Jürgen Kuhlmann: Umdenken in Jesu Sinn

Jürgen Kuhlmann: Impuls zur Lesung

Lesejahr A

Umdenken in Jesu Sinn

Gedanken am vierten Ostersonntag


"Was sollen wir tun, Brüder? Petrus antwortete ihnen: Denkt um, und taufen lasse sich jeder von euch auf Jesu des Messias Namen zur Vergebung seiner Sünden. Und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen" (Apg 2,38).

Des Petrus Predigt ist seit Ostern und Pfingsten das kirchliche Echo auf Jesu eigene Verkündigung (Mk 1,15): "Die Zeit ist erfüllt, nahe das Reich Gottes. Denkt um, und glaubt an die Heilsbotschaft!"

Petrus ruft wie Jesus zur Umkehr des Herzens. "Kehrt um!" heißt es in der offiziellen Übersetzung, "denkt um!" oder "sinnt um!" trifft den Urtext genauer. Die lateinische Fassung (= tut Buße!) bleibt so grob-äußerlich, dass sie zu den mittelalterlichen Missbräuchen geradezu einladen musste. Trotzdem ist sogar Luther noch bei ihr geblieben.

"Denkt um!" Bei der Begründung des Rufes springt der Gegensatz in die Augen. Jesus weist nach vorn, in die unmittelbare Zukunft: Gottes Reich ist ganz nahe, seid für sein Hereinbrechen bereit! Petrus zeigt zurück auf Jesu Tod und Auferstehung: an ihn schließt euch durch die Taufe an! Den Ausblick auf baldige Zukunft hat Petrus damals noch hinzugefügt ("ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen"), er ging inzwischen fast verloren bis auf die heutige Kümmerform, dass Eltern wissen: in einigen Jahren gibt's dann bei Firmung oder Konfirmation wieder ein Familienfest.

Wie finden heutige Christen zum ursprünglichen Sinn des Umdenkens, auf das alles ankommt? Jesus gibt uns (Mt 18,3) den Tipp: "Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen." Ein kleines Kind kümmert sich kaum (worauf wir angeblich Erwachsenen so fixiert sind) um gestern oder morgen. Es lebt jetzt. Was Jesus immer deutlicher verstand und bei seiner Taufe voll begriff, war offenbar: Jetzt, in diesem Augenblick, bricht Gottes Reich an. Nicht weil es zeitlich nahe gekommen wäre, sondern nahe ist es innerhalb dieses Moments! Alle scheinbaren Selbstverständlichkeiten, die ringsum gelten, von den Besatzungszwängen über die gesellschaftliche Schichtung bis zur Heilsvermittlung durch den Tempelbetrieb: sie behalten im Alltag Macht oder Recht - letztlich und im Grunde sind sie abgetan. Gott schenkt mir diesen erfüllten Augenblick, damit ich mich dankbar freue und dich, meinen Mitmenschen, mit hereinwinke ins Fest des Lebens. JA (2 Kor 1,20). So einfach ist nicht alles - weit gefehlt - aber ALLES.

Als Gefühl konnte auch Jesus diese Einsicht nicht durchhalten, am Ölberg hat Angst ihn geschüttelt. Doch selbst im Griff der entsetzlichsten Qualen blieb er der innersten Klarheit treu: "Heute noch wirst du bei mir im Paradiese sein."

Nach Ostern erfuhren die Jünger: Jesus hat recht. Seit Pfingsten trauen sie sich, das weiterzusagen, bis heute. Seien wir uns jedoch bewusst: Jene Geschichtsereignisse sind zwar der Grund dafür, dass unsere Gestalt des Glaubens christlich heißt. Nicht aber dafür, dass er stimmt. Das liegt allein daran, dass Gottes Reich wirklich nahe ist, in jedem Augenblick und überall. Was Jesus damals einsah, ist unser und aller Heil; dass er es einsah und an Ostern sozusagen bewiesen hat, ist für uns Christen (und solche, die auf uns hören) das Wichtigste auf der Welt - sobald wir aber auf diese Weltfaktoren unseren Sinn so richten, als wären sie das Eigentliche, trifft uns sofort Jesu Ruf: SINNT UM! Blieben wir, statt (mit Jesus, in Christus) ins unmittelbare göttliche JETZT durchzubrechen, an irgendeinem Damals kleben, erginge es uns wie Jesu Zeitgenossen, die - auf ihre auserwählte Herkunft so stolz - des Propheten Spott vernahmen (Mt 3,9): "Gott kann aus diesen Steinen Kinder Abrahams machen."

Zum Glück auch aus dem Stein in jener Brust wieder ein lebendiges Kinderherz.

Eine andere Predigt für heute findet sich hier.


Was heißt Neuevangelisierung ?
Text und Ton der Radio-Sendung im Bayerischen Rundfunk (Bayern 2, Katholische Welt) vom 2. Februar 2014

[Wenn die Daten später beim Rundfunk nicht mehr verfügbar sind, sollten Ton und Text hier zu finden sein.]


Volle Internet-Adresse dieser Seite: http://www.kath.de/predigt/jk/a-4o.htm

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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

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