leben werk
seligsprechung
 
     
Vinzenz von Paul
Seine Leitfigur
  Friedrich Ozanam
Sein Leben
  Seine Gattin
und sein Kind
  Rosalie Rendu
Seine Förderin
Jeame-Marie, das älteste von drei Mädchen, wurde am 9. September 1786 im Dorf Confort in den Savoyer Bergen am Vorabend der Revolution in eine wohlhabende, glückliche Familie hineingeboren.Bald enebte das kleine Mädchen unverständliche Dinge: das Haus beherbergte und versteckte den Bischof von Amiecy. Nachts kamen heimlich Christen aus der Umgebung, die Eucharistie wurde wie in den Zeiten der Katakomben gefeiert. Jeanne-Marie wurde zum "Geheimnisträger" und fühlte sich plötzlich erwachsen. Erst zehn Jahre war sie alt, als ihr Vater starb. Die Mutter mußte nun das große Hauswesen und die Erziehung ihrer Kinder allein fortführen. Jeanne-Marie sah, wie die Mutter Hilfesuchende, Flüchtlinge und Opfer der Revolution, mit allem Notwendigen versorgte, damit sie wenigstens die rettende, nahe Schweizer Grenze erreichten. Das Kind nahm teil daran, lernte nicht nur verteilen, sondern teilen, hergeben. Zwei Jahre verbrachte sie im Pensionat der Ursulinen in Gex, eine fruchtbare Zeit, richtungsweisend für ihr Leben. Als sie die Internatsschule verließ, trug sie nicht nur das notwendige Schulwissen davon, sondern das große, geheimnisvolle Wissen um ihre Zukunft in sich.

Am 25. Mai 1802 kam sie nach Paris in das Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern, eine provisorische Bleibe für die Schwestern, die sich nach der Revolution wieder in Paris einfanden. Napoleon brauchte Schwestern für die Pflege der Kranken. Nach einem halben Jahr der Vorbereitung, wurde sie in ein sehr volkreiches Viertel der Stadt Paris gesandt, ein Haus in der Rue Mouffetard, etwa zehn Minuten Fußweg von der "Sorbonne" entfernt. Dort entwickelte sie eine Tätigkeit, die an das Wirken der ersten Schwestern zur Zeit der Gründer erinnert. Durch die schrecklichen Jahre der Revolution waren die Menschen ohne Brot und Gott. Jeanne-Marie Rendu hieß nun Schwester Rosalie, em Name, der bald im ganze Stadtviertel ein Garant für Hoffnung und Hilfe wurde.

Ungezählte Hilfswerke wurden von ihr gegründet, geführt und weiterentwickelt. Es wird von fünfzehntausend Armen gesprochen, die sie mit ihren Schwestern leiblich und geistlich am Leben hielt. Ihre selbstlose Tätigkeit erbaute die Reichen, öffnete auch ihre Herzen und den Geldbeutel und konnte so aufbauend helfen. Ihre eigene Gemeinschaft lebte in den denkbar einfachsten Verhältnissen. Die staatlichen Behörden tolerierten ihr Tun, z.B. eine Mädchenschule ohne Schulgeld, einen Hort, ein Altenheim, eine Armenküche, eine große Ambulanz und vieles mehr. Diese Aktivitäten erregten sogar die Aufmerksamkeit von Studenten der Sorbonne. Dort - in der Pariser Universitat - hatte sich im Wirrwarr neuer Ideen und Programme eine Gruppe von Studenten zusammengetan. Der Jurastudent Frederic Ozanam war es, der aus dieser Bewegung heraus beschloß, die erste "Vinzenz-Konferenz" zu gründen. Bei Schwester Rosalie fanden die ersten Versammlungen statt. Die Studenten hatten ein weites Feld, aber das, was sie taten, war zunächst eine Privatsache, das Tun einer Gruppe von guten Kameraden.

Auf stilles Betreiben von Sr. Rosalie wurden immer neue Gruppen gegründet: "Die Gruppen (Konferenzen) werden in einem Netz der Nächstenliebe den ganzen Erdball umspannen", so hatte es Friedrich Ozanam formuliert, und Schwester Rosalie stellte ihre ganze Erfahrung in den Dienst dieser hochherzigen Studenten, die ihrerseits mit großer Dankbarkeit antworteten und bis zum Tod der Schwester mit ihr in Verbindung standen.

Schwester Rosalie selbst blieb ihr ganzes Berufsleben im Viertel Mouffetard. Die staatlichen Behörden schlugen sie für die Auszeichnung mit dem Kreuz der Ehrenlegion vor, wogegen sie sich mit aller Kraft wehrte. Der spätere Kaiser Napoleon II. verlieh es ihr trotzdem. Als Kaiser besuchte er aufs neue die Rue Mouffetard und fragte Schwester Rosalie, warum sie das Ehrenkreuz nicht trüge, das er ihr verliehen hatte. Sie verteidigte sich bescheiden. Der Kaiser versprach, ihr ein anderes zu schicken, das sie tragen könne. Kurze Zeit danach erhielt sie von ihm ein Kreuz aus Gold, in welchem eine Reliquie des hl. Vinzenz von Paul eingearbeitet war. Gegen Ende ihres Lebens erblindete Schwester Rosatie, eine harte Prüfung! Sie starb mit siebzig Jahren, am 7. Februar 1856.