Jürgen Kuhlmann: Christus ist Jesus plus wir

Jürgen Kuhlmann: Impuls zur Lesung

Lesejahr A

Christus ist Jesus plus wir

Gedanken am Fest Christi Himmelfahrt


Die Kirche ... die sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allen erfüllt.

So wird die Kirche in der heutigen zweiten Lesung gerühmt (Eph 1,23) – auch damals war dies eine unbeweisbare Glaubens-Sicht, gesehen haben schon die Urchristen, wie wir, etwas sehr Irdisches. Damit Sie auch ihren Glauben tiefer teilen können, folgt hier die Himmelfahrtsbotschaft eines so klugen wie geistlichen Jesuiten (er lebt in Ägypten), die ich vor Jahren mitgeschrieben habe:

Was ist der Unterschied zwischen Jesus und Christus? Ist es dasselbe? Nein. Christus ist Jesus plus wir. Das ändert alles. Wäre Christus nur als Jesus auferstanden, hätte er nichts getan. Mit uns ersteht er auf. Christi Auferstehung ist ein Ereignis, das uns betrifft, und die Himmelfahrt auch. Wir sind mit einbezogen.

Unser Traum, Gott zu sein, erfüllt sich. Der Traum des Adam, der Babelturm-Erbauer, dieser Traum, den wir alle in uns tragen. (Fliegen zu können: wer hätte das nicht schon geträumt!) Christus sagt: Dieser Traum ist nicht falsch. Er bestätigt diesen Traum der Vergottung, der theosis.

[Mein Kommentar: So sagen die griechischen Kirchenväter, nicht etwa "Vergöttlichung" (theiosis). Vergöttlicht hieße: Wie Gott werden. Das kann niemand. Gott ist einzig, seinesgleichen kann nichts sein. Aber vergottet wollen und dürfen wir werden: zu ihm selbst gehören als Glieder seines kosmischen Leibes, die Anteil haben an der Person des Einziggeborenen der nicht wie Gott ist sondern Gott selbst, ähnlich wie meine Finger und Zehen nicht wie ich sind - das wäre grotesk - aber ich sind sie, ich spüre es genau: ich schlage, als Finger, gerade die Tasten an.]

Die Bestätigung dieses Traumes ist die Himmelfahrt: Du wirst eines Tages Gott sein.

[Und DANN erkennen, wie du es jetzt schon bist.]

"Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt." Und gleich ist er weg. Wie denn: Gehst du oder bleibst du? "Er entschwand ihren Augen." Kein Abschied sondern ein Verschwinden. Bei der Himmelfahrt fängt eine neue Weise von Christi Gegenwart bei uns an. Jesus von Nazaret war beschränkt in Raum und Zeit, punktuell. Die Auferstehung läßt diese Endlichkeit zerplatzen. Er wird ko-extensiv mit Raum und Zeit. Darum musste sein physischer Leib verschwinden, um in die neue, mystische Dimension seines Leibes einzutreten. Christi Verschwinden bedeutet einen Übergang zur Allgegenwart im mystischen Leib. Das bedeutet nicht nur eine geographische und historische Erweiterung. Sondern eine Verinnerlichung seiner Gegenwart: Als Himmel, der uns alle verbindet, ist Christus eine dynamisierende Kraft geworden. Deshalb ist er das Alpha und das Omega ..."

[Henri Boulad SJ, mitgeschrieben am 23. April 2002 bei einem Vortrag in Nürnberg]

Andere Predigten für heute finden sich hier und dort.



Was heißt Neuevangelisierung ?
Text und Ton der Radio-Sendung im Bayerischen Rundfunk (Bayern 2, Katholische Welt) vom 2. Februar 2014

[Wenn die Daten später beim Rundfunk nicht mehr verfügbar sind, sollten Ton und Text hier zu finden sein.]


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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

Schriftenverzeichnis

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