Kommuniqué über das Gespräch von Papst Johannes Paul II. und Bundeskanzler
Dr. Helmut Kohl
am 23. Juni 1996
Papst Johannes Paul II. und Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl sind am
23. Juni 1996 in Berlin zu einem Gedankenaustausch zusammengetroffen.
Die Begegnung fand in einer freundschaftlichen Atmosphäre statt. Die
Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Bundesrepublik Deutschland
sind ausgezeichnet. Das partnerschaftliche Verhältnis von Staat und
Kirche in Deutschland liegt im gegenseitigen Interesse und dient dem
Gemeinwohl.
Ein zentraler Punkt des Gesprächs war die Entwicklung in Europa. Bundeskanzler
Kohl würdigte den großen Anteil von Papst Johannes Paul II. beim Zusammenbruch
des kommunistischen Herrschaftssystems. Er habe vielen Menschen in Europa,
besonders seinen polnischen Landsleuten, die moralische Kraft gegeben,
sich für die Menschenrechte, für Freiheit und soziale Gerechtigkeit
einzusetzen.
Papst Johannes Paul II. dankte Bundeskanzler Kohl für seinen Einsatz
für die Einigung Europas auf der Grundlage der sozialen Gerechtigkeit
und des Respektes vor der kulturellen Eigenart der Völker. Eine echte
Gemeinschaft der Völker Europas sei auf die Dauer nur möglich, wenn
es keine Kluft mehr gebe zwischen den reichen und den armen Ländern.
Soziale Spannungen gefährdeten nicht zuletzt den inneren Frieden.
Papst Johannes Paul II. bat darum, trotz der derzeitigen wirtschaftlichen
Schwierigkeiten in Europa und Deutschland die Mitverantwortung für die
Welt nicht zu vergessen. Europa habe eine unaufgebbare Verantwortung
bei der Gestaltung einer gerechten Welt.
Übereinstimmung bestand darüber, daß es eine gemeinsame Aufgabe von
Staat und Kirche sei, zur Versöhnung und Verständigung unter den Völkern
Europas beizutragen, so wie dies im Verhältnis von Deutschland zu Frankreich
und zwischen Polen und Deutschland gelungen sei. Der Ausbruch von brutaler
Gewalt im ehemaligen Jugoslawien führe schmerzlich vor Augen, daß eine
übertriebene Betonung des Nationalen noch längst nicht überwunden sei
und eine ständige Gefahr darstelle. Eine große Hoffnung setze man in
die junge Generation. Es gebe nach wie vor bei jungen Menschen viel
Idealismus und die Bereitschaft, die Zukunft mitzugestalten. Aus diesem
Grunde sei es wichtig, die Begegnungen junger Menschen über die Grenzen
hinweg zu fördern.