Jürgen Kuhlmann: Unterwegs zum Großen Sieg

Jürgen Kuhlmann: Impuls zur Lesung

Lesejahr A

Unterwegs zum Großen Sieg

Gedanken am achtzehnten Sonntag im Jahreskreis


"Ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn" (Röm 8,38 f).

Nur sie macht es. Nichts reißt uns aus dem JA des Ganzen.

Nicht die Verbrechen der Kirche. "O heilige Einfalt!" rief Jan Hus aus, als am 7. Juli 1415 in Konstanz eine Alte seinem Scheiterhaufen auch noch ihre paar Späne beifügte. Der böhmische Ketzer brannte trotz des vom Kaiser ihm zugesicherten freien Geleits.*

Nicht die Nichtigkeit auch des wunderbarsten Irdischen. Nach Michael Ballacks gewaltigem Freistoßtor in Wien fiel mir ein anderer solcher Volltreffer ein, gewuchtet vor mehr als sechzig Jahren von Fritz Walter ins Tor des BCAugsburg. Viele dürften wir nicht mehr sein, die sich daran erinnern. Und doch war es damals im Kleinen ein ähnlicher Triumph, wie jetzt im Großen Ballacks Meistertreffer. Der ist inzwischen gleichfalls Geschichte, wird nach weiteren sechzig Jahren nur mehr von Rentnern erinnert und Spezialisten bekannt sein.

Sind die großen Augenblicke nichtig, was ist dann erst mit den kleinen? Handelte jener Engländer nicht logisch, der sich eines Nachmittags an seinen Hosenträgern aufhing, weil es ihm zu langweilig war, sich jeden Morgen an- und jeden Abend auszuziehen? Logisch, fürchte ich, kann niemand ihn widerlegen. Aber jeder vernünftige Glaube sagt zu ihm: Nein!

Der christliche versichert ihm, mit der heutigen Lesung: Was dir so nichtig vorkommt, ist bloß das zeitliche Kleid. Eingehüllt in die gegenwärtigen und zukünftigen Lumpen lebt aber - wie im Bild von Murillo - das fröhliche Kind, das du in Wirklichkeit bist. Niemand und nichts kann dich aus der Freundlichkeit des Ganzen herausreißen, die als Jesus in unsere Lumpen geschlüpft ist, um sie zuletzt alle feierlich zu verbrennen, während Gottes Kinder (dabei auch die Sieger, Verlierer und Zuschauer bei jenen beiden Freistößen) alle frisch gebadet um das prasselnde Feuer tanzen. Was an Brennbarem dem Scheiterhaufen von heiliger Einfalt beigefügt wird und was (1 Kor 3,15) von welcher unheiligen Mischung aus Schwäche und Bosheit, kann in der Zeit niemand wissen. Lasst uns hoffen, dass solche Unterschiede den tanzenden Kindern höchstens noch interessant sind, wichtig nicht.


* Auch zweihundert Jahre später wurde in katholischen Schmähschriften erklärt, "der Augsburger Religionsfrieden sei schon deshalb sein Papier nicht wert, weil Vereinbarungen mit Häretikern grundsätzlich keine Rechtskraft zukomme ... Das Thema 'de fide haereticis servanda' (also: kann ein Ketzern gegebenes Wort überhaupt binden, sind diese geschäftsfähig? war ... beliebt. Die häufig negativen Antworten legten die Axt an die Wurzel des politischen Systems" [Axel Gotthard, in "Der Augsburger Religionsfrieden" (Münster 2007),51]. Sollte christliche Empörung über muslimische "takiya" (arabisch: Verstellung) sich da nicht sehr leise melden?

Eine andere Predigt für heute findet sich hier.


Was heißt Neuevangelisierung ?
Text und Ton der Radio-Sendung im Bayerischen Rundfunk (Bayern 2, Katholische Welt) vom 2. Februar 2014

[Wenn die Daten später beim Rundfunk nicht mehr verfügbar sind, sollten Ton und Text hier zu finden sein.]


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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

Schriftenverzeichnis

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