Jürgen Kuhlmann: Drei-einiger Friedenskuss

Jürgen Kuhlmann: Impuls zur Lesung

Lesejahr A

Drei-einiger Friedenskuss

Gedanken am Dreifaltigkeitsfest


»Grüßt einander mit heiligem Friedenskuss« (2 Kor 13,12). Wenn wir uns vor der Kommunion zum Friedensgruß die Hand reichen, Bekannte wie Unbekannte, ist das äußerlich gesehen weniger intim, als es der echte Kuss damals in Korinth war und heute anderswo ist, z.B. im schwarz-katholischen St. Augustin der US-Hauptstadt: "Sie bieten sich das Friedenszeichen bei einem Rücken-klopfenden, Wangen-küssenden, Bär-schüttelnden Geschehen, das sich nach Minuten bemisst" (The Tablet [London], 3 May 2008, p.4)

. Doch auf das genaue Zeichen kommt es nicht an. Was wir uns am heutigen Dreieinigkeitsfest wieder neu klar machen wollen, ist unsere wirkliche, grenzenlose Intimität innerhalb des dreifaltigen Liebesbundes. Sie wird von jedem Friedensgruß während der Liturgie bedeutet und will von ihm aus alle Beziehungen erfüllen, die Ihr Leben ausmachen.

»Das Reich Gottes ist nahe, denkt um!« rief Jesus seinen Hörern zu, ruft es auch jetzt bei jeder Predigt. Wie sollen wir am Dreifaltigkeitsfest umdenken? Wir sollen endlich Schluss machen mit der dummen Vorstellung, die sich unbefragt noch in so vielen Gemütern herumtreibt: als gäbe es da irgendwo unendlich weit droben drei Personen, deren eine, nach kurzem Aufenthalt hier, wieder dort hinauf zurückgekehrt wäre, von wo aus die Drei uns Untere beobachten und mahnen. Diese Vorstellung ist nicht nur insofern falsch, als überhaupt kein Gottesbild das Große Geheimnis wiedergeben kann. Sondern drei göttliche Personen dort oben und uns viele hier unten zu denken ist total falsch, hat mit dem, was der Glaube meint, gar nichts zu tun. Denn keine Vielheit anderswo sind die »Drei«, vielmehr der unendliche Beziehungsreichtum hier, in den wir eingespannt sind.

Deshalb trifft der heilige Friedenskuss (den Paulus in der zweiten Lesung aufträgt) die Dreifaltigkeitswahrheit genauer als jene unselige Vorstellung es tut. Sooft wir einander vor der heiligen Kommunion mehr oder weniger lächelnd die Hand reichen, ereignet sich das, was wir heute feiern: Im WIR der Heiligen LIEBE beziehe ICH (das eine Glied am geschichtlichen Leib des Ewigen KINDes) mich auf DICH (das andere, mit dessen oder deren Blick mich – wahrer als aus der ungeheuersten Himmelserscheinung – eine lebendige Facette des unergründlichen göttlichen AUGEs anschaut).

Kraft der Energie, die dank solch liturgisch spürbarer Teilhabe an der göttlichen Spannungseinheit in uns wächst, sollen und können wir dieselbe Teilhabe dann auch im Alltag »draußen« (in Wahrheit gibt es kein Draußen, alles ist längst DRINNEN) immer wieder neu aus allerlei Verschüttungen frei graben, uns zur Freude (mit »freut euch!« beginnt die Lesung) und jeder Person, zu der wir eben gesandt sind. Bei jedem aktuell als zweipolig geschaffenen Kommunikationssystem ergeht an den christlichen Pol der »Missionsauftrag«; bei dem geht es nicht darum, Fische ins Netz des Großsystems Kirche zu ziehen, sondern ein Christ soll und darf mit jedem Mitmenschen zusammen eine besondere Schöpfungsgestalt bilden, von ihm lernend und ihm die eigene Osterhoffnung bezeugend - die nichts Entfremdendes hat: kein fernes Dann sondern jedes Jetzt ersteht DANN auf; bei der Probe übt die Flötistin nichts anderes sondern exakt dieselbe Melodie ihres Lebens, die sich im Konzert mit allen anderen wunderbar verbindet.

Heiligste Dreifaltigkeit, lass all unsere Beziehungen kleine Trafos sein, durch die Deine Energie sich in der Welt verbreitet als Licht, Klang und Sinn. Und auch als verbindende Wärme oder bewahrende Kälte, je nach dem, was gemäß Deinem Willen zu unserem Heil gerade dran ist.

[Himmelserscheinung: Das Foto wurde vom Weltraumteleskop Hubble aufgenommen und zeigt den Helix-Nebel, einen ausglühenden Stern, der 650 Lichtjahre entfernt ist und einen Durchmesser von drei Lichtjahren aufweist. Das Foto wird oft "Das Auge Gottes" genannt.]

Andere Predigten für heute finden sich hier und dort.


Was heißt Neuevangelisierung ?
Text und Ton der Radio-Sendung im Bayerischen Rundfunk (Bayern 2, Katholische Welt) vom 2. Februar 2014

[Wenn die Daten später beim Rundfunk nicht mehr verfügbar sind, sollten Ton und Text hier zu finden sein.]


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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

Schriftenverzeichnis

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