Bernhard Lichtenberg

navigator

Inhalt
  1. Das schlesische Erbe
  2. Großstadtseelsorge
  3. Dem Gewissen verpflichtet
  4. In den Fängen der NS-Staatsgewalt
  5. Die letzten Tage und Stunden
  6. Lebensdaten Bernhard Lichtenbergs

I. Das schlesische Erbe

Jugend in Ohlau

Lichtenbergs Kindheit und Jugend - er wurde am 3. Dezember 1875 in Ohlau geboren - waren von zwei Erfahrungen besonders geprägt: einmal von der tiefen Frömmigkeit seiner Eltern August und Emilie Lichtenberg, die diese Frömmigkeit an ihre vier Söhne vermitteln konnten, und zum anderen von der Diasporasituation im vorwiegend evangelischen Niederschlesien. (...)

"Priesterliche Jugend"

Am 21. Juni 1899 erteilte der Breslauer Bischof Kardinal Kopp zusammen mit 88 weiteren Diakonen Lichtenberg die Priesterweihe. Das erste Jahr als Kaplan war Bernhard Lichtenberg in Neisse, dem „schlesischen Rom“, tätig, wo er gewachsene kirchliche Tradition und Struktur kennenlernte. (...) Nach nur einem Jahr sandte ihn sein Bischof am 13. August 1900 als Kaplan nach St. Mauritius in Friedrichsberg-Lichtenberg am Rande Berlins.

II. Großstadtseelsorge

Charlottenburg
Friedrichsfelde
Pankow

(...)

Nach Kaplansjahren in Charlottenburg und Berlin leitete Lichtenberg als Kuratus die Gemeinden in Friedrichsfelde-Karlshorst und in Pankow. Besonders in Pankow sah sich Lichtenberg zum erstenmal in öffentliche Kontroversen mit Gegnern der katholischen Kirche verwickelt.

Offenbar in Fortsetzung des Kulturkampfes bezweifelten weltanschaulich Liberale, aber auch der „Evangelische Bund zur Wahrung der deutsch-protestantischen Interessen“ die staatsbürgerliche Loyalität der Katholiken und bekämpften offen die Dogmenlehre, bestimmte Frömmigkeitsformen und die hierarchische Verfassung der katholischen Kirche. Eine Auseinandersetzung, die lange kaum noch vorstellbar war und heute wieder aufzuleben scheint, wenn auch von anderer Seite.

Für Lichtenberg, der den Angriffen vehement entgegentrat, waren dies ja keine neuen Erfahrungen, sondern Kindheitserinnerungen aus Ohlau. Nun allerdings sah er die Notwendigkeit für die drangsalierte Minorität, sich einer Gruppierung anzuschließen, die in der Lage war, die Interessen der Katholiken auch politisch durchzusetzen. Lichtenberg wurde Mitglied der Zentrumspartei.

Im März 1913, nach den Lehrjahren als Kaplan und Kuratus, die er als „glückliche priesterliche Jugend“ bezeichnete, wurde Lichtenberg Pfarrer an Herz Jesu in Charlottenburg, das damals noch außerhalb Berlins lag. (...)

Gegen den Krieg

In die Charlottenburger Zeit fällt Lichtenbergs politisches Engagement in der Stadtverordnetenversammlung Charlottenburgs. Mit der Eingemeindung in die Stadt Berlin gehörte er der Bezirksverordnetenversammlung von Charlottenburg bis 1931 an. Das war für einen katholischen Priester in jenen Jahren nichts Ungewöhnliches, weil Geistliche weithin als gruppen- und interessenunabhängig galten. Als integrative Kräfte waren sie gesucht, zumal auch von der Kirche keine Bedenken erhoben wurden. Lichtenberg vertrat die Interessen der katholischen Minderheit, sein Schwerpunkt waren Schul- und Sozialpolitik, aber auch, neben seinem mit bischöflicher Billigung ausgeübten Mandat, die Friedenspolitik. Zusammen mit dem Dominikanerpater Franziskus M. Stratmann, dem Führer der katholischen Pazifisten, engagierte sich Lichtenberg im „Friedensbund deutscher Katholiken“. Sein Einsatz gegen die Wiederbelebung des Militarismus, gegen die Verherrlichung des Krieges als „Stahlbad der Nation“ und „letztes Abenteuer des Mannes“ und gegen Kriegsdrohungen im Zusammenhang mit der Forderung nach Wiedergewinnung ehemals deutscher Gebiete, brachte ihn folgerichtig in politischen Gegensatz zu den aufkommenden Nationalsozialisten; deren Hauptvertreter in Berlin-Charlottenburg war der „Schriftsteller“ Dr. Joseph Goebbels.

Der Friedensbund war auch innerhalb der Kirche nicht unumstritten, wenn auch die Vorhaltungen, die sich Lichtenberg wegen dieser Tätigkeit gefallen lassen mußte, nicht die „Qualität“ der Schmähungen erreichte, die „der ehrenhafte Pater Stratmann“, wie Lichtenbergs Biograph Alfons Erb ihn nannte, über sich ergehen lassen mußte. Einen Höhepunkt der Auseinandersetzung in der Vornazizeit stellte die Aufführung des Remarque-Films „Im Westen nichts Neues“ dar, bei dem die Nazipresse in eine unvorstellbare Hetze gegen Lichtenberg verfiel. Da der Film wegen massiven Nazi-Terrors nur in geschlossener Veranstaltung gezeigt werden durfte, lud der Friedensbund gemeinsam mit den katholischen Pazifisten die katholischen Verbände zu einer Vorführung in den Neuköllner Mercedes-Palast ein. Die nationalsozialistische Zeitung „Der Angriff“, deren Herausgeber Dr. Joseph Goebbels war, bezeichnete den Film als „viehische Totenschändung“ und warf Prälat Lichtenberg vor, er würde die Gefallenen verhöhnen. Das deutschbewußte Berlin ließe sich eine so freche Provokation nicht gefallen und erhebe millionenstimmig den Ruf: „Raus, zum Tor hinaus mit Monsignore Lichtenberg.“

Persönlich reagierte Lichtenberg auf die Beleidigungskampagne in der ihm typischen Art: Eines Abends erschien er zu einer Vorstandssitzung des Friedensbundes, setzte sich schweigend, zog eine Postkarte heraus und begann unvermittelt vorzulesen: „Du Sauhund, du Schweinepriester, Judenknecht, Verräter, Lump ...“ Eine anonyme Postkarte als Ergebnis der nationalsozialistischen Pressehetze. Lichtenberg verwandte keinen Gedanken darauf, wegen solcher Angriffe dieses oder andere Vorhaben aufzugeben: Wenn er sich einmal einer Sache verschrieben hatte, wenn er etwas als richtig und notwendig erkannt hatte, dann brachte ihn nichts mehr von dem eingeschlagenen Weg ab. Aber natürlich setzte er sich zur Wehr.

Aufgrund einer Verleumdungsklage von Lichtenberg wurden die Hauptverantwortlichen der wüsten Zeitungshetze zu einer Geldstrafe verurteilt, ein Redakteur nahm in einem Vergleich die schweren Beleidigungen Lichtenbergs mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück. Formal war die Sache bereinigt, doch fortan war offener Krieg zwischen Lichtenberg und den Nationalsozialisten.

In den Fängen der Macht

Im Sommer 1933 fanden im Zusammenhang mit der Auflösung der Zentrumspartei und der anderen politischen Parteien außer der NSDAP erste Hausdurchsuchungen, Verhöre und Verwarnungen der Geheimen Staatspolizei bei Lichtenberg statt. Nach glaubwürdigen Aussagen wurde Lichtenberg zwischen 1933 und 1941 mindestens siebenmal von der Gestapo vorgeladen. Solche Vorladungen konnten - wer die Zeit selbst erlebt hat, weiß das - katastrophale Folgen haben. Viele Betroffene sind nie mehr oder sehr viel später wieder zurückgekehrt. Lichtenberg pflegte diese Vorladungen mit der Bemerkung mitzuteilen: „Ich muß heute zur Gestapo. Es kann sein, daß ich nicht pünktlich zum Essen komme“. Die Konfliktbereiche in der Auseinandersetzung mit dem Regime waren „politischer Katholizismus“ und bezogen sich auf Lichtenbergs politische Tätigkeit in der Weimarer Republik:
  • der Einsatz für katholische Vereine und Zeitschriften, deren Existenz durch die Nazis bedroht waren;
  • die Abwehr der Bedrohung des freien kirchlichen Lebens;
  • die Verteidigung der Menschenrechte verfolgter Juden, nichtarischer Katholiken und sogenannten lebensunwerten Lebens.

Lehrer und Beter

Wer Lichtenbergs Weg in das Martyrium verfolgt, könnte dem Eindruck erliegen, der Schwerpunkt seiner Tätigkeit sei Politik und politische Auseinandersetzung gewesen. Das wäre ein fataler Eindruck.

Lichtenberg schrieb einem Mitbruder, der ihm zur Berufung in das Domkapitel bei St. Hedwig im Jahr 1931 gratulierte: „Ich danke Ihnen für Ihre Glückwünsche und bitte um ein Memento, daß ich in meinem neuen Amt auch noch Seelsorger bleiben kann.“

Die vielseitigen Aktivitäten Lichtenbergs waren - gerade auch als Pfarrer in Charlottenburg - Folge eines intensiv gepflegten geistlichen Lebens: Stundengebet, Meditation und öffentliches Abendgebet blieben die festen Daten seines Tagesprogramms; Sakramentenspendung, Katechese und Religionsunterricht standen stets im Mittelpunkt seines pastoralen Wirkens.

„Es geht um eine unsterbliche Seele!“ Dieser Gedanke genügte Lichtenberg, Hindernisse nicht zur Kenntnis zu nehmen, wenn es um den Beistand für einen Kranken oder Sterbenden ging. Seine Versehgänge machte er in Soutane, Rochett und Stola, im Charlottenburger Arbeiterviertel ebenso wie in den Straßen rund um die Kathedrale. Oft sah man, am Tage wie in der Nacht, das rote „Schlesische Lämpchen“, das er selbst trug, wenn er mit der Kommunion zu Kranken ging.

Auch für ein einziges katholisches Schulkind konnte er ganze Verwaltungen in Atem halten. Sein Prinzip war: Wo ein katholisches Kind in der Schule ist, ist auch katholischer Religionsunterricht.

Wie viele Stunden er selbst in seinem Priesterleben an den unterschiedlichsten Schulen gegeben hat, ist nicht zu zählen. Berichtet wird, daß seine ehrwürdige Erscheinung, seine väterliche Liebe, sein „königlicher Ernst“ und sein heiliger Eifer für jedes einzelne Kind im Beicht- und Kommunionunterricht, in der Katechese und in der Schule einen tiefen Eindruck auf die Kinder gemacht hätten. In ihren Herzen erwarb er sich einen festen Platz, durch ihn lernten sie für ihr Leben Ehrfurcht vor Gott, vor der Kirche, vor allem Religiösen. Durch ihn lernten sie beten, vor allem das Gebet der eucharistischen Anbetung, das Gebet der Fürbitte, der Fürbitte in allen Anliegen und Nöten, das Gebet für andere, für Arme, Hungrige, Traurige, Verzweifelte, Kranke, Sterbende, Verlassene, Heiden, Juden, getrennte Christen. Er war ein geradezu unersättlicher Beter für andere.

Alfons Erb schreibt: „Dieser Arbeitsmensch von kraftvoller Energie, dieser Pfarrer der Intensität und Aktivität großen Stils, er war zugleich der erste und größte Beter seiner Gemeinde. In dem Sühne- und Bittgebet sah er das notwendigste Mittel der Seelsorge und die wirkungsvollste Kampfweise gegen den Un- und Irrglauben. Mehr als dreißig Jahre hindurch hat er jeden Abend mit seiner Gemeinde, zuletzt in St. Hedwig, das Abendgebet gebetet. Ein Abendgebet mit geistlicher Lesung, Gewissenserforschung, Rosenkranz, Litanei und mit jenen weit bekannt gewordenen Fürbitten für alle Not der Menschen und der Menschheit. Im Mai und Oktober hielt er täglich eine Marienpredigt. Zum Abschluß des Abendgebetes spielte er auf der Orgel ein Lied und übertönte alle mit seiner Stimme, wie er ja daheim morgens zu Beginn und abends zum Beschluß zum Lobe Gottes ein Lied sang und auf dem Harmonium begleitete.

Er war wahrhaft ein Diener im Heiligtum. Fast der ganze Sonntag gehörte dem Dienst in der Kirche, der Vormittag bis gegen 12.30 Uhr und der Nachmittag dann mit Konvertitenunterricht, Andacht und Christenlehre und Abendgebet.“

III. Dem Gewissen verpflichtet

Lichtenberg und die Juden

Es gibt in Lichtenbergs Leben keinen Hinweis darauf, daß er eine besondere Beziehung zum Gottesvolk der Juden hatte.

Er sah wohl eher in allen Mitmenschen, besonders in den Menschen, die verfolgt wurden oder in Not waren, die Geschöpfe und Ebenbilder Gottes, denen seine Hilfe und Fürsprache zu gelten hatte. Das Medium hierfür, wie wir heute sagen, war für Lichtenberg das, was man ihm später als „öffentliches Gebet“ vorwerfen sollte und was ihn „berühmt“ machte: An jedem Abend betete Lichtenberg mit seiner Gemeinde das Abendgebet, in dessen Fürbitten er immer besonders die Menschen einbezog, die verfolgt wurden oder die sich in einer besonderen Notlage befanden: so während der Revolution für die Völker Rußlands wie Mexikos ebenso wie für die Christen in Spanien. Als in Deutschland die Synagogen brannten und jüdische Geschäfte geplündert wurden, die ersten Juden verschleppt und ermordet wurden, nahm er sie in das Abendgebet auf: „Lasset uns beten für alle verfolgten nichtarischen Christen und für die Juden. Was gestern war, wissen wir, was morgen ist, wissen wir nicht, aber was heute geschehen ist, das haben wir erlebt: Draußen brennt der Tempel - das ist auch ein Gotteshaus.“

Als die ersten Soldaten an den Fronten verwundet wurden und starben, betete er für die Soldaten „hüben und drüben“, ebenso für die Opfer des Bombenkrieges wie für die inhaftierten Mitbrüder und alle Menschen in den Konzentrationslagern. Dies war für ihn das Selbstverständlichste von der Welt.

Lichtenberg war ein großer Beter, aber er war auch ein Priester, der es nicht beim Gebet beließ, sondern er wurde praktisch tätig:

Am 31. März 1933 gab Lichtenberg als Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft der Konfessionen für den Frieden, der auch die Jüdische Gemeinde angehörte, dem Präsidenten der Arbeitsgemeinschaft, Oskar Wassermann, Direktor der Deutschen Bank in Berlin, ein Empfehlungsschreiben an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Bertram mit, in dem der Kardinal gebeten wurde, gegen den am 1. April 1933 beabsichtigten Boykott jüdischer Geschäfte zu intervenieren. Der Vermittlungsversuch hatte allerdings keinen Erfolg.

Protest gegen Willkür

Am 18. Juli 1936 überreichte Lichtenberg im Büro des Preußischen Ministerpräsidenten Göring, des zweiten Mannes im Nazi-Staat, ein Protestschreiben gegen Menschenrechtsverletzungen vor allem im KZ Esterwegen. U. a. benannte Lichtenberg die Ermordung des sozialdemokratischen Gewerkschaftlers Fritz Hiesemann, Mitglied des Reichstages, die Ermordung des Kommunisten Röhr, die Schußverletzungen des jüdischen Malers Loewy sowie die Behandlung jüdischer Gefangener.

Wörtlich: „Die Juden haben besonders zu leiden. Sie müssen Jauche fahren, die Klosettgruben reinigen und das teilweise mit den Händen. Sie müssen (sich) in der Jauche rollen“.

In einer Stellungnahme der Preußischen Geheimen Staatspolizei an den Preußischen Ministerpräsidenten zu diesem Protest hieß es u. a.: „Ich stelle den Antrag, den Greuellügner Lichtenberg wegen heimtückischer Angriffe auf den Staat in Schutzhaft zu nehmen, damit er sich im Lager Esterwegen von der Ordnung und Sauberkeit überzeugen kann und Veranlassung bekommt, diese Ordnung auch in seinem kirchlichen Laden als musterhaft einzuführen.“

Mit der zunehmenden Diskriminierung und Verfolgung jüdischer Bürger, unabhängig davon, ob sie der jüdischen Glaubensgemeinschaft angehörten oder nicht, ergab sich die Notwendigkeit der organisierten Hilfe. Ab 1934 gab es mehrere Vereinigungen, die sich der Hilfe für „nichtarische“ Christen annahmen: das „Caritas-Notwerk“, den „Hilfsausschuß für katholische Nichtarier“ und ab 1938 das „Hilfswerk beim Bischöflichen Ordinariat Berlin“, das dem Dompropst direkt unterstand.

Hilfe für Verfolgte

(...)

Während einer Vernehmung durch die „Geheime Staatspolizei“ am 25. Oktober 1941 sagt Lichtenberg ausweislich des Protokolls: „... Wenn sich die Tendenz (von) Regierungsverfügungen und Maßnahmen gegen die geoffenbarte Lehre des Christentums und damit gegen mein priesterliches Gewissen richten, werde ich meinem Gewissen folgen und alle Konsequenzen mit in Kauf nehmen, die sich daraus für mich persönlich ergeben. Das ergibt sich auch daraus, daß ich die Evakuierung (Anmerkung: Offizielle Bezeichnung für die Deportation der Juden) der Nichtarier ablehne, weil sie gegen das Hauptgebot des Christentums gerichtet ist: ,Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst‘, und ich erkenne auch im Juden meinen Nächsten, der eine unsterbliche, nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffene Seele besitzt. Da ich aber diese Regierungsverfügung nicht hindern kann, war ich entschlossen, deportierte Juden und Judenchristen in die Verbannung zu begleiten. Ich benutze diese Gelegenheit, um die Geheime Staatspolizei zu bitten, mir diese Erlaubnis zu geben“.

Mitte Oktober 1941 fand Lichtenberg ein gedrucktes Flugblatt auf seinem Schreibtisch, auf dem über einem Judenstern die Titelzeile stand: „Wenn Du dieses Zeichen siehst ...“. Dann folgte üble Hetze gegen die Juden, in der es u. a. hieß: „Wenn Du diese Schrift gelesen hast, dann weißt Du, deutscher Mann, und Du, deutsche Frau, daß Juda Deinen und Deiner Kinder Tod beschlossen hat ... Erkenne den wahren Feind“.

Lichtenberg war sofort entschlossen, gegen den Inhalt dieses Blattes, das anonym, aber im Auftrag des Propaganda-Ministeriums an alle Haushalte verteilt wurde, innerhalb seiner Gemeinde Stellung zu nehmen. Zu diesem Zwecke verfaßte er eine Kanzelvermeldung.

VERMELDUNG

In Berliner Häusern wird ein anonymes Hetzblatt gegen die Juden verbreitet. Darin wird behauptet, daß jeder Deutsche, der aus angeblicher falscher Sentimentalität die Juden irgendwie unterstützt, Verrat an seinem Volke übt.

Laßt euch durch diese unchristliche Gesinnung nicht beirren, sondern handelt nach dem strengen Gebote Jesu Christi: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst."

Es kam nicht mehr zur Verlesung: Zwei Tage vorher, am 23. Oktober 1941, wurde Lichtenberg festgenommen, der Entwurf bei der Hausdurchsuchung beschlagnahmt. Ihm sollte bei dem späteren Prozeß gegen Lichtenberg eine Schlüsselrolle zufallen. (...)

IV. In den Fängen der NS-Staatsgewalt

Anzeige und Festnahme

Am 29. August 1941 hörten zwei zufällig in der St. Hedwigs-Kathedrale anwesende Studentinnen das Abendgebet mit der Fürbitte „Lasset uns beten für die Juden und für die armen Gefangenen in den Konzentrationslagern, vor allem für meine Amtsbrüder ...“. Sie verließen empört die Kathedrale und erstatteten Anzeige. Es ist nicht erkennbar, warum die Gestapo acht Wochen wartete, bis sie zuschlug. Am 23. Oktober 1941 wurde Lichtenberg in das Polizeipräsidium bestellt und dort festgenommen. In Begleitung zweier Geheimpolizisten kam er noch einmal in die Propstei zurück. In seiner Gegenwart wurde seine Wohnung durchsucht, um Beweismaterial sicherzustellen. Sie fanden ein Exemplar von Hitlers „Mein Kampf“ mit kritischen Randbemerkungen aus Lichtenbergs Hand und die für den folgenden Sonntag vorbereitete Vermeldung gegen die Judenhetze.

Die nächsten Tage und Wochen waren gekennzeichnet von Verhören durch die Geheime Staatspolizei. Im Mittelpunkt standen seine Haltung zum Nationalsozialismus, die Randbemerkungen in Hitlers Buch und seine „öffentlichen Gebete“ für Juden und KZ-Häftlinge.

Lichtenberg kann sich keinerlei Illusionen darüber gemacht haben, welche Chancen er gegen die Gestapo hatte: zu lang war sein „Sündenregister“ bei den Nazi-Herrschern, zu dick seine Gestapo-Akte. Angefangen bei den Kontroversen als Bezirks-Verordneter mit Joseph Goebbels, mit seinem Engagement im Friedensbund, bis hin zu seinem Brief an den „Reichsärzteführer“ Conti, in dem er gegen die Euthanasiemaßnahmen der NS-Regierung protestierte.

Lichtenberg kannte keine Furcht vor Autoritäten. Das änderte sich auch nicht nach seiner Festnahme. Als er nach seinen kritischen Randbemerkungen zu Adolf Hitler befragt wird, sagt er: „Ich erkenne Adolf Hitler als Reichsoberhaupt an. Deshalb schließe ich ihn auch namentlich in mein Morgengebet ein. Wenn mir vorgehalten wird, daß in meinen Randbemerkungen offene Kritik an seiner Person oder den durch ihn geschaffenen Verhältnissen zutage tritt, so muß ich dazu sagen:

Die Taten eines Menschen sind die Konsequenzen seiner Grundsätze. Sind die Grundsätze falsch, werden die Taten nicht richtig sein. Das trifft selbst für Adolf Hitler zu. Im Vorstehenden meiner Vernehmung habe ich mir bereits erlaubt, auf einige falsche Grundsätze Adolf Hitlers hinzuweisen. Deshalb werden auch die daraus entspringenden Taten nicht richtig sein“.

Frage: „Vertreten Sie diese Ansicht auch von der Kanzel herab?“ „Ja“. Frage: „Es dürfte auch Ihnen klar sein, daß durch die soeben geschilderten Ansichten, die von Ihnen auch öffentlich vertreten werden, eine Beunruhigung der Volksgemeinschaft eintreten kann?“ „Diese Beunruhigung kann nur verhindert werden, indem man falsche Maßnahmen unterläßt“. Frage: „Damit stellen Sie die Rechte der Kirche vor die des Staates!“ Lichtenberg: „Christus der Herr hat das Recht zu lehren, Sakramente zu spenden und sittliche Gebote zu geben nicht dem Staat übertragen, sondern der Kirche“. Frage: „Und wie stehen Sie zum Führer?“ Lichtenberg: „Ich habe nur einen Führer, Jesus Christus.“

Im Vernehmungsprotokoll vom 3. November 1941 bestätigte Bernhard Lichtenberg noch einmal, daß er beabsichtigt hatte, die Vermeldung gegen die Judenhetze vorzulesen, auch dann, wenn er gewußt hätte, daß das anonyme Blatt vom Leiter der NSDAP stamme. Nur seine Festnahme habe diese Verlesung verhindert. Er halte sich nicht nur für berechtigt, sondern verpflichtet, den katholischen Gläubigen zu predigen, daß sie sich nicht durch unchristliche Gesinnung beirren lassen dürfen.

Haftbefehl und Anklage

Auf Grund dieser Aussage erließ der Amtsrichter Haftbefehl wegen des Verdachts der Störung des öffentlichen Friedens in Verbindung mit einem Verstoß gegen das Heimtückegesetz. Lichtenberg wurde in die Untersuchungshaftanstalt Moabit verbracht.

Bereits 1938 und 1939 mußte Lichtenberg wegen einer schweren Nierenerkrankung mehrere Wochen lang das St. Joseph-Krankenhaus in der Niederwallstraße aufsuchen und 1940 wurde eine Angina pectoris bei ihm festgestellt. Atteste des behandelnden Arztes und Interventionen des Bischofs von Berlin, Graf Preysing, dem schwerkranken Dompropst Haftverschonung zu gewähren, halfen Lichtenberg nicht: Der Anstaltsarzt stellte die Haftfähigkeit fest, und Lichtenbergs Haftbeschwerde wurde mit der Begründung abgewiesen, er habe mit seinem Gebet Angelegenheiten des Staates zum Gegenstand einer Erörterung gemacht und zwei Menschengruppen erwähnt, gegen die als Staats- und Volksfeinde staatliche Maßnahmen getroffen wurden. Dies sei eine Störung des öffentlichen Friedens und sei zugleich in hetzerischer Absicht erfolgt. Gleiches gelte für den Vermeldetext. Da aufgrund der Aussagen in den Vernehmungen davon auszugehen sei, daß der Beschuldigte die Freiheit zur Wiederholung solcher Straftaten mißbrauchen würde, sei die Verhaftung gerechtfertigt.

Im Zuge des Ermittlungsverfahrens untersuchte der Staatsanwalt die Herkunft des anonymen Flugblattes. Hierbei wurde festgestellt, daß das Flugblatt auf Anordnung des Reichspropagandaministers Goebbels durch die Reichspropagandaleitung hergestellt und von den NSDAP-Ortsgruppen „im Reichsmaßstab“ verteilt wurde. Daraufhin stellt der Staatsanwalt fest: „Die Bezeichnung dieser Druckschrift in der Vermeldung des Beschuldigten als Hetzblatt richtet sich demnach gegen führende Persönlichkeiten des Staates bzw. der Partei. Da der Beschuldigte nach eigenen Angaben damit gerechnet haben muß ..., hat er somit mit der Weitergabe des Inhalts seiner Vermeldung (an die Kapläne und die Gemeindeschwester) durch eine weitere selbständige Handlung gegen § 2 des Gesetzes gegen heimtückische Angriffe auf Staat und Partei ... verstoßen.“

Am 21. März 1942 erhob der Generalstaatsanwalt Anklage gegen Lichtenberg, der am 22. Mai 1942 vor dem Richter stand. Da Lichtenberg die ihm zur Last gelegten Taten nicht leugnete, wurde auf eine Vernehmung der beiden Zeuginnen der Anklage und auf eine weitere Beweisaufnahme verzichtet. Das Gericht sah den Sachverhalt als geklärt an. Als Lichtenberg nach den Ausführungen von Staatsanwalt und Verteidiger gefragt wurde, ob er noch etwas zu seiner Verteidigung anzuführen hätte, sagte er: „Ich gebe der Überzeugung Ausdruck, daß der Staat durch einen für Juden betenden Bürger keinen Schaden erleidet.“

Urteil und Haft

Das Urteil lautete auf zwei Jahre Gefängnis wegen Kanzelmißbrauchs in einem Fall und wegen Vergehens gegen das Heimtückegesetz in einem weiteren Falle. Die Polizei- und Untersuchungshaft wurde angerechnet.

Am 29. Mai 1942 wurde Lichtenberg in das Strafgefängnis Tegel übergeführt. In einem Vermerk hält die Anstaltsleitung in Tegel am 3. Juni 1942 u. a. fest: „... Mit dem Verurteilten wurden heute Tat und Vorleben erörtert ... Als Ergebnis der Erörterung und als Eindruck, der von dem Verurteilten gewonnen wurde, ist festzuhalten: Steht im 67. Lebensjahr ... Nicht vorbestraft. Sitzt wegen Heimtücke. Motiv: Religiöser Fanatismus. Eigenwilliger, unbelehrbarer Mann.“

Im Gefängnis Tegel wurde nun eine Zelle zu Lichtenbergs Wohnung: Tisch und Stuhl, Pritsche mit Strohsack, Eßgeschirr, Bedürfniseimer. Lichtenberg versucht, die Zeit seiner Gefangenschaft mit dem Wahlspruch der Benediktiner-Mönche zu bewältigen: „Bete und arbeite.“

Kartäuser-Novize

Im Alltag des Gefängnisses sah Lichtenberg Parallelen zum Leben der Mönche. Tütenkleben, Reinigen der Zelle, Stundengebet, Studium. In der Einsamkeit der Zelle, in seiner Gefangenschaft entdeckte er Gottes Willen. Indem er sich Exerzitien verordnete, nahm er die Prüfung an.

Kraft und Trost zog er aus der Heiligen Schrift, dem Rosenkranzgebet und aus der Kommunion, die ihm der Gefängnispfarrer brachte. Und er fand die Lebensform, die seiner Situation angemessen war. Er betrachtete seine Gefängniszelle als Kartäuser-Klosterzelle. Bald wird er seine Briefe unterzeichnen mit „Kartäuser-Novize, Zelle 232“ oder mit „Der Gefangene im Herrn“. Am Ende seiner Haftzeit wird er schreiben: „Am Feste des heiligen Namens Maria ... beginne ich in Zelle 428 der Station XI des Hauses II im Strafgefängnis zu Berlin-Tegel 30tägige Exerzitien. Sie sollen der Beginn eines neuen Lebens im lieben Gott werden. Nach Schluß dieser Exerzitien hoffe ich, bei St. Hedwig noch einmal Primiz feiern zu können nach zweijährigem Noviziat in meiner Kartäuser-Zelle“.

Lichtenberg blieb dennoch nicht unangefochten von den Qualen der Haft. Gerade die politischen Gefangenen wurden von den Vollzugsbeamten oft erniedrigend behandelt. Lichtenberg wurde davon nicht ausgenommen, körperliche Mißhandlungen inbegriffen. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich in der Haft zusehends. Zwischen November 1941 und März 1943 verlor Lichtenberg 62 Kilo Körpergewicht. Bitten um zusätzliche Verpflegung, von Lichtenberg selbst, aber auch von Bischof Graf von Preysing vorgetragen, hatten keinen Erfolg.

Todesangst und Annahme des Martyriums

Zweimal wurde der Schwerkranke in das Anstaltslazarett überwiesen, aber immer wieder als haftfähig in den Vollzug überstellt. Am 20. September 1943 teilte der Amtsarzt der Anstaltsleitung die „Schwererkrankung“ mit, die wegen des drohenden Todes üblicherweise mit einer Benachrichtigung der Angehörigen verbunden war. Lichtenberg wurde von schweren Herzattacken heimgesucht, bei denen er, in aller Bereitschaft zur Kreuzesnachfolge, auch mit Christus die Todesangst durchlitt: „Ich hatte einen schweren Herzanfall und glaubte, sterben zu müssen. Ja, dann kann man ein langes Leben hindurch sagen, man sei bereit zu sterben, wenn Gott einen ruft. Aber wenn die letzte Stunde droht, dann packt einen die Todesangst, und sie ist um so furchtbarer in der Verlassenheit der Gefängniszelle, in dieser grausamen Einsamkeit. Und dann hämmert man mit den Fäusten an die Tür und schreit: ,Laßt mich raus, ich sterbe!‘ - Ja, steht der Tod einmal unmittelbar vor einem, will man doch nicht sterben. Dann will man weiterleben. Und ich will weiterleben, denn ich lebe gern. Dieses verfluchte Leben ist doch schön ...“

Es war dennoch nicht die Todesangst, die ihn beherrschte. Etwa 14 Tage vor Ablauf der Haft besuchte der Bischof von Berlin, Graf von Preysing, den Dompropst zum letzten Mal und berichtete darüber: „Ich hatte Lichtenberg wissen lassen, daß für den Fall, daß die Geheime Staatspolizei ihm ein Verbot zu predigen während der Kriegszeit auferlegt, er sich diesem Verbot von mir aus fügen könne ... Wenn er aber glaube, ein solches Versprechen nicht abgeben zu sollen, stünde es ihm selbstverständlich frei. Lichtenberg schien sehr erleichtert und sagte dann mit dem alten Feuer: ,Was kann einem denn besseres passieren, als für seinen heiligen katholischen Glauben zu sterben! Ich bin bereit, heute noch, ja diese Stunde noch, für ihn zu sterben.‘“

Was Lichtenberg aufrecht hielt, war das nahe Ende der Haftzeit. Am 23. Oktober 1943 war seine Strafe beendet. Seine Familie und viele Freunde und Bekannte machten Lichtenberg Mut, er selbst freute sich mit ihnen über das nahe Wiedersehen.

Die bevorstehende Entlassung politischer Gefangener mußte der Geheimen Staatspolizei mitgeteilt werden, so auch hier. Und die Gestapo verfügte über den sterbenskranken Mann anders: „Da zu befürchten steht, daß Lichtenberg nach seiner Haftentlassung wiederum im staatsfeindlichen Sinne in Erscheinung tritt und hierdurch die Öffentlichkeit beunruhigt, hat das Reichssicherheitshauptamt seine Einweisung in ein Konzentrationslager verfügt.“ Vor dem Gefängnis Berlin-Tegel wartete der Gestapowagen, der Lichtenberg in das „Arbeitserziehungslager“ Wuhlheide verbrachte. Von dort ging ein Eisenbahntransport mit Gefangenen nach Hof an der Saale, von wo aus die Häftlinge in KZ-Lager und Haftanstalten weiterverteilt werden sollten.

V. Die letzten Tage und Stunden

Im Gefängnishof

In einem ergreifenden Vortrag in Hof schilderte der heutige Dompropst an der St. Hedwigs-Kathedrale, Prälat Otto Riedel, die letzten Tage und Stunden seines großen Vorgängers:

Wieviel war den Nazis schon ein Gefangener auf dem Weg ins Konzentrationslager wert? Wenn er zu schwach ist, soll er halt krepieren. Ein Begräbnis wäre zuviel der Ehre. Der Leichnam wird verbrannt. Wie erging es dem Gefangenen Lichtenberg?

  • Am Mittwoch, dem 3. November 1943, wurden 200 Gefangene vom Bahnhof Hof mit dem Lastwagen zum Gefängnis gebracht. Dem diensttuenden Oberwachtmeister Fuß fiel in der letzten Reihe der Gefangenen-Kolonne ein Geistlicher im Abbémantel auf, der nur mühsam vorankam.

Der Leiter des Gefängnisses mit seiner am Ort wohnenden Familie und der Oberwachtmeister sorgten sich um den Schwerkranken. So erfuhren sie, daß er der Berliner Dompropst Lichtenberg sei. Sie fragten ihn auch, ob er überhaupt am Weitertransport teilnehmen könne. Er antwortete, daß er keine Ausnahme machen wolle und auf den Weitertransport nach Dachau warte. Die Gefängnisleitung erreichte es schließlich, daß der Gefängnisarzt am nächsten Tag den Dompropst untersuchte und um 10 Uhr in das Städtische Krankenhaus überwies.
  • Dieselbe Aufmerksamkeit, die Bernhard Lichtenberg im Gefängnis geschenkt wurde, erfuhr er auch von den Diakonissen und den behandelnden Ärzten im Krankenhaus. Eine Diakonisse erzählte, wie er mit schwacher Stimme immer wieder bei jedem helfenden Handgriff sagte: „Ihr lieben, guten Menschen! Was seid ihr doch für liebe, gute Menschen.“
  • Am selben Tag kam noch der Pfarrer von St. Marien, Geistlicher Rat Gehringer, und spendete Prälat Lichtenberg die Krankensakramente und die hl. Kommunion als Wegzehrung. Er berichtete, daß der Dompropst zunächst bewußtlos schien. Als er aber die priesterlichen Gebete hörte, habe er sie auswendig mitgebetet. - Eine Schwester berichtete, daß Bernhard Lichtenberg danach - trotz seines fiebrigen Zustandes - laut und deutlich, mal lateinisch, mal deutsch, gebetet habe.
  • Am Freitag, dem 5. November 1943, einem Herz-Jesu-Freitag, gegen 18.00 Uhr verstarb Dompropst Lichtenberg ohne Todeskampf, vermutlich schmerzlos, im Krankenzimmer.
Es geschah aber noch mehr, was nicht selbstverständlich war:
  • Die Bestatterin aus Hof war besorgt, daß die Aufbahrung des Toten so geschah, wie es für einen Priester üblich war.
  • Die Behörden gaben den Leichnam frei zur Überführung nach Berlin, was für diese Art von Gefangenen ganz ungewöhnlich war.
  • Die Berliner Polizei erlaubte es, daß der Leichnam Bernhard Lichtenbergs bereits vor der Beisetzung in der großen St. Sebastian-Kirche im Wedding, nahe dem St. Hedwigs-Friedhof, zum Abschiednehmen für die Gläubigen aufgebahrt werden durfte.
  • Etwa 5000 Gläubige kamen zum Requiem und zur Beisetzung.
Wer will das alles verstehen, liebe Brüder und Schwestern! Der Geschichtsschreiber wird nur Daten und Fakten notieren. Der Glaubende wird auch das Heilshandeln Gottes an einem todkranken Priester durch barmherzige Menschen hier in Hof schauen können. Die Diakonisse Sr. Auguste, die behandelnde Ärztin und auch der Geistliche Rat Gehringer sagten mit ähnlichen Worten über den Tod von Bernhard Lichtenberg: „Das war ein heiligmäßiges Sterben.“

Die Beisetzung des Dompropstes wurde trotz massiver Behinderung durch die Geheime Staatspolizei zu einer großen, der letzten Demonstration der Berliner Katholiken in der NS-Zeit.

aus: Dieter Hanky, Bernhard Lichtenberg. Priester. Bekenner. Martyrer, Berlin 1994