Jürgen Kuhlmann: Impuls zur Lesung
Lesejahr A

Eines Sinnes sein - wie geht das?

Gedanken zum dritten Sonntag im Jahreskreis


"Seid alle einmütig, und duldet keine Spaltungen unter euch; seid ganz eines Sinnes und einer Meinung" (1 Kor 1,10). Dieses Gebot des Apostels Paulus sollen wir - im Licht der Kirchengeschichte - richtig verstehen. Heilsam ist es nur als geistliche Mahnung. Als organisatorische Vorschrift aufgefasst, führt es zu dem leider allzu bekannten Zustand, dass ein Pascha oder ein Klüngel den Ton angibt und die anderen, um jede Spaltung zu vermeiden, feige kuschen. So entsteht aber keine einmütige Gemeinde sondern bloß Friedhofsruhe. Die ist nicht besser, nur anders schlecht als offene Spaltung.

Geistliche Mahnung heißt keineswegs: Unverbindliches Geschwafel, Tünche über Risse. Die platzt bei der kleinsten Krise ab. Sondern geistlich ist im Vollsinn des HEILIGEN GEISTES gemeint, der mit dem allherrschenden GOTT und seinem ewig gültigen WORT gleichrangigen absoluten STEREO-FÜLLE. Ihre Gleichnisse sind: die Fülle der Sinfonie in den Gegensätzen, ja Widersprüchen von Oboe und Bass, Trommel und Piccolo. Und die Fülle der Pfingstsonne, die das bunte Glasfenster der Kathedrale zum Leuchten bringt. Und die Fülle der Lebenskraft des Leibes Christi (1 Kor 12), der auf das gegensätzliche Miteinander seiner Organe angewiesen ist: er braucht nicht nur einen allerlei erst mal aufnehmenden Mund und Magen, sondern auch die kritische Niere, die manches eingebrachte Gift streng hinauswirft (wo ist der tüchtige Nephrologe, der ihre oft so schwächende Überfunktion heilt?)

Wie immer Paulus seinen Satz damals gemeint haben mag - auch er war ein versuchter Mensch, vermutlich mehr zu autoritärem als zu laschem Verhalten - wenn das sich darin offenbarende WORT GOTTES uns mahnt, eines Sinnes zu sein, fordert es von einem Rot nicht, vor einem übermächtigen Grün zu erblassen, gar zu ergrünen, sondern allein: das eine selbe (aber nicht gleiche!) Licht auch im (optisch wie soziologisch) gegnerischen Grün zu achten und mit ihm zusammen ein reicheres Gemälde zu sein als eine bloß rote Fläche wäre.

Profilreiche Eintracht überfordert unsere Kräfte. Die Harmonie von Konflikt und Harmonie ist der Konflikt von Harmonie und Konflikt - über dieses Paradox hinaus oder besser: in seine göttliche Spannung hinein führt keine weltliche oder kirchliche Logik sondern allein die - wenn wir uns nicht sträuben - jede Logik von innen her belebende Gottesgischt. Nicht irgendeines, sondern ihres einen Sinnes lasse SIE uns sein!


Eine andere Predigt für heute findet sich hier.


Hinweis auf eine spannende Radio-Sendung am 2. Februar 2014:

Erwachsen, hat das Krippenkind zu Gott gebetet, "im Heiligen Geist gejubelt" und gegen religiöse Selbstentfremdung bis zum Tod gekämpft. In drei Richtungen ist es deshalb mit großen Gruppen der heutigen Menschheit total solidarisch !


Volle Internet-Adresse dieser Seite: http://www.kath.de/predigt/jk/a-3s.htm

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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle.

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