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Georg Kardinal Sterzinsky, Erzbischof von Berlin

Begrüßung bei der Eucharistiefeier mit Seligsprechung von Bernhard Lichtenberg und Karl Leisner im Olympiastadion in Berlin

am Sonntag, den 23. Juni 1996

Sehr verehrter, lieber Heiliger Vater,

mit herzlicher Freude begrüßen wir Sie in unserer Mitte. Ich darf Ihnen diesen Willkommensgruß für unser Erzbistum Berlin entbieten und für alle Schwestern und Brüder, die hier zusammengekommen sind: aus den anderen neuen deutschen Bundesländern, wo viele seit langem Ihren Besuch erhofft haben; aus den anderen deutschen Diözesen, die jahrzehntelang den Menschen in Ostdeutschland und in Berlin ihre Solidarität bewiesen haben; aus unseren polnischen Nachbardiözesen.

Als Sie am Fest der hl. Hedwig 1978 zum Nachfolger des Apostels Petrus gewählt wurden, blickten besonders die Katholiken in Osteuropa voller Hoffnung nach Rom. Wir wissen, wie sehr Sie an ihrer, an unserer Seite waren: an der Seite derer, die ungerechter Macht ausgeliefert waren, an der Seite aller, die friedlich die Befreiung errungen haben. Auch deshalb freuen wir uns, daß Sie heute in unsere Stadt Berlin gekommen sind, durch die über Jahrzehnte die Front des "Kalten Krieges" verlief. Am Tag, nachdem in Berlin die Mauer gefallen war, versicherten Sie uns, wie sehr Sie sich allen verbunden fühlen, die erfüllt sind von der Hoffnung auf Gerechtigkeit, Freiheit und innerem wie äußerem Frieden. Wir danken Ihnen von Herzen für alle Zeichen Ihrer Verbundenheit!

Heute aber geht unser Blick weiter zurück, in die dunkelste Periode deutscher Geschichte. Als zahllose Deutsche sich in die Irre führen ließen, unter ihnen nicht wenige Christen, als die nationalsozialistischen Machthaber ihre größten Triumphe feierten — auch an diesem Ort, im Berliner Olympiastadion! -, gab es Menschen wie Bernhard Lichtenberg und Karl Leisner: treue Zeugen für die Liebe unseres Herrn Jesus Christus, die allen Menschen gilt.

Dankbar wissen wir uns mit Ihnen vereint, wenn wir uns vor Gottes Angesicht versammeln. So bitten wir Sie nun, Heiliger Vater, mit uns in dieser Gemeinschaft Eucharistie zu feiern, die große Danksagung der Kirche.