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Papst Johannes Paul II.

Ansprache nach dem Angelusgebet in sorbischer und polnischer Sprache im Olympiastadion in Berlin

am Sonntag, den 23. Juni 1996

In sorbischer Sprache sagte der Papst:

Mit besonderer Freude grüße ich Euch, Lausitzer Sorben. Ihr seid mir besonders nahe, nicht nur der Sprache und der gemeinsamen Geschichte nach. Vor allem jedoch deshalb, weil ihr über Jahrhunderte den Glauben und die Treue zu unserer Mutter Kirche in der säkularisierten Umwelt Eures Landes bewahrt habt. Ihr habt die Treue gehalten in Zeiten der Verfolgung und der Gewaltherrschaft der vergangenen Jahre.

Bleibt auf die Fürsprache der Mutter Gottes Maria, die Ihr so liebt, weiterhin treue und lebendige Glieder des Volkes Gottes!

In polnischer Sprache sagte der Papst:

Herzlich begrüße ich die bei der heutigen Eucharistiefeier anwesenden Pilger, die aus Polen gekommen sind.

Die Kirche hat heute zwei Märtyrer-Priester, Bernhard Lichtenberg und Karl Leisner, zur Ehre der Altäre erhoben. Wir danken der Göttlichen Vorsehung für diese unerschrockenen Glaubenszeugen und authentischen Verteidiger der Unantastbarkeit der moralischen Ordnung. Wir danken für das neue Vorbild. Sie gaben dadurch von Christus Zeugnis, daß sie sich selbst völlig hingaben, indem sie zum Opfer des Systems wurden, das den Menschen verachtete und Gott haßte.

In Gedanken schließe ich in diesem Augenblick alle diese unsere Brüder und Schwestern ein, die durch die Folter der Konzentrationslager hindurchgegangen sind. In besonderer Weise möchte ich hier, an dieser Stelle, an die Professoren der (Anm. des Übersetzers: Krakauer) Jagiellonen-Universtiät erinnern, die in den ersten Kriegstagen in das Vernichtungslager Sachsenhausen deportiert worden sind. Viele von ihnen sind nicht mehr nach Krakau zurückgekehrt, sie starben unter schrecklichen Bedingungen. Tief im Herzen und in der Erinnerung trage ich auch das Schicksal vieler Tausender Frauen aus ganz Europa, insbesondere aus Polen, die im Konzentrationslager Ravensbrück schreckliche Leiden und unmenschliche Demütigungen durchgemacht haben, die meisten von ihnen starben einen grausamen Tod. Wir möchten heute diese Frauen ehren, und die Erinnerung an sie möge von Generation zu Generation übergehen.

Im Geiste knien wir nieder an diesen Orten der Vernichtung, um auch alle Häftlinge der Konzentrationslager zu ehren und ihnen unsere Dankbarkeit auszudrücken für das Opfer ihres Lebens und für ihr unendliches Leiden, das zur Saat für eine bessere Zukunft geworden ist.