Jürgen Kuhlmann: Opfer: Gottesgift nein, Liebeszeichen ja

Jürgen Kuhlmann: Impuls zur Lesung

Lesejahr A

Opfer: Gottesgift nein, Liebeszeichen ja

Gedanken am zehnten Sonntag im Jahreskreis


»Liebe will ich, nicht Opfer.« Über mehr als ein halbes Jahrtausend hin war dieser göttliche Grundsatz vom Propheten Hosea bis zu Jesus gelangt. Er bekräftigte ihn (im heutigen Evangelium), seither ist er durch zwei Jahrtausende bis zu uns gekommen, als begeisternde Freiheitsbotschaft: Liebe will Gott, nicht Opfer.

Wie verträgt ihr Klang sich mit der anderen lauten Botschaft im Namen Gottes? Gott wolle Opfer, sogar die schwersten: Abraham sollte sein einziges Kind opfern und hatte schon das Messer in der Hand, als der Engel des Herrn ihm zurief: Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus, und tu ihm nichts zuleide! Einen Ruf, das eigene Glück dem Dienst an Gottes Sache hinzuopfern, haben zu allen Zeiten viele gläubige Menschen vernommen und befolgt, zum Beispiel auch, wenn sie sich (wie Jesus schroff sagt (Mt 19,12; die Einheizübersetzung hält so etwas natürlich nicht aus) »um des Himmelreiches willen selbst verschnitten«, d.h. auf Frauen- oder Männerliebe verzichteten. Ganzopfer, Messopfer, Opferstock, Opfergabe, Opferfest – solcher Wörter sind die religiösen Sprachen voll und werden es bleiben. Wie gehen wir da richtig um mit Jesu Wort »Liebe will ich, nicht Opfer«?

Indem wir es richtig verstehen, nämlich je situationsgerecht, nicht wie einen neutralen Satz objektiver Wissenschaft. Köln liegt am Rhein, nicht an der Wolga; Orangen sind rund, nicht eckig: da ist die Sache klar, »nicht« heißt eindeutig: nicht. Glaubenssätze sind anders gebaut. »Liebe will ich, nicht Opfer« dürfen wir so verstehen: Wenn ich ein Opfer will, dann nie gegen die Liebe. Mag aber sein, als besonders deutlichen Ausdruck radikaler Liebe.

Wer ohne Kontext vertrauensvoller Liebe einen Opferbefehl zu erhalten meint, gerät leicht in dieselbe Falle wie ein Freund, der in der Jugend jedes Suppenhuhn beneidete, weil es bloß zum Kochtopf unterwegs war und nicht zur Hölle wie er selbst, der sein Taschengeld vernaschte statt es für die hungrigen Kinder in Indien zu spenden.

Nicht Opferautomaten sollen wir sein, sondern mit großen Augen den Liebesblick des Gottes suchen, der das Leben will. Wenn jemand sich einmal im hellen Licht einer Berufungs-Gewissheit zu einem Opfer entschlossen hat, wird das nicht falsch, sollte er später andere ergreifen. Das Opfer der so gelebten Jahre wird nicht zurückgenommen, wenn die kommenden das scheinbar umgekehrte Vorzeichen erhalten. Scheinbar: Oder meint wer, eine gelingende Ehe samt vernünftigen Kindern erfordere weniger Opfer als ein normaler Alltag im Pfarrhaus?

Eine andere Predigt für heute findet sich hier.


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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

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