PRESSEMITTEILUNGEN
DER DEUTSCHEN
BISCHOFSKONFERENZ

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz,
Bischof Dr. Karl Lehmann,
zum dritten Papstbesuch in Deutschland

Zu den nicht wenigen Eigenheiten der Amtszeit von Papst Johannes Paul II. gehören die vielen Pastoralreisen in alle Welt. Der Papst begnügt sich nicht damit, Menschen aus allen Kulturen und Sprachen, Rassen und Klassen in Rom zu empfangen, um die bunte Vielfalt der Weltkirche anschaulich zu machen, sondern er geht selbst durch seine Reisen auf die Menschen zu, sucht sie in ihrer Situation auf und macht ihnen Mut, ihre Aufgaben und Schwierigkeiten vor Ort zu meistern, die Leiden zu ertragen, aber auch für ihre Verminderung zu kämpfen.

Auch wenn in der Zwischenzeit der in alle Kontinente eilende Papst auf den Bildschirmen der ganzen Welt erscheint, so sind diese apostolischen Reisen keineswegs selbstverständlich geworden. Oft besucht der Papst Länder, die im Windschatten der großen Politik liegen. Man denke nur an die zahlreichen Afrika-Aufenthalte während seines Pontifikates. Wie viele Menschen in den Entwicklungsländern, gerade wenn die Katholiken und Christen eine sehr kleine Minderheit darstellen, hat er durch sein Kommen, sein Wort und seine Gesten immer wieder ermutigt, sich nicht mit ihrem Schicksal abzufinden und für eine Verbesserung ihrer Situation, für Freiheit und für Menschenwürde einzutreten!

Für uns treffen gewiß nicht alle diese Gründe zu. Viele Landsleute können heute den Papst in Rom auf dem Petersplatz und bei den großen Audienzen erleben. Aber es bleibt doch bei dem wichtigen Zeichen, das der Papst bei jeder Reise in ein Land schon durch sein Kommen setzt: er zeigt fast demonstrativ seine Wertschätzung und Anerkennung. Es ist für alle Länder und Kirchen immer noch eine große Auszeichnung, wenn der Papst einen Besuch abstattet.

Wenn Johannes Paul II. nun nach 1980 und 1987 zum dritten Mal in unser Land kommt, hat es eine besondere Bewandtnis. In Paderborn wird er mit vielen katholischen Schwestern und Brüdern einen großen Gottesdienst feiern. Die Sorge um die Einheit der Kirche bestimmt ihn, fast einen halben Besuchstag dem ökumenischen Miteinander der Christen zu widmen. In Berlin gelangt der Besuch durch die Seligsprechung von Bernhard Lichtenberg und Karl Leisner zu einem Höhepunkt. Zeugen der Auseinandersetzung, die Christen mit dem Nationalsozialismus führten, werden geehrt und zu Seligen erklärt, die aller Verehrung würdig sind. Auch wenn man die Kirchen und die Christen lieber noch mehr auf der Seite des aktiven Widerstands - den es freilich in vielen Formen gab - gesehen hätte, so gab es doch einzelne Zeugen, die sich bis zur Hingabe ihres Lebens als entschlossene Bekenner bewährten. Die öffentliche Anerkennung dieser Zeugen veranlaßt den Papst zur Reise nach Deutschland.

Damit hilft er uns auch bei der vielgenannten "Aufarbeitung der Vergangenheit" und schützt die Menschen aus der Zeit des Nationalsozialismus vor einer oberflächlichen Diskriminierung, als ob alle feige gewesen wären. Der Papst gibt, ohne Schwächen und Versagen wegwischen zu wollen, den Bekennern ihre Ehre zurück. Dies geschieht beispielhaft im Blick auf Bernhard Lichtenberg, der sich für die Rettung der verfolgten Juden einsetzte, und für Karl Leisner, der in noch jungen Jahren in seinem Widerstand nicht gebrochen werden konnte und im KZ Dachau die Priesterweihe empfing. Wenn der Papst solche Menschen ehrt, ist er gleichsam in seinem Element. Er selbst hat einen großen Teil seines Lebens unter der Gewaltherrschaft von Diktaturen verbracht. Dies hat ihn geprägt. Er weiß genau, was mit Zeugnis im Widerstand gemeint ist. Der Papst ermutigt die Christen und alle Menschen in unserem Land, auf ihr Gewissen zu achten und ihm zu folgen, auch wenn es schwerste Nachteile mit sich bringen sollte.