Sondersendungen des ZDF
zum Papstbesuch

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Die ZDF-Sendungen im Überblick

Mit einer Reihe von Sondersendungen begleitet das ZDF den Besuch von Papst Johannes Paul II. in Deutschland vom 21. bis 23. Juni 1996. Den Auftakt bildet ein Grußwort, das der Heilige Vater noch von Rom aus an die Menschen in Deutschland richten wird, Mit seiner dritten Reise in die Bundesrepublik - nach 1980 und 1987 die erste in das wiedervereinigte Deutschland geht für den Papst der Wunsch in Erfüllung, Berlin zu besuchen. Dies war ihm aus diplomatischen Gründen bis zur Wiedervereinigung nicht möglich.
 

           

Der Tag in Berlin, der Sonntag, 23. Juni ist daher auch der Schwerpunkt für die ZDF-Berichterstattung. Dort wird der Papst im Olympia-Stadion zwei Priester selig sprechen, die sich dem nationalsozialistischen Regime widersetzten; Karl Leisner und Bernhard Lichtenberg. Die Karten für das Stadion sind längst vergriffen, die Zahl der Interessenten übersteigt die Sitzplätze bei weitem. Die Erzdiözese Berlin hat aufgrund der regen Nachfrage ihre Planungen für den Gottesdienst schon modifiziert, um auch denen, die keine Karten mehr für das Stadion bekommen haben, noch eine Teilnahme auf dem Maifeld zu ermöglichen. Über Videowände und mit Hilfe der Übertragungstechnik des ZDF werden sie einbezogen und können den Heiligen Vater zwar von Ferne, aber wenigstens persönlich beim Seligsprechungsgottesdienst erleben.

Die Zuschauer des ZDF sind am Sonntag, 23. Juni ab 11.00 Uhr ebenfalls live dabei, wenn der Papst, nach seinem Besuch in Schloß Bellevue bei Bundespräsident Herzog mit dem Hubschrauber vor dem Stadion landet und dann mit dem Papamobil ins Stadion fährt. Mit exklusiven Kamerapositionen und einem hohen technischen Aufwand wird das ZDF den Gottesdienst, an den sich das Gebet des Angelus anschließt, übertragen. Es kommentieren die Leiterin der ZDF-Redaktion Kirche und Leben, kath., Michaela Pilters, und der Fernsehbeauftragte der katholischen Kirche beim ZDF, Pater Eckhard Bieger . Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stehen die beiden neuen Seligen, Karl Leisner und Bernhard Lichtenberg.

 

Bernhard Lichtenberg
und
Karl Leisner

Der Berliner Dompropst Bernhard Lichtenberg (1875 - 1943) war der Gestapo insbesondere für sein Gebet für die Juden ein Dorn im Auge. Seit der Reichspogromnacht im November 1938 hatte er regelmäßig öffentlich für die verfolgten Juden gebetet und mit einem Hilfswerk die "nichtarischen Christen" und Juden im Reichsgebiet unterstützt. Lichtenberg hatte als einer der wenigen "Mein Kampf" gelesen und ernst genommen. Immer wieder hat er sich konsequent und offen gegen das Regime ausgesprochen. Von einem Sondergericht wurde er nach einer Denunziation zu zwei Jahren Haft verurteilt wegen "staatsfeindlicher Betätigung". Am Tag seiner Entlassung wurde er erneut verhaftet, er starb auf dem Transport nach Dachau in Hof/Saale.

Auch Karl Leisner (1916 - 1945) wurde Opfer einer Denunziation. Aktiv in der katholischen Jugendbewegung, wurde der angehende Priester seit 1936 von der Gestapo überwacht. Eine Bemerkung zum Attentat auf Hitler am 8. November 1938 im Bürgerbräukeller führte zu Verhaftung und Konzentrationslager. Dort wurde der an Lungentuberkulose schwer erkrankte Priesteramtskandidat heimlich zum Priester geweiht. Am 26. Dezember 1944 konnte er im KZ Dachau seine erste und einzige Heilige Messe feiern. Er starb an Tuberkulose kurz nach Kriegsende.

              

Auch alle übrigen Programmpunkte der Papstvisite finden im ZDF-Programm in der aktuellen Berichterstattung ihren Niederschlag. Schon bei der Anreise ist ein ZDF-Team mit an Bord der Papstmaschine. Alle Stationen des Besuches werden von Kamerateams begleitet, und die aktuellen Nachrichtensendungen berichten ausführlich.

Mit einem ZDF-spezial am Sonntag, 23. Juni um 22,45 Uhr faßt die Redaktion Kirche und Leben die einzelnen Stationen der Visite zusammen und bringt Hintergründe und Einordnung des Ereignisses das für die Katholiken in Deutschland besondere Bedeutung hat, durch seinen eindeutig ökumenischen Akzent in Paderborn und die Begegnung mit den Juden aber auch für andere Religionsgemeinschaften wichtig ist.

ZDF Presse Extra
Hrsg: Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit
Mai 96
Im Zusammenhang mit dem Papstbesuch stehen auch zwei vorbereitende Sendungen. Den Auftakt bildet am Sonntag 16. Juni 1996, 13.30 Uhr die Wiederholung des Dokumentarspiels "Bernhard Lichtenberg" von Maria Matray und Answald Krüger. Regie führte Peter Beauvais. Am Montag 17. Juni, 15.45 Uhr zeichnet Werner Kaltefleiter in 39° unter dem Titel "Fragen Sie Navarro" ein Porträt des Pressesprechers des Papstes. Dr. Joaquin Navarro-Valls, Direktor des "Presseamtes des Heiligen Stuhls", ist Mitglied des Opus Dei, einer katholischen Laienorganisation, die seit ihren Anfängen in das Kreuzfeuer der Kritik jener geraten ist, die in ihr eine Art "heilige Mafia" vermuten.