Herzlich begrüße ich die bei der heutigen Eucharistiefeier
anwesenden Pilger, die aus Polen gekommen sind.
Die Kirche hat heute zwei Märtyrer-Priester, Bernhard Lichtenberg
und Karl Leisner, zur Ehre der Altäre erhoben. Wir danken der Göttlichen
Vorsehung für diese unerschrockenen Glaubenszeugen und authentischen
Verteidiger der Unantastbarkeit der moralischen Ordnung. Wir danken
für das neue Vorbild. Sie gaben dadurch von Christus Zeugnis, daß
sie sich selbst völlig hingaben, indem sie zum Opfer des Systems wurden,
das den Menschen verachtete und Gott haßte.
In Gedanken schließe ich in diesem Augenblick alle diese unsere
Brüder und Schwestern ein, die durch die Folter der Konzentrationslager
hindurchgegangen sind. In besonderer Weise möchte ich hier, an dieser
Stelle, an die Professoren der (Anm. des Übersetzers: Krakauer) Jagiellonen-Universtiät
erinnern, die in den ersten Kriegstagen in das Vernichtungslager Sachsenhausen
deportiert worden sind. Viele von ihnen sind nicht mehr nach Krakau
zurückgekehrt, sie starben unter schrecklichen Bedingungen. Tief im
Herzen und in der Erinnerung trage ich auch das Schicksal vieler Tausender
Frauen aus ganz Europa, insbesondere aus Polen, die im Konzentrationslager
Ravensbrück schreckliche Leiden und unmenschliche Demütigungen durchgemacht
haben, die meisten von ihnen starben einen grausamen Tod. Wir möchten
heute diese Frauen ehren, und die Erinnerung an sie möge von Generation
zu Generation übergehen.
Im Geiste knien wir nieder an diesen Orten der Vernichtung, um auch
alle Häftlinge der Konzentrationslager zu ehren und ihnen unsere Dankbarkeit
auszudrücken für das Opfer ihres Lebens und für ihr unendliches Leiden,
das zur Saat für eine bessere Zukunft geworden ist.