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Georg Kardinal Sterzinsky, Erzbischof von Berlin

Verlesung der Vita von Bernhard Lichtenberg bei der Eucharistiefeier im Olympiastadion in Berlin

am Sonntag, den 23. Juni 1996

Bernhard Lichtenberg wurde am 3. Dezember 1875 in Ohlau bei Breslau geboren. Das Erbe der schlesischen Heimat prägte seinen priesterlichen Dienst in der Stadt Berlin während der Jahre 1900-1943. Seine Frömmigkeit war bestimmt von einem vertrauten Umgang mit Jesus Christus im Geheimnis der Eucharistie. Als Kaplan, Kuratus, Pfarrer und — seit 1938 — als Dompropst stellte er sich den konkreten Aufgaben in der Seelsorge: die Kirche muß bei den Menschen sein. Religionsunterricht und Schule, die Sorge um die Armen und Notleidenden, die Verkündigung des Evangeliums mitten in der Welt und die Spendung der Sakramente waren ihm besonders wichtig. Sein Auftreten war eine Botschaft: die Kirche darf sich nicht verstecken, sie schuldet der Welt das Heilsangebot Christi.

1931 wurde Lichtenberg an die St. Hedwigs-Kathedrale berufen, zunächst als Domkapitular und Dompfarrer. Dadurch erhielt sein Leben eine besondere Sendung. Im Pfarrgebiet lagen die Reichskanzlei und Reichsministerien. Die frühzeitige Lektüre von Adolf Hitlers Buch "Mein Kampf" lehrte ihn die Gefährlichkeit der NS-Diktatur. Der Lüge, dem Unrecht und der Menschenverachtung stellte er Wahrheit, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit entgegen. Nach der Pogromnacht 1938 betete er jeden Abend in der Kathedrale "für die verfolgten Juden und für die Gefangenen in den Konzentrationslagern". Er wurde angezeigt und zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Die Gestapo nahm ihn nach dieser Zeit erneut in Gewahrsam. Sein Bestimmungsort war Dachau. So trieben die Machthaber den bereits sterbenskranken Priester in der Tod. Auf dem Weg nach Dachau starb er am 5. November 1943 in der Stadt Hof.

weitere Online Informationen zu B. Lichtenberg finden Sie auf www.kath.de/pjp/lichtenb