Jürgen Kuhlmann: Impuls zur Lesung

Lesejahr B

Unser göttliches Familienleben

Gedanken zum Fest der Heiligen Familie


"Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter, wie es sich im Herrn geziemt. Ihr Männer, liebt eure Frauen, und seid nicht aufgebracht gegen sie" (Kol 3,18 f).

Nach dieser Lesung dürfte mancher Frau die liturgische Antwort "Dank sei Gott!" im Hals stecken bleiben. "Ordne dich deinem Mann unter!" - sollte solches Macho-Gehabe sich als "Wort des lebendigen Gottes" an sie richten? Eher nicht, denkt die Hörerin – und wieder ist ein biblischer Heils-Impuls an der Gummiwand der Beliebigkeit verpufft.

Lässt sich das ändern? Können wir unter der alten Schmutzschicht das ursprünglich gemeinte Gold wieder finden? Das sei versucht. Es gelingt allerdings nur, wenn wir den Ursprung tief genug innen suchen. In der historischen Zeit sind die Sätze von Anfang an zweideutig. Ich stelle mir vor, wie schon in jener Gemeinde von Kolossae, während unser Brief zum allerersten Mal verlesen wurde, eine Christin dachte: Ach guter Paulus, du kennst doch meinen Mann! Hätte ich mich dem untergeordnet, wäre unsre Familie längst im Eimer ...

Der Lösung näher kommen wir, wenn wir uns die gläubige Reaktion des Gatten jener Dame ausmalen, eines ganz normalen Mannes, der nie den Drang verspürte, im Unterrock vor den Spiegel zu treten. Dennoch schoss ihm damals durch den Kopf: Gott sei Dank, dass bei uns sie die Hosen an hat. [Dass die Mode damals anders war, sei uns egal]. Insofern gilt ja mir, was unser Apostel hier vom Unterordnen schreibt. Soll es Ordnung geben, müssen welche sich unterordnen. Dient die Meine mir im Geschäft als Sekretärin, ist mein Wort maßgeblich, wo kämen wir sonst hin. Daheim aber soll sie der Herr sein, solche Aufgabenverteilung hat sich jahrelang bewährt. Zum Glück liebt mein Herr mich, wie der Brief es den Männern ja befiehlt, und verlangt nicht, dass ich den Boden schrubbe, dafür haben wir Sklaven.

Unterscheiden wir Heilsverständnis und Heilsbild. Die christliche Familie, lehrt der katholische Weltkatechismus (2205), "ist ein Zeichen und Abbild" der göttlichen Beziehungsgemeinschaft. Ein Bild hilft zum Verständnis, darf es aber nicht bis zur Fälschung überwuchern. Der Dreieinigkeitsglaube hält drei Heils-Dimensionen auseinander und als unterschiedene beisammen, symbolisiert im Würfel: Unten ordnen SIE und ES sich IHM ihrem Herrn (oben) unter, vorn spüren ER und ES sich von IHR (hinten) liebevoll umfangen und lieben SIE als ihr Glück. Links schließlich wird ES von IHM und IHR, die gemeinsam sein Selbst (rechts) repräsentieren, bejaht und so zum freien Ich.

Für ein unfehlbares "Wort des lebendigen Gottes" in den problematischen Sätzen unserer Lesung halte ich die klare Unterscheidung zwischen den Heilsdimensionen. Symbolisiert werden sie von der idealtypischen Familie, wo Demut und Gabe weiblich erscheinen [Und du sollst mein Gebieter sein und ich dir untertan, singt Arabella], Herr und Dank männlich, Selbst und Ich neutral. Wenn göttliche Beziehungen SICH in unserem Alltag realisieren, können allerdings – wie wir sahen – die Pole vertauscht sein, das mindert nicht die Wahrheit der geistlichen Kategorien, fordert freilich ihren klugen Gebrauch.

In dieser Zeichnung werden die drei Würfeldimensionen (mit je zwei Seiten) auf einen Kreis so projiziert, dass sich drei Polaritäten mit je zwei Polen bilden. Jede davon ist anders der ganze Beziehungsreichtum, enthält alle drei Grundfarben! Im Bild wird ihre (violett) Unterordnung unter ihn (gelb) dargestellt; nach einer Linksdrehung um 120 ist zentral ihre (blau) Liebe zu Vater und Kind (orange = gelb + rot) und deren Dank für diese Selbstgabe. Bei der Drehung um 60 zurück wird die SELBST-Ich- Beziehung zentral.

Kommt ein solches trinitarisches Schema Ihnen abstrakt, gar überkandidelt und praktisch nutzlos vor? Das wäre – weiß ich aus Erfahrung – ein Irrtum. Ich kenne einen kirchlich gesinnten Menschen mit antiklerikaler Ehefrau. Einmal gab es einen Streit. Sie griff die Kirche heftig an, er wehrte sich und meinte schließlich, solches ewig selbe Thema sei langweilig, besser schweige sie. Das steigerte ihren Zorn ins Unermessliche und er war, versteht sich, geknickt. Da erschien ihm unser sechsfarbiges Bild, auf drei verschiedene Weisen:

a) Violett unten / gelb oben. Das war eine seiner Schaltungen. Glied der Kirche zu sein, die Gott dient, ist seine unaufgebbare Identität.

b) Orange unten / blau oben. Das war seine andere Schaltung. Von Kind auf ist die Kirche als Gemeinschaft des Heiligen WIR seine Mutter, manches Mal hat sie ihn beschützt, wenn seine leibliche Mutter zu schwach war, ihn vor dem Zorn des Vaters zu bewahren. Auch solcher Dank ist seine Identität.

c) Rot unten / grün oben. Das war – wie er beschämt einsah – die ebenso unverletzliche Identität seiner Frau: ihr Ich (rot), das sich frei äußern darf, weil es mit unbedingter Liebe vom Selbst (grün) angenommen wird. Mit Recht erwartet sie von ihrem Mann, dass er unser göttliches SELBST auch vor ihr stellvertretend repräsentiere und sie existentiell spüren lasse: Du bist bedingungslos bejaht. In dieser Aufgabe hatte er durch seinen Gesprächsabbruch versagt. Dadurch war aber sein Vollzug der anderen beiden Dimensionen vergiftet worden. So sehr sie theoretisch stimmen, waren sie tatsächlich, weil lieblos statt gläubig – teuflisch gelebt worden! Das demütige Violett des Gehorsams und das dankbare Orange der Geborgenheit hatten sich zum Götzendienst ekklesiogener Neurose verkehrt. Miserere!

Ich bin überzeugt: Bewusstes Auseinanderhalten und Zusammendenken der sechs göttlichen Weisen von Liebe kann Christen helfen, ihre lichtweiß einfache und strahlend bunte Heilsbotschaft deutlicher zu leben und weiterzusagen.


Hier ist ein Angebot für Freunde meiner Internet-Gedanken: Auf einer CD habe ich unter dem Titel "Christliches Stereo-Denken" alles, was auf verschiedenen Servern veröffentlicht ist, zusammengestellt und intern verknüpft sowie mit Bildern und Liedern angereichert. Außerdem sind sechs Bücher im WORD-Format dort zu lesen (die elektronischen Bücher Nr. 2,5,6,7,10 der Liste). Im Ganzen meldet der Rechner fast tausend Dateien. Ein Teil der Ernte von über vierzig Jahren Theologie steht zur Verfügung und kostet nur 8,50 Euro + Porto, insgesamt unter zehn Euro. Für Religionslehrer, Pfarrer und andere Profis eine Fundgrube, für deren Freunde eine sinnige Geschenk-Idee. Bestellungen bitte direkt an mich, um Verwechslung mit dem Müll zu vermeiden bitte mit klarem Betreff: CD-Bestellung. Seit Anfang Dezember 2004 ist die neue Auflage mit allem bisher im Netz Veröffentlichten verfügbar, jetzt samt Nachtrag Mai 2006 und September 2008.


Volle Internet-Adresse dieser Seite: http://www.kath.de/predigt/jk/b-familie.htm

Zurück zur Leitseite des neuen Predigtkorbes.

Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

Schriftenverzeichnis

Kommentare bitte an Jürgen Kuhlmann