Jürgen Kuhlmann: Neuer Predigtkorb
Lesejahr C

Heiliger Atemwind

Gedanken zum dreizehnten Sonntag im Jahreskreis


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Sich vom Geist leiten lassen - was meint Paulus?

Was ein Übersetzungsfehler anrichten kann

Gott als Wind und Atem im Alten Testament

Gott als Wind und Atem im Neuen Testament

Jesu Atem

Folgerungen

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"Dient einander in Liebe! ... Darum sage ich: Laßt euch vom Geist leiten, dann werdet ihr das Begehren des Fleisches nicht erfüllen."

Sich vom Geist leiten lassen - was meint Paulus?

Sollen wir vergeistigt dreinschauen, Materielles geringschätzen, über gut Essende und Trinkende die Nase rümpfen, möglichst viel Zeit über hochgeistigen Schriften verbringen? - Was hätte aber abgehobene Geistigkeit mit gegenseitigem Dienst in Liebe zu tun? Nein, zu solchen Geistlichen will Paulus seine lieben Galater bestimmt nicht machen. Was meint er?

Natürlich den Heiligen Geist. Diese Einsicht stößt unser Verständnis allerdings erst recht in Finsternis. "Pfingsten ist als christliches Fest vollkommen verblaßt. Religionslehrer, Katecheten und Prediger stöhnen, wenn die Überlieferung vom Heiligen Geist zur Arbeit ansteht. Im Unterschied zur Überlieferung vom göttlichen Kind können sie hier kaum an symbolischen Assoziationen anknüpfen. Wo sie es dennoch versuchen, begegnen ihnen häufig abstruse Gedankengänge: So assoziierte z. B. einmal ein Grundschulkind: 'Gott ist ein Geist. Er hat nur Knochen'." Anscheinend hat es den Gegensatz von Geist und Fleisch mißverstanden. Wie machen wir es besser?

Was ein Übersetzungsfehler anrichten kann

Als ein Lateinschüler fama mit fames verwechselte und, statt ein Gerücht bei der Verbreitung wachsen zu lassen, "fama crescit eundo" so übersetzte: Beim Spazierengehen kriegt man Hunger - da hat das höchstens seiner Note geschadet, dafür aber vielen Leuten Spaß gemacht, sich insgesamt also positiv ausgewirkt. Ein anderes Kaliber hat der folgenreiche Übersetzungsfehler, der im frühen Mittelalter den keltischen Mönchen passierte, die aus dem Heiligen, was im Alten Testament ruach und im Neuen pneuma heißt, statt Wind und Atem einen völlig unsinnlichen Geist gemacht haben. Entschuldigend könnten sie anführen, wie sehr die sinnlichen Grundbedeutungen sich auch beim lateinischen "spiritus" damals bereits verflüchtigt hatten: "'Spiritus sanctus' war schon eine Art Terminus technicus der kirchlichen Amtssprache geworden und bezeichnete eine rein übernatürliche, nicht mehr sinnlich-assoziativ erfaßbare Wirklichkeit." Nicht wesentlich lebendiger als der Deutsche beim "Heiligen Geist" fühlt der Italiener bei "Spirito Santo", obwohl z.B. der Gottesname "Chi lo spirar mi dà" (der mir das Atmen gibt) ihm den entscheidenden Tip vermitteln könnte. Besuchen wir einen findigen Theologen in seiner Werkstatt:

Gott als Wind und Atem im Alten Testament

Gott als Wind und Atem im Neuen Testament

Jesu Atem

Dieser Tauben-Atem, der Atem des Lebens und der Fruchtbarkeit, der Liebe und der Schönheit, ist es, der bei der Jordantaufe vom sich öffnenden Himmel (d.h. dem sich neu erschließenden Jahwe-Gott) her auf Jesus herabkommt und in ihn hineinzieht. Er artikuliert sich in den Worten: "Du bist mein Sohn, mein geliebter, an dir habe ich Gefallen gefunden" (vgl. Mk 1, 10f.). Dieser göttliche Tauben-Atem bestimmt fortan sein Leben und Wirken. Er spricht aus seinen Gleichnissen und wirkt in seinen Heilungen und "Machttaten", die griechisch mit dem Wort "dynameis" bezeichnet werden: Es sind Taten, die aus der "Dynamik", der Kraft dieses Atems geschehen. Es ist ein heilender und aufrichtender Atem. Er gleicht dem Atem der Mutter, die auf die Schürfwunde ihres Kindes bläst, das, nachdem es hingefallen ist, erschrocken und weinend zu ihr hinläuft und dann getröstet wieder weiterspielt. Die wenigen noch im Sterben bei ihm gebliebenen Freunde erleben, daß dieser heilende Abba-Atem, als Jesus ihn im Todesschrei in die Hände seines Vaters zurückgibt (vgl. Lk 23,46), den Gekreuzigten durch den Tod hindurchträgt und ihn jenseits der Todesgrenze auf ganz neue Weise lebendig macht. So stark ist der gekreuzigte und neu lebendige Jesus von diesem Gotteswind geprägt und durchglüht, daß Lukas und Matthäus in ihrem Evangelium bekennen, Jesus sei von ihm gezeugt. Dem todüberwindenden Tauben-Atem des Gekreuzigten gelingt es, zum Pfingststurm gesteigert, die nach der Hinrichtung Jesu ratlosen Jünger zu erfassen und sie zu Christen zu machen, die überall auf der Erde den gekreuzigten Jesus als den lebendigen Messias bekennen. Nur in diesem Jahwe-Atem Jesu ist dieses möglich: "Keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem >pneuma hagion< redet" (1 Kor 12,3b).

Wenn der Mensch in diesen Wind und Atem Jesu hineingetaucht wird, ist er ein Christ. Dies ist der Kern der Taufe. Der Wasserritus ist demgegenüber sekundär: Den noch verängstigten und erst langsam sich neu sammelnden Anhängern Jesu sagt der Gekreuzigte, der beim gemeinsamen Mahl lebendig unter ihnen ist: "Wartet auf die Verheißung des Vaters ... Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem >pneuma hagion< getauft" (Apg 1,4-5). Auch im Johannesevangelium wird Jesus als der gekennzeichnet, der nicht (wie Johannes der Täufer) mit Wasser tauft, sondern mit dem heilend-tröstenden Abba-Atem. In ihn hineingetaucht zu werden, ist das Entscheidende. Erfaßt von diesem Atem verliert für unsere Gotteserfahrung Jahwe die Züge des Schreckensgottes, und der durch Jesus in uns hineingesenkte Tauben-Atem artikuliert sich auch in uns in dem erlösenden Gebetswort: "abba", Papa-Mama (vgl. Gal. 4,6; Röm 8, 15).

Folgerungen

So ist es letztlich sprach- und übersetzungsgeschichtlich begründet, daß unseren Kindern (und nicht nur ihnen) die abstrusesten Vorstellungen durch den Kopf gehen, wenn sie hören, Maria habe Jesus vom "Heiligen Geist" empfangen und dieser sei in der Jordantaufe auf Jesus herabgekommen. Hier helfen auch sprachgeschichtliche Aufklärungen und Erörterungen nicht weiter. Worte haben ihr eigenes Leben und können nicht beliebig mit Bedeutungen gefüllt werden. Eine sinnvolle religiöse Rede vom "pneuma hagion" ist in der deutschen Sprache erst möglich, wenn es als "heiliger (eigentlich: heilender) Wind und Atem" übersetzt wird. Mit einem erfrischenden, vorwärtstreibenden Wind und einem tröstend-heilenden Anhauch haben alle Menschen schon Erfahrungen gemacht und können deshalb auch die Dimension nachfühlen, die dieses sinnlich-konkrete Phänomen übersteigt ...

Die Schwierigkeiten in der Rede von Gott als dem "pneuma hagion" machen deutlich, daß die Tradierungskrise, unter der christlicher Glaube heute leidet, nicht nur ein religionspädagogisches oder pastorales Problem ist. Notwendig ist vielmehr eine konsequente Rückübersetzung der Glaubensgehalte in eine verständliche und sinnvolle Symbolsprache. Dies gilt besonders auch für jenen Ort, an dem auch heute noch die meisten Menschen mit christlichem Glaubensgut in Berührung kommen: nämlich der Liturgie. Es genügt nicht, in der Liturgiereform die kirchenamtliche lateinische Sprache in eine ebenso steife und unsymbolische deutsche Sprache zu übertragen. Bezogen auf die Überlieferung vom "pneuma hagion" heißt dies: Es wäre angebracht, in Katechese, Religionsunterricht, Predigt und auch in der Liturgie die Rede vom "Heiligen Geist" durch eine Rede vom heilig-heilenden Wind und Atem Jesu und seines Abba zu ersetzen.

Angebracht mag das sein; bald zustandegebracht dürfte es kaum werden. Niemand verbietet aber, inzwischen beim Beten, allein und wo zwei oder drei beisammen sind, statt vom Heiligen Geist ausdrücklich vom Heiligen Atem zu sprechen. Wenn die Mutter die Schürfwunde ihres hingefallenen Lieblings behaucht, tut die gleich weniger weh. Wer läßt sich vom Geist leiten? Wer in Schmerz und Ängsten diesen linden Anhauch vom Himmel her mit aller Herzenskraft vernimmt und dort, wo er fremdem Leid begegnet, nicht wegschaut sondern doppelt in den göttlichen Hauch sich einschwingt: ins Stöhnen von unten (sofern "der Geist vom Sohn ausgeht") und in den tröstlichen Anhauch von oben (sofern "der Geist vom Vater ausgeht").

Suchen Sie nach einem Programm für die letzten Jahrzehnte? Dies könnte eines sein.


Zum Weiterdenken:

Chi lo spirar mi dà: Letzte Zeile des Gedichtes "Il risorgimento", 1828 vom fast dreißigjährigen Giacomo Leopardi verfaßt. Gründe zur Verzweiflung hätte er genug, gibt aber nicht auf sondern ermuntert sein Herz. Letzte Strophe:

Mancano, il sento, all'anima
Alta, gentile e pura
La sorte, la natura,
Il mondo e la beltà.
Ma se tu vivi, o misero,
Se non concedi al fato.
Non chiamerò spietato
Chi lo spirar mi dà.

Findiger Theologe: Georg Baudler, Erlösung vom Stiergott (München-Stuttgart 1989), 190-202. Ein großartiges Werk, läßt manche Schuppe vom halbchristlichen Auge fallen. Daraus alle Zitate (rot).

"Gott als Wind und Atem im Alten Testament

Christliche Überlieferung gründet in den ursprünglich hebräisch und griechisch geschriebenen biblischen Schriften. Der im Deutschen mit dem Wort "Geist" bezeichnete Bedeutungsgehalt heißt im Hebräischen "ruach". Das Wort hat die Grundbedeutung "Wind" und "Atem". Beide Bedeutungen gehören ursprünglich zusammen: der Wind wird als Atem der Erde oder als das Blasen und Schnauben Jahwes verstanden: In Ex 14,21 wird erzählt, wie Mose seine Hand über das Meer ausstreckte und dieses daraufhin durch einen starken Ostwind fortgetrieben wurde, so daß es austrocknete und die Israeliten hindurchziehen konnten. Im Lied des Mose (Ex 15,8) wird dieser Ostwind als das "Zornesschnauben" Jahwes besungen, das die Wasser sich auftürmen und die flutenden Wogen zur Mauer erstarren läßt.

Es begegnet hier jener Symbolbildungsprozeß, der ursprünglich Religion entstehen läßt: In dem gegenständlich gegebenen, sinnlich wahrnehmbaren, aus der Wüste hereinbrechenden Ostwind, dem Schirokko, der so heiß ist, daß er mit einem Schlag die Vegetation verdorren läßt, wird in bestimmten geschichtlichen Zusammenhängen eine das Gegenständliche übersteigende Dimension, Transzendenz, in Israel der Zornesatem Jahwes, erlebt und besungen: Wo sich mit dem Naturereignis des Windes ein für Israel bedeutsames geschichtliches Geschehen verbindet, wird das Naturphänomen zum Gottessymbol. Es kann dabei strafen und zerstören oder befruchten und beleben: Dem von Jahwe abtrünnigen "Efraim", d. h. dem Gottesvolk Israel, prophezeit Hosea:

"Auch wenn Efraim
im Kreis seiner Brüder prächtig gedeiht,
es kommt ein Ostwind, ein Sturm des Herrn (eine "ruach Jahwe"),
er steigt aus der Wüste auf
und läßt Efraims Brunnen versiegen
und seine Quellen austrocknen.
Er plündert die Schatzkammern aus
und raubt den ganzen kostbaren Besitz." (Hos 13,15)

Andererseits schwebt die "ruach Jahwe" über den Chaosfluten des Urmeeres und senkt die Keime des Lebens und der geordneten Welt in sie hinein (Gen 1,2). Hier ist der Wind als Gottesatem nicht mehr ein Sturm, ein wütendes Schnauben, sondern ein belebender Hauch: Dem Elia begegnet Jahwe am Gottesberg Horeb nicht in dem wütenden Sturm, "der die Berge zerriß und die Felsen zerbrach" (1 Kön 19,11), wohl aber im leichten Säuseln des Windes, nachdem der Gewittersturm abgezogen war. Dieser angenehme, besänftigende und wohltuende Wind war der Atem Jahwes. Es war jener "Tagwind" des Paradieses der eine angenehme Kühlung bringt; in ihm "erging sich Jahwe im Garten" (vgl. Gen 3,8).

Im Vogel, der seine Flügel ausbreitet und sich scheinbar schwerelos im Luftraum bewegt, wird die sonst unsichtbare Wirklichkeit des Windes und des beschützenden Gottesatems anschaubar. Er ist deshalb Symbol dieser göttlichen Wirklichkeit: "Wie der Adler, der sein Nest beschützt und über seinen Jungen schwebt, seine Schwingen ausbreitet, ein Junges ergreift und es flügelschlagend davonträgt" - so beschützt und geleitet Jahwe sein Volk (Dtn 32, 11 f.).

... "Ruach" ist der Atem als Gefühls- und Lebensäußerung: Der Königin von Saba stockt der Atem vor Staunen, als sie die ungeheueren Reichtümer Salomos sieht: "... und keine >ruach< war mehr in ihr" (1 Kön 10,5; 2 Chr 9,4). Als der verdurstende Simson zu Jahwe um Wasser schrie und tatsächlich zu trinken bekam, "kehrte seine >ruach< zurück, und er lebte wieder auf" (Ri 15,18f.). Diese dynamische "ruach" hat selbst Jahwe-Charakter. Zurück zum Text

Gott als Wind und Atem im Neuen Testament

Im Neuen Testament wird die Wirklichkeit "ruach" mit dem griechischen Wort "pneuma" wiedergegeben. Auch hier ist die Grundbedeutung Wind und Atem. Es kann im Profan-Griechischen jegliche Art von Wind bezeichnen, den gewaltigen Sturm, den günstigen oder ungünstigen Fahrtwind, die leichte Brise, den milden Lufthauch wie den an bestimmten Stellen aus der Erde aufsteigenden Dampf. Daneben bedeutet "pneuma" den Lufthauch, der von Menschen und Tieren als Atem eingezogen und ausgeströmt wird. Sofern sich im ausströmenden Atem Worte und Töne artikulieren, kann pneuma wesentlich auch die Bedeutung einer lebendig tönenden Stimme annehmen. Auf dem Weg über Lebensodem gewinnt pneuma auch unmittelbar die Bedeutung "Leben", "Lebenshauch". Jemand kann dem anderen sein "pneuma", sein Leben verdanken, und im Sterben verläßt ihn das "pneuma". Mit dem letzten Atemzug trennt sich dieser Lebenshauch von ihm und kehrt in die ihm seinsverwandte Region nach "oben" in den Luftraum des Himmels oder in den Äther zurück, um dort seine höhere Bestimmung zu erfüllen.

So ist im Griechischen das "pneuma" den Tieren, den Menschen und den Göttern eigen. Das göttliche "pneuma" wird erfahrbar in dem erregten Sprechen und Atmen des Sehers und der Priesterin, die vorn Gotteswind erfaßt, oft unverständliche Worte stammeln, die ähnlich wie das Zungenreden in der paulinischen Gemeinde von Korinth der Ausdeutung bedürfen. In seiner elementaren Wirkmächtigkeit wird "pneuma" insgesamt, auch schon in seiner ursprünglichen Bedeutung als Wind, dem Göttlichen zugeordnet. Der für symbolische Bedeutungen schon immer sensible Hellene spürte und erlebte in jedem Wind und Atem eine das Gegenständliche übersteigende Dimension ...

Dieses griechische Wort "pneuma" wird auf vielfältige Weise im Neuen Testament aufgenommen ... Grundsätzlich hat in einem erfahrungsorientierten Verständnis religiöser Rede ein Wort zunächst immer diejenige Bedeutung, die ihm in der Alltagssprache der Menschen zukommt. Wenn Jesus vom "pneuma hagion" gezeugt wird und dieses "pneuma" in der Jordantaufe auf ihn herabkommt, wenn er in seiner Kraft die Dämonen austreibt und die Menschen heilt und es sterbend in die Hände seines himmlischen Vaters zurückgibt, dann ist hier eben von nichts anderem die Rede als von dem, was die Menschen der Zeit unter "pneuma" verstanden, auch wenn ihm durch die Beifügung "hagion" (ehrwürdig, heilig) eine besondere Eigenart zuerkannt wird ...

Doch nicht mehr die Adlerflügel (wie im "Adlerspruch" Dtn 32,11 f.) machen den Jahwe-Atem symbolisch sichtbar, sondern die Gestalt der Taube. Dieser Vogel ist im Alten Orient das heilige Tier der Liebesgöttin. Die babylonische Ischtar, die westsemitische Astarte und die griechische Aphrodite hatten in ihm ihr Symbol. Auch im Alten Testament ist die Taube das Symbol der Liebe, der Versöhnung und des Friedens: Dreimal ließ Noach eine Taube ausfliegen, um zu sehen, ob die große Flut schon versiegt sei, und beim zweiten Mal trug sie ein frisches Ölblatt in ihrem Schnabel (Gen 8,11). Nachdem die dritte ausgesandte Taube nicht mehr zu ihm zurückkehrte, verließ Noach die Arche und brachte Gott ein Versöhnungsopfer dar, worauf dieser beschloß, "künftig nicht mehr alles Lebendige zu vernichten, wie ich es getan habe". Vielmehr: "Solange die Erde besteht sollen nicht aufhören Aussaat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht." (Gen 8,21 f.)

Der Kreislauf der Fruchtbarkeit soll nicht mehr durchbrochen werden; für diesen Atem der Fruchtbarkeit und des Friedens steht das Symbol der Taube. Dazu paßt, daß im Hohenlied die Schönheit der Braut mit einer Taube verglichen wird: "Deine Augen sind wie Täubchen" (Hid 1, 15). "Meine Taube ist in felsigen Klüften ... laß deinen Anblick mich schauen" (Hld 2,14). "Doch einzig ist sie meine Taube, meine fehlerlose" (Hld 6,9)9.

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Nur in dieser Bildhaftigkeit ist religiöse Rede verständlich; andernfalls erstarrt sie zum theologischen Kunstgewerbevokabular, das den Glauben erstickt, statt ihn aufzubauen und zu fördern. In der traditionellen Rede vom "pneuma hagion", "spiritus sanctus" und insbesondere vom "Heiligen Geist" ist diese Erstarrung erfolgt ... Das westgermanische Wort "ghost" hat die Grundbedeutung "überirdisches Wesen". Wenn auch ... alte sprachgeschichtliehe Verbindungslinien zu den Worten Wind und Atem vorliegen, so ist doch diese frühere Wortbedeutung zur Zeit der iroschottischen Mönche schon völlig verblaßt, während sich die Bedeutung "überirdisches Wesen" im Sinne von "Riese", "Gespenst" in den Vordergrund geschoben hat ... "Holy Ghost", das dann bei der von den iroschottischen Mönchen ausgehenden Missionierung Germaniens zum "Heiligen Geist" wird, bedeutet deshalb schon damals ein in einen heiligen Schrecken versetzendes überirdisches Wesen. Als solcher hat der Begriff keinen Anhalt mehr in der normalen sinnenhaften Alltagssprache, er kann deshalb jene Wirklichkeit nicht mehr richtig bezeichnen, die alttestamentlich "ruach Jahwe" und neutestamentlich "pneuma hagion" heißt.

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Atem: Zum selben Thema eine frühere Predigt


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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

Schriftenverzeichnis

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