Jürgen Kuhlmann: Das Große Zeichen

Jürgen Kuhlmann: Impuls zur Lesung

Lesejahr A

Das Große Zeichen

Gedanken zum Hochfest der
Aufnahme Mariens in den Himmel


"Der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet, und in seinem Tempel wurde die Lade seines Bundes sichtbar ... Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen ... [Drache] Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der über alle Völker mit eisernem Zepter herrschen wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt. Die Frau aber floh in die Wüste, wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte" (Offb 12).

Die erste Lesung aus dem letzten Buch der Bibel können wir heute besser verstehen als die ersten Leser. Wer ist die schwangere Frau, deren Sohn über alle Völker herrschen wird? Die dann aber in die Wüste flieht? Geheimnisvoll bleibt die persönliche Selbigkeit von Maria und der Kirche immer, doch hat sie die christlichen Jahrhunderte hindurch so viele Glaubende zu so reichem Gotteslob begeistert, dass jemand, den diese Denkart anzieht, sich ihr angstlos anvertrauen darf. Obwohl sie kein katholisches Dogma ist. Wenn jemand Maria lieber nur als jene bestimmte Frau damals ehrt und die Kirche nur als Kollektiv ansieht, darf niemand ihm unkatholisches Denken vorwerfen. Doch hätte er zu vielen wunderbaren Zeugnissen unseres Glaubens keinen Zugang.

Das Große Zeichen Maria-Kirche steht uns nicht nur gegenüber. Jeder gläubige Mensch bildet es mit, wie das Zeichen eines dir lieben Gesichtes sich aus unzählbar vielen lebendigen Zellen zusammensetzt. Sie, die erlöste Schöpfung in Person, enthält in sich uns alle. "Ihr seid Ich", sagt die verherrlichte Madonna, "Sie in uns und wir in Ihr", jubeln wir in dem gewaltigen Hymnus, den Francis Thompson für das heutige Fest gedichtet hat.

Sorgen Muslime sich um Gottes Ehre, Protestanten um die Würde Christi? Gern vernehmen Mariens Verehrer solche anderen Glaubenssignale, gehören die doch auch zur Symphonie - und wehe, wir verdrängen sie. Im Ganzen darf aber auch die Marienwahrheit klingen. Denn nicht raubt die Mondscheibe dem Sonnenball seinen Glanz, sie lässt ihn sich aber gern schenken und strahlt ihn anders weiter, milder und tröstlicher als der glühende Atomofen selbst. Gott der Eine, DU bist unser SCHÖPFER, Christus ist Dein nicht geschaffenes sondern selbst schöpferisches WORT. Aus und zu DIR lebt Sie, die nicht göttliche Schöpfung, die aber nicht nur Vielheit ist, "in bunte Pracht gehüllt" (Ps 45,15), sondern wahrhaft auch eine Person, der Verkündigungsengel grüßt sie höflicherweise mit ihrem wahren Namen "Begnadete" (Lk1,28). Von Ihr, der "selig Glaubenden" (Lk 1,45), wurde und wird belebt, wer Gottes Wort aufnimmt und zu welcher Gestalt auch immer ausformt und gebiert.

Diesem Glauben müssen Muslime nicht widersprechen. Gemäß dem Koran (der Maria als einzige Frau namentlich nennt) verbringt sie ihre Kindheit im Tempel, sie lebt als Gottgeweihte in Gottes Bezirk, sie ist die Verkörperung eines Lebens in vertrauter Hingabe an Gott. Sure 3,42 - 44 zeigt deutlich: Maria ist Gottes Erwählte.

"Viele Pfade führen zu Gott, doch der Weg Mariens ist der süßeste und sanfteste. Wenn du mit Maria, der Matrix des Lebens, der Göttlichen Mutter, eins wirst, dann wirst du in Christus und Christus wird in dir geformt," bekennt ein Sufi-Mystiker [R.Feild, Ich ging den Weg des Derwisch (Fischer TaBu 1985), 91]. Wie in diesem Islam, wurde Maria auch von katholischen Gründervätern der Europäischen Union hoch verehrt. Hält jemand es für Zufall, dass die EU-Fahne sich unserer Lesung verdankt ("ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt")? Versöhnerin der streitenden Religionen, bitt für uns!

Andere Gedanken zum Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel:

Maria Urbild der vollendeten Schöpfung. Predigt

Mutter im Himmel. Predigt

Maria in den Himmel aufgenommen. Essay


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Siehe auch des Verfassers alten Predigtkorb von 1996 an

und seine kat-holische Theorie-Baustelle

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