Jürgen Kuhlmann: Unentfremdete Hoffnung

Jürgen Kuhlmann: Impuls zur Lesung

Lesejahr A

Unentfremdete Hoffnung

Gedanken am Christkönigsfest


Am Christkönigstag gibt es einen betrüblichen Grund, den alten lateinischen Ritus dem neuen deutschen vorzuziehen. Denn wer vor anderthalb tausend Jahren den Schlusssatz der heutigen 2. Lesung ins Latein brachte, hat ordentlicher gearbeitet als vor Jahrzehnten seine deutschen Kollegen. Allerdings wäre der Gewinn doch nicht so groß, wenn fast niemand den richtigen Text verstünde (»ut sit Deus omnia in omnibus«), statt dass alle den falschen hören. Am besten korrigiert der Zuständige den Wortlaut von sich aus und beschließt die Lesung mit dem, was Paulus schrieb: »Damit Gott sei alles in allem« (1 Kor 15,28). Statt mit der Missgeburt eines ängstlichen Übersetzerkomitees: »Damit Gott herrscht über alles und in allem.«

Gewiss ist auch diese Formulierung sachlich nicht falsch. Gott ist die Liebe, und mehr, als dass über alles in allem die Liebe herrsche, kann niemand vernünftig wünschen. Aber der verschlimmbesserte offizielle Text legt das Verständnis nicht eindeutig auf diesen wahren Sinn fest. Mancher, der sich die Woche hin unter alle möglichen Herrschaften ducken muss, kriegt nun am Sonntag auch noch den finalen Schlag auf den Kopf: Und so bleibt es immer. Bis zuletzt ist jemand anderer droben. Und du unten.

Das aber hat der Heilige Geist an dieser Stelle nicht inspiriert, der Apostel nicht geschrieben und in der Kirche bis vor vierzig Jahren niemand gehört, vielmehr das sehr anders klingende Trompetensignal: »Auf dass Gott SEI ALLES IN ALLEN«. Also auch du in dir. Ähnlich, wie du in deinem Fuß, Auge, Ohr wirklich DU selber bist. Gibt es da Fremdheit, Unterwürfigkeit oder Rebellion? Nur wenn ein Organ krank ist. Das sind wir aber am TAG nach der Zeit gerade nicht mehr. Sondern in heller Selbst-Identität feiert das Ewige Leben sich DANN nicht nur in uns sondern auch als wir selbst, wenn – so sagt es der Ostkirchenheilige Gregor Palamas – »auch durch unseren Leib Gott der Schauende sein wird«.

Sie verstehen, wie entsetzt ich war, als ich diese hohe Hoffnung einem befreundeten Paar in der Bibel nachweisen wollte und statt ihrer das autoritär Verschmierte finden musste. Die anschließende öffentliche Kontroverse hat den Fehler leider nicht behoben. So bleibt nur die Hoffnung, Gott möge auf krummen Zeilen gerade schreiben und dabei etwas kräftiger aufdrücken. Wer die Geschichte des Fehlers kennt, kann sogar beim Hören des Misstextes die von Paulus gemeinte Wahrheit schärfer spüren, als wenn er mehr oder minder gedankenlos die richtige Übersetzung vernähme.

Strengen wir uns an, so zu leben, dass wir und die Unseren uns zuletzt nicht schämen müssen, wenn Gott auch das in diesem sein wird !

Andere Predigten für heute: 2002 und 2005.


Was heißt Neuevangelisierung ?
Text und Ton der Radio-Sendung im Bayerischen Rundfunk (Bayern 2, Katholische Welt) vom 2. Februar 2014

[Wenn die Daten später beim Rundfunk nicht mehr verfügbar sind, sollten Ton und Text hier zu finden sein.]


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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

Schriftenverzeichnis

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