Jürgen Kuhlmann: Welches mag mein Passwort sein?

Jürgen Kuhlmann: Impuls zur Lesung

Lesejahr A

Welches mag mein Passwort sein?

Gedanken am neunundzwanzigsten Sonntag im Jahreskreis


"So spricht der Herr zu Kyros, seinem Gesalbten: ... Um meines Knechtes Jakob willen, um Israels, meines Erwählten, willen habe ich dich bei deinem Namen gerufen; ich habe dir einen Ehrennamen gegeben, ohne dass du mich kanntest. Ich bin der Herr, und sonst niemand; außer mir gibt es keinen Gott" (Jes 45,4).

"Wir wissen, von Gott geliebte Brüder, dass ihr erwählt seid" (1 Thess 1,4).

Die Lesungen von heute lehren uns eine wichtige Unterscheidung. Es gibt Berufene, die den Rufer nicht kennen; andere wissen, dass sie erwählt sind und von wem. Beiden kann es widerfahren, dass sie den Inhalt ihrer Berufung missverstehen. "Samuel hat Gott missverstanden," sah Martin Buber ein, während er mit einem strenggläubigen Juden um den Sinn des biblischen Berichtes rang, dass jener Prophet einen heidnischen König auf Gottes Geheiß in Stücke hieb (1 Sam 15,33).

Ist ein solches Missverständnis Schicksal oder Schuld? Darüber zu richten steht uns nicht zu. Als Jesus die bittende Heidin zunächst mit einer Hündin verglich (Mt 15,21-28), wurde er von einem überkommenen allgemeinen Vorurteil geleitet; das hat er überwunden, sobald ihm aufging, dass er es vor dieser ihm jetzt begegnenden wirklichen Frau nicht verantworten konnte: "Frau, dein Glaube ist groß" (so groß, dass er sogar meinen korrigieren konnte)!

Auch wer glaubend seiner eigenen Berufung gewiss sein kann, darf nicht deshalb Gegnern die göttliche Berufung absprechen. Denn es kann sein, dass auch sie - anders - vom selben Gott berufen sind. Erschreckendes Beispiel ist der innerchristliche Zwist zur Reformationszeit. Damals wurde Luther von den Katholiken und von den Protestanten der Papst als Teufelswerkzeug verlästert und in Flugschriften massenwirksam illustriert. Heute werden solche Urteile in beiden Konfessionen von Vernünftigen als Missverständnisse zurückgenommen.

Ob ein Mensch den ihn Berufenden kennt oder nicht, diese Unterscheidung ist keineswegs glatt. Zwischen weiß und schwarz gibt es da unzählige Grautöne sowie (entlang der Zeitdimension) Zebramuster. Den Ausschlag gebe für Glaubende die Zuversicht: berufen ist jeder Mensch. Nicht nur große historische Figuren wie damals den persischen König Kyros ruft Gott ohne dass sie ihn kennen, sondern jedes scheinbar geringste Menschenkind. Im eigenen Umkreis ist jedem sein besonderes Programm zugewiesen, mit geschütztem Zugang.

Am 1. August 1964 träumte der weise Christ Romano Guardini: "... Es wurde also gesagt, wenn ein Mensch geboren wird, wird ihm ein Wort mitgegeben, und es war wichtig, was gemeint war: nicht nur eine Veranlagung, sondern ein Wort. Das wird hineingesprochen in sein Wesen und es ist wie das Passwort zu allem, was dann geschieht. Es ist Kraft und Schwäche zugleich. Es ist Auftrag und Verheißung. Es ist Schutz und Gefährdung. Alles, was dann im Gang der Jahre geschieht, ist Auswirkung dieses Worts, ist Erläuterung und Erfüllung. Und es kommt alles darauf an, dass der, dem es zugesprochen wird - jeder Mensch, denn jedem wird eins zugesprochen - es versteht und mit ihm ins Einvernehmen kommt. Und vielleicht wird dieses Wort die Unterlage sein zu dem, was der Richter einmal zu ihm sprechen wird."

Eine andere Predigt für heute findet sich hier.


Was heißt Neuevangelisierung ?
Text und Ton der Radio-Sendung im Bayerischen Rundfunk (Bayern 2, Katholische Welt) vom 2. Februar 2014

[Wenn die Daten später beim Rundfunk nicht mehr verfügbar sind, sollten Ton und Text hier zu finden sein.]


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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

Schriftenverzeichnis

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