Jürgen Kuhlmann: Impuls zur Lesung
Lesejahr A

Mein Gott, welche Freude !

Gedanken zum dritten Adventssonntag


»GAUDETE« hieß der heutige Sonntag früher, »FREUT EUCH !« ruft der Prophet Jesaja uns zu. Mit seinen Worten sangen wir vor vierzig Jahren: »Mein Gott welche Freude an dem TAG an dem du kommst.« Ist das begeisternde Lied noch bekannt?

Mein Gott welche Freude, mein Gott welche Freude,
mein Gott welche Freude, an dem Tag an dem du kommst.
Es jauchze die Wüste, der Jubel füllt das Einödland,
die Steppe steht in Blüte da, wenn der Herr im Licht erscheint.
Wacht auf doch ihr Müden, erstarket, die der Tod beherrscht.
Tröstet euch, seid ohne Furcht, Gott ist unterwegs zu uns.
Er baut eine Straße, Erlöste pilgern auf ihr hin,
bald sehn sie Jerusalem, Gott führt uns in Freuden heim.
Er rüstet zum Kampfe, die Glut des Zornes gießt er aus
Über alles Frevlertum, wenn Gericht gehalten wird.
Der Herr ist der Retter aus Fesseln und aus Dunkelheit.
Hebt die Augen und vertraut, trösten wird er bald sein Volk.

Dasselbe fühlt auf musikalisch anspruchsvollere Weise, wer beim Brahms-Requiem mitsingt oder zuhört. Unvergeßlich bleibt die gewaltige Fuge »Die Erlöseten des Herrn werden wieder kommen, und gen Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein.«

Mitten ins Geheimnis leitet uns eine Übersetzungsfeinheit. Wie die lateinische Bibel, versetzt Luther unsere Hoffnung in die Zukunft: Die Erlösten werden wiederkommen. Anders jetzt unsere katholische Liturgie, sie beschreibt Gegenwart: Die vom Herrn Befreiten kehren zurück. Beide Fassungen sind richtig, das Hebräische unterscheidet nicht wie Europas Sprachen die Zeiten. Läßt sich aus der grammatikalischen Zweideutigkeit eine geistliche Doppeldeutlichkeit gewinnen? Ich glaube, ja.

Weil unsere Hoffnung sich auf EWIGE FREUDE ausstreckt, überragt und umgreift sie den welthaft-zeitlichen Gegensatz von heute und morgen. Käme das Ewige Leben erst morgen, wäre es nicht wirklich mein Leben. Denn ich bin eben der, den es jetzt gibt – vor hundert Jahren gab es viel, nach hundert Jahren wird es eine Menge geben, aber bestimmt nicht mich. Wäre umgekehrt das Ewige Leben nur heute, dann wäre meine Hoffnung tot. Mag östliche Weisheit das Jetzt noch so mystisch tief ausloten: meine tote Mutter gehört nicht zu ihm, somit reicht es mir nicht.

Das Feuer der christlichen Hoffnung flackert nicht bloß jetzt, züngelt auch nicht nur in ein ebenso vergängliches Morgen voraus, flammt vielmehr immer wieder senkrecht hinauf in das NUN Gottes selbst, welches das Gute sämtlicher schon durchlebter und aller noch ausstehender Zeiten in dem einen Augen-BLICK ohne Zwinkern vereint, der dir DANN offenbart, wer du mit allen anderen zusammen gestern, heute und morgen ewig gewesen bleibst. Ha, auch die lahme Sprache dieser Sterbewelt springt wie ein Hirsch. Fürchte dich nicht. Spring auf!

Eine längere Predigt für heute findet sich hier.


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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle.

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