Jürgen Kuhlmann: Unter der Dusche des Heils

Jürgen Kuhlmann: Impuls zur Lesung

Lesejahr A

Unter der Dusche des Heils

Gedanken am dritten Fastensonntag


"ICH stehe dort vor dir auf dem Felsen am Choreb. Dann schlag an den Felsen! Es wird Wasser herauskommen, und das Volk kann trinken" (Ex 17,6).

"Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unseren Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist" (Röm 5,5).

Wie war das damals, als Mose an den Felsen schlug? Das frage ich nicht. Wir waren nicht dabei. Lieber stelle ich mich in die Reihe der Deuter, denen diese alte Geschichte Neues sagte. Der junge Saulus hatte schon im Religionsunterricht vom Rabbi gehört, dass jener Felsen kein geographischer Fixpunkt war sondern die Israeliten auf ihrem Wüstenweg begleitet hat. Nach seiner Wende verstand Paulus dann: der Fels war kein anderer als Christus selbst, schon lange vor seiner Menschwerdung wollte er den Glaubenden hilfreich nahe sein: "Alle tranken denselben Geist-Trunk; denn sie tranken aus dem Geist-Felsen, der mit ihnen zog. Und dieser Fels war Christus" (1 Kor 10,4).

Auch wir sind in der Wüste unterwegs und leiden Durst. Hart real die vielen, denen sauberes Trinkwasser fehlt. Wie die Welt aussieht, wird künftig um Wasser mehr und mehr Blut fließen. Wer das nicht vergisst, hält sein Glas andächtig unter den Hahn.

[Zusatz 2014: Dies hat mir vor drei Jahren das Herz beschwert. Heute ist es anscheinend in Syrien und anderswo noch schlimmer, Kyría eleison !] Was sind das für Zeiten, da es in Tokio Tausenden von Müttern das Herz zerreißt, weil sie ihrem eben abgestillten Schatz - bei leeren Regalen im Supermarkt - sein Fläschchen mit giftigem Wasser bereiten müssen? Seit mein Herz an diesem Samstag-Morgen merkte, wie schlimm diese Nachricht ist, kann ich sie nicht logisch mit dem Predigttext verknüpfen, deshalb stört sie so unvermittelt. Die/der Lesende suche die Brücke im eigenen Glauben.

Das eigentliche Wasser, von dem heute die drei Lesungen handeln, läuft jedoch nicht durch den Zähler. Damit es uns rausche, müssen wir Christen gläubig am mitwandernden Felsen anklopfen, der Fels aber ist Christus. Wenn wir uns auf die eröffnete Seite des Gekreuzigten verlassen, wandelt der Wüstensand sich in kostbares Süßwasser der "Liebe Gottes, ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist" nicht als äußere Gabe vielmehr als innerer Quell des Fruchtwassers [vgl. Weltkatechismus, Nr. 694], das im Schoß unserer wahren Mutter uns belebt.

Wie ist solche Wandlung zu verstehen? Nicht scheint der Sand des Alltags weniger öde, die Luft über ihm minder trocken als zuvor. Und doch ist plötzlich alles anders. Durstig vernimmst du den göttlichen Ruf: "Mach weit deinen Mund auf und ich will ihn füllen" (Ps 81,11)! Das tust du und stehst auf einmal im Schwall der Himmelsdusche, wo du frei jetzt atmen, dann schlucken kannst. "Riga quod est aridum", singen wir an Pfingsten. Ja, Heilige GISCHT, tränke was da dürre steht! Lass uns, sooft wir vor lauter Wüste dich vergessen, wieder an den Felsen stoßen. Und ihm trauen, dass er uns nicht verdursten lässt, jetzt nicht und nicht in der Stunde unseres Todes.

Eine andere Predigt für heute findet sich hier.


Was heißt Neuevangelisierung ?
Text und Ton der Radio-Sendung im Bayerischen Rundfunk (Bayern 2, Katholische Welt) vom 2. Februar 2014

[Wenn die Daten später beim Rundfunk nicht mehr verfügbar sind, sollten Ton und Text hier zu finden sein.]


Volle Internet-Adresse dieser Seite: http://www.kath.de/predigt/jk/a-3f.htm

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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

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