Das soziale Engagement |
Seit ihrer Gründung hat die Kirche nicht nur die Frohbotschaft Christi verkündigt und Gottesdienst gefeiert, sondern sich auch um Bedürftige gekümmert. Die Linderung von Not ist ein wesentliches Element christlicher Welt- und Gesellschaftsgestaltung. Für die tätige Nächstenliebe ist Caritas das Fachwort geworden, das zugleich christliches Programm für praktische Mitgestaltung der Gesellschaft ist. |
| Deutscher Caritasverband | Der mit diesem Begriff sein Tätigkeitsfeld beschreibende Deutsche Caritasverband, 1897 von Prälat Lorenz Werthmann gegründet, und seine diözesanen Gliederungen sind die wirksame Organisationsstruktur. Trotz der Zahl von 431.000 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Caritas ist damit nur ein Teil dieses sozialen Einsatzes der Kirche beschrieben. In Gemeinden und katholischen Verbänden engagieren sich nach Schätzungen rund eine Million Katholiken ehrenamtlich, indem sie Nachbarschaftshilfe leisten, sich um kranke und behinderte, alte und sozial schwache Menschen, um benachteiligte und drogenabhängige Jugendliche, um Ausländer, Asylbewerber und ihre Familien kümmern. |
| Subsidiaritätsprinzip | Das System der sozialen Sicherung und der sozialen Hilfen in der Bundesrepublik ist geprägt vom Zusammenwirken freier und staatlicher Hilfsträger. Damit kommt zum Ausdruck, daß soziale Aufgaben sowohl in der Verantwortung des Staates wie freier gesellschaftlicher Kräfte liegen. Dabei räumt der Staat nach dem in der Katholischen Soziallehre entwickelten Subsidiaritätsprinzip – nach dem er erst tätig werden soll, wenn gesellschaftliche Gruppen sich nicht (mehr) einsetzen können – den freien Trägern der Wohlfahrtspflege einen Vorrang ein. So hat sich historisch entwickelt, daß in Deutschland zum Beispiel 69 Prozent der Kindergartenplätze, 67 Prozent der Altenheimplätze und 36 Prozent der Krankenhausbetten von freien Trägern der Sozialarbeit vorgehalten werden. |
| mehr als 24.000 Einrichtungen | Der Deutsche Caritasverband als Wohlfahrtsverband der katholischen Kirche unterhält insgesamt mehr als 24.000 Einrichtungen wie Kindergärten, Krankenhäuser, Heime für Jugendliche, Senioren und Gefährdete; Sozialstationen und Beratungsstellen mit insgesamt knapp 1,2 Millionen Plätzen. Dazu zählen in der Gesundheitshilfe fast 550 Krankenhäuser und über 1200 Sozialstationen; in der Behindertenhilfe rund 450 Rehabilitationszentren und Heime sowie gut 350 Tagesstätten und Schulen für behinderte Kinder und Jugendliche; in der Jugendhilfe mehr als 850 Heime und nahezu 9.800 Kindergärten, -krippen und -horte sowie über 330 Erziehungsberatungsstellen; in der Familienhilfe fast 40 Müttergenesungsheime und knapp 70 Familienferienstätten, über 400 Familienpflegestationen, mehr als 300 Eheberatungsstellen und über 250 Beratungsstellen für Schwangere in Konfliktsituationen; in der Altenhilfe knapp 1.600 Seniorenheime und fast 500 Altentagesstätten. |
| Hilfe für Flüchtlinge und Aussiedler | Für Flüchtlinge und Aussiedler werden 34 Förderschulen und knapp 600 spezielle Beratungsstellen unterhalten. Ausländischen Arbeitnehmern und ihren Familien stehen über 300 Sozialberatungsstellen und über 200 Kultur- und Freizeitzentren zur Verfügung. Als Hilfen bei sozialen Notlagen bietet der Caritasverband an: Etwa 320 Krankenhäuser und Heime für gefährdete Jugendliche und Erwachsene, 240 Beratungsstellen für Suchtkranke und Drogenabhängige und fast 1.500 Selbsthilfegruppen, über 100 Einrichtungen mit Hilfen für alleinstehende Wohnungslose, fast 150 Projekte in sozialen Brennpunkten, über 100 Schuldner-Beratungsstellen und knapp 50 soziale Beschäftigungsbetriebe. |
| Einrichtungen für Aus- und Fortbildung | Um den Nachwuchs für diese Dienste zu sichern, hat der Caritasverband ein Netz von Aus- und Fortbildungseinrichtungen für soziale Berufe geschaffen; dazu gehören 690 Fachschulen, acht Fachhochschulen und 22 Fortbildungsinstitute. |
| Haushalt | Für diese Aufgaben benötigt allein die Caritas-Zentrale in Freiburg einen jährlichen Haushalt von rund 40 Millionen Mark. Kaum hochzurechnen ist der finanzielle Einsatz der Caritaseinrichtungen in den Diözesen, der caritativen Orden und der katholischen Verbände, die sich dem sozialen Engagement verschrieben haben. Die staatlichen Zuschüsse belaufen sich je nach Art der Einrichtung und Hilfen auf 20 bis fast 100 Prozent. Allein daraus läßt sich ermessen, welch hohen personellen und finanziellen Einsatz die katholische Kirche für die sozialen Belange der deutschen Gesellschaft leistet. Nach Berechnungen aufgrund überprüfbarer Daten entlastet allein die caritative Tätigkeit der katholischen Kirche durch Eigenleistung für den laufenden Unterhalt der Einrichtungen, für Investitionen und für Personalausbildung sowie mit Bewertung der ehrenamtlichen, also unbezahlten Arbeit von Freiwilligen den Staat jährlich um mehr als 10 Milliarden Mark. |
| Schutz des Lebens | Ein zentrales Anliegen der katholischen Kirche ist der Schutz des Lebens, den sie in Politik und Gesellschaft als sehr gefährdet sieht. In der politischen Auseinandersetzung um die strafrechtliche Behandlung von Schwangerschaftsabbrüchen haben sich Bischöfe und Laienvertretungen engagiert für das Recht ungeborener Kinder auf Leben eingesetzt und dabei vielfach Mißverständnisse in Kauf nehmen müssen, als würden sie nicht für ein Menschenrecht eintreten, das nicht zur Disposition gestellt werden darf, sondern für die politische Durchsetzung katholischer Moralvorstellungen. Zugleich haben Bischöfe, Caritas, Laiengruppen und Gemeinden ein Netz von Beratungsstellen und Angeboten unbürokratischer materieller und personaler Hilfen für schwangere Frauen, die in Konfliktsituation oder in existentielle Not geraten, aufgebaut. |
| Hospizbewegung | Aus dem praktischen Eintreten für den Schutz des Lebens heraus entwickelt sich auch die Hospizbewegung, die aus dem Engagement von Christen und durch die Unterstützung von Bistümern, Bischofskonferenz und evangelischen Kirchenleitungen wesentliche Impulse erhält. Immer mehr Menschen engagieren sich ehrenamtlich und uneigennützig für Schwerstkranke, deren Tod absehbar ist, um ihnen ein menschenwürdiges Sterben zu ermöglichen, sie mit ihrem Schicksal nicht in der Anonymität moderner Krankenhäuser und gegenüber seelenlosen medizinischen Apparaten allein zu lassen. Gerade in diesem Bereich sozialer Dienste wird deutlich, daß Solidarität und Mitmenschlichkeit einer Gesellschaft nicht allein von genügend finanziellen Mitteln und einem ausreichenden Angebot von Einrichtungen abhängen, sondern im Entscheidenden von Menschen, denen der andere nicht gleichgültig bleibt. |
| Informationen: |
Deutscher Caritasverband Karlstraße 40, 79104 Freiburg Tel: 0761 / 200-0; Fax: 0761 / 200-572 |
html-satz: jouaux