Prisma ins strahlende Licht und schaue, was dann auf der Wand tanzt. Genau dieses Kindheitserlebnis mit dem Stöpsel einer Rumflasche hat mir einst den ökumenischen Sinn vorbereitet.


Am Pfingstsonntag 2009 um 8.05 Uhr brachte Bayern2 Radio meine Sendung "Die Revolution des Heiligen Geistes." Später hier anhörbar und lesbar.

Weitere Predigten zum Pfingstgeheimnis


Wer nicht aufs Netz angewiesen sein will, kann meine Internet-Präsenz auf einer CD-ROM bestellen, zusammen mit Buchtexten, die nicht online verfügbar sind (z.B. dem Dreifaltigkeitsbüchlein von 1968 [les- aber nicht durchsuchbar]). Die CD, samt Nachtrag Mai 2006 und September 2008, kostet 8,50 Euro + Porto. Für Religionslehrer, Pfarrer und andere Profis eine Fundgrube, für deren Freunde eine sinnige Geschenk-Idee. Bestellungen bitte direkt an mich, um Verwechslung mit dem Müll zu vermeiden bitte mit klarem Betreff: CD-Bestellung.


Volle Internet-Adresse dieser Seite: http://www.kath.de/predigt/jk/b-pfingst.htm

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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

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