Jürgen Kuhlmann: Impuls zur Lesung
Lesejahr A

Wie herrscht Christi Friede?

Gedanken zum Fest der heiligen Familie


»In eurem Herzen herrsche der Friede Christi; dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes« (Kol 3,15). »Das Wort 'Familienbande’ hat einen Beigeschmack von Wahrheit«, spottet Karl Kraus. Familien sind ein Ort nicht nur trauter Verbundenheit sondern auch bitterer Rivalitäten. Wie heute so damals vor bald zweitausend Jahren, als der Kolosserbrief geschrieben wurde. Der Friede Christi soll herrschen. Was auf deutsch nicht auffällt, ist im Original eine aufschlußreiche Feinheit. Wo wir »herrsche« hören und uns vielleicht den König eines wohlgeordneten Reiches vorstellen, sahen die ersten Hörer ein anderes Bild: etwa einen Boxring, wo zwei Männer wild aufeinander losprügeln, während daneben, zuweilen dazwischen ein Ringrichter aufpaßt, daß der Kampf nicht unfair wird, daß die beiden nicht treten, kratzen oder unter die Gürtellinie hauen.

Dies also ist die Aufgabe des Friedens Christi »in dem einen Leib« einer Familie und der Kirche. Nicht soll er alle Konflikte unter Harmoniesoße ertränken - solche Wir-Ideologie ist um nichts besser als die Ich-Ideologie der Eigensüchtigen oder die Du-Ideologie der Autoritären. Alle drei Vereinseitigungen drei-einiger Wahrheitspole sind heillos, wahr ist das Beziehungsgefüge der göttlichen Familie, in das wir schon einbezogen sind, nur als ungeteilt Ganzes.

Trotz ihrer Krisen bleibt die Familie ein tröstliches Heilszeichen. Auch in Herzen, denen die eigene zersprungen ist oder nie wirklich war, lebt sie als Sehnsucht. Wer es aus Ängstlichkeit oder wegen der Umstände nicht zur eigenen bringt, weiß doch, was ihm fehlt.

Und darf, wenn er ein Christ ist, glauben (und wenn nicht, hoffen): Im Innersten stimmt das Zeichen. Sogar wenn es mir fehlt. Wie beim Kriegsgefangenen in Sibirien, der seinen Ehering lange retten konnte, bis er ihm eines Tages doch geraubt wird. Darüber ist er traurig, aber nicht unglücklich. Denn die jetzt leere Stelle am Finger hält ihm seiner Liebsten Treue nicht weniger lebendig als zuvor der leuchtende Ring.

Eine andere Predigt für heute findet sich hier.


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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle.

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