Dr. Johannes Joachim Degenhardt, Erzbischof von Paderborn
Begrüßung zur Eröffnung der Eucharistiefeier auf dem Flugplatz Senne/Paderborn
am Samstag, den 22. Juni 1996
Heiliger Vater!
Liebe Mitbrüder im bischöflichen, priesterlichen und diakonischen Dienst!
Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!
Verehrte anwesende Kinder, Jugendliche und Erwachsene!
Als Erzbischof von Paderborn begrüße ich Sie alle und heiße Euch herzlich
willkommen, besonders auch unsere evangelischen Landsleute, die sich
mit uns Katholiken über den Besuch des Papstes freuen.
Wenige Jahre vor dem Beginn des dritten christlichen Jahrtausends
besuchen Sie, Heiliger Vater, Deutschland zum dritten Mal, dieses Mal
Paderborn und Berlin.
Vor fast eintausendzweihundert Jahren war Papst Leo III. hier bei
dem Frankenkönig Karl dem Großen. Damals wurden die Bistümer im Land
der Sachsen, nämlich Paderborn, Münster, Osnabrück, Minden, Hildesheim,
Verden an der Aller und Bremen-Hamburg, gegründet und die Gründung des
heiligen Römischen Reiches deutscher Nation besprochen, was dann im
Jahr 800 mit der Kaiserkrönung Karls des Großen realisiert wurde.
Dieses Mal stehen wir in der Vorbereitung auf das Jahr Zweitausend
und vor dem vereinten Europa, das für Frieden, Sicherheit und Wohlstand
der Menschheit eintreten soll.
Heiliger Vater, Ihr Pastoralbesuch in Paderborn steht unter dem Leitwort
"Einig in der Hoffnung".
Wir Christen leben in der Hoffnung, daß unser Leben ein Ziel hat,
das zugleich unser Ursprung ist: Gott selbst, der dreieine, Vater, Sohn
und Heiliger Geist. Diese Hoffnung verbindet und fördert Gemeinsamkeit
und Einheit.
Sie, Heiliger Vater, haben den sehnlichen Wunsch geäußert, alle Christen
und kirchlichen Gemeinschaften sollten mit allen Kräften die volle Einheit
der Kirchen erstreben, die natürlich letztlich ein Geschenk Gottes ist.
Mein unmittelbarer Vorgänger als Erzbischof von Paderborn, Lorenz
Kardinal Jaeger, hat einen Schwerpunkt seiner bischöflichen Tätigkeit
der Bemühung um die Einheit der Christen gewidmet: Er hat einen Kreis
von katholischen und evangelischen Professoren ins Leben gerufen — der
übrigens noch heute besteht — zur Aufarbeitung und vertieften Erkenntnis
der uns trennenden Glaubensaussagen; er hat das Johann-Adam-Möhler-Institut
für ökumenische Theologie in Paderborn gegründet; er hat mit Kardinal
Bea die Gründung des Einheitsrates in Rom angeregt.
Am heutigen Tag wollen wir seiner besonders gedenken und ihn um seine
Fürbitte und Hilfe auf dem Weg zur Einheit der Christen bitten.
Ihr Besuch, Heiliger Vater, fällt dieses Mal in ein besonderes Gedächtnisjahr
Martin Luthers, der vor vierhundertfünfzig Jahren gestorben ist. Möge
Ihr Weltrundschreiben "Ut unum sint" zur Förderung der Einheit Ihr Anliegen
der vollen Einheit mit der orthodoxen Kirche und mit allen christlichen
Denominationen und ihr jetziger Besuch die Gemeinsamkeiten der Christen
untereinander und im Zeugnis in der Welt verstärken!
Sie haben gesagt: "Angesichts des herannahenden neuen Jahrtausends
erfleht die Kirche vom Herrn, daß die Einheit zwischen allen Christen
der verschiedenen Konfessionen bis hin zur Erlangung der vollen Gemeinschaft
wachsen möge" (Tertio Millennio Adveniente).
Ihr Pastoralbesuch soll ein Fest des Glaubens, der Hoffnung und der
Liebe sein. Was im christlichen Leben besonders wichtig ist, muß auch
heute deutlich hervortreten: Wir feiern in dieser Meßfeier die Gegenwart
des dreieinen Gottes; er ist unter uns durch seinen gekreuzigten und
auferstandenen Sohn im Heiligen Geist; ihn loben, preisen wir und beten
ihn an: er schenkt uns seine Liebe.
Wir feiern die Gemeinschaft der Glaubenden: Wir sagen Ja zu unserer
Kirche, wie sie ist, und wir bekennen uns zu ihr, die sein Leib ist.
Wir wissen um unsere eigenen Schwächen und Fehler. Wir wissen auch,
daß die Reform der Kirche bei uns selbst beginnt und die Kirche auch
als Gemeinschaft der Glaubenden nicht ohne Sünden und Fehler dasteht,
weil wir ja selbst Glieder der Kirche sind. Wir freuen uns aber darüber,
daß Christus uns so annimmt, wie wir sind, mit unseren Fehlern und Schwächen,
und daß er durch seine Kirche die Großtaten Gottes verkünden läßt.
Der Sohn Gottes ist Mensch geworden, unser Bruder, in allem uns gleich,
nur die Sünde ausgenommen. Er ist der einzige Mittler zwischen Gott
und den Menschen. "In Jesus Christus spricht Gott nicht nur zum Menschen,
sondern er sucht ihn", weil er ihn liebt, so haben Sie gesagt, Heiliger
Vater (Tertio Millennio Adveniente, 7).
Wir grüßen Sie als den Nachfolger des Apostels Petrus, dem der Auferstandene
selbst die Leitung seiner Jüngerschaft übertragen hat. Sie sind nun
hierher gekommen, um uns als Ihre Schwestern und Brüder im Glauben zu
stärken. Dafür danken wir Ihnen.
Diese Meßfeier ist das Wichtigste bei Ihrem Aufenthalt in Paderborn,
denn sie vereint uns mit Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen,
dem unter uns wirkenden Haupt der Kirche. Sie, Heiliger Vater, werden
nun mit uns die heilige Messe feiern. Wir fühlen uns in besonderer Weise
der Weltkirche verbunden, für deren Einheit Sie als Nachfolger des heiligen
Petrus beten und arbeiten. Was Jesus zu Petrus sagte "Stärke deine Brüder"
(Lk 22,32), das erbitten wir auch von Ihnen.