Bischof Dr. Karl Lehmann, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
Begrüßung zur Eröffnung der Begegnung von Papst Johannes Paul II.
mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland
im Bernhard-Lichtenberg-Haus in Berlin am Sonntag, den 23. Juni 1996
Heiliger Vater,
Herr Vorsitzender Bubis,
verehrte Herren!
Es ist, Heiliger Vater, auf allen Pastoralreisen Ihr inniger Wunsch,
jeweils mit den Vertretern des Judentums in den einzelnen Ländern zusammenzutreffen.
So war es auch am 17. November 1980 in Mainz und am 1. Mai 1987 in Köln.
Damals haben wir eine Tochter Israels, Edith Stein, als neue Selige
verehrt. Heute wurde neben Karl Leisner Dompropst Bernhard Lichtenberg
seliggesprochen, der in den grausamen Verfolgungen der Juden bis zur
Hingabe seines Lebens seine Stimme erhob, die die Menschenwürde aller
verteidigte und die Gerechtigkeit einklagte. Wir wollen uns damit nicht
mit Berufung auf diesen Gerechten der gemeinsamen Verantwortung und
Haftung für die Folgen dessen, was damals im Namen unseres Volkes geschah,
entziehen, aber die Seligsprechung von Bernhard Lichtenberg zeigt uns,
daß es in der Kirche nicht nur Mitläufer, sondern auch mutige Bekenner
gab, die unbeirrbar ihrem Gewissen folgten: "Man muß Gott mehr gehorchen
als den Menschen" (Apg 5,29).
Wir sind aus diesem Anlaß zusammengekommen. Ich danke Ihnen verehrte
Herren vom Zentralrat der Juden, daß Sie unserer Einladung gefolgt sind,
und bin überzeugt, daß dieser Tag eine weitere wichtige Station im immer
tieferen Verständnis füreinander und hoffentlich auch in der Versöhnung
sein wird.
Herr Vorsitzender Ignatz Bubis, ich darf Sie um Ihr Wort bitten.