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Bischof Dr. Karl Lehmann, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

Ansprache zur Begrüßung des Heiligen Vaters bei der Begegnung mit den Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz im Collegium Leoninum in Paderborn

am Samstag, den 22. Juni 1996

Heiliger Vater,
Verehrte Herren Kardinäle und Erzbischöfe,
liebe Mitbrüder im bischöflichen und priesterlichen Amt,
verehrte Brüder!

Es ist uns eine besondere Freude, daß Sie, Heiliger Vater, zum dritten Mal in Ihrem segensreichen Pontifikat die Kirche unseres Landes besuchen. Wir Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz, vereint mit den Herren Kardinälen und Erzbischöfen Ihrer Begleitung, danken Ihnen von Herzen für Ihr Kommen und den Dienst des Glaubens, den Sie im Sinne des Wortes unseres Herrn an Petrus auch bei uns vollziehen: "Stärke deine Brüder!" (Lk 22,32 b)

Sie kommen zum ersten Mal nach der Einigung Deutschlands in unser Land. Wir sind aus Ost und West trotz mancher Schwierigkeiten im Bemühen um eine tiefe Gemeinsamkeit aus dem Glauben enger zusammengewachsen. Wir danken Ihnen, Heiliger Vater, als dem Diener der Einheit der Kirche, daß Sie uns und vielen anderen Kirchen und Völkern geholfen haben, in diesen Jahren der Spannungen und des Hasses zwischen Ost und West uns nicht von der Liebe Jesu Christi abbringen und als Schwestern und Brüder des einen Vaters nicht voneinander trennen zu lassen.

Wir bemerken freilich immer mehr, wie tief die Wunden sind, die eine menschenverachtende Ideologie in den Herzen vieler Menschen geschlagen hat. Dies hat in den neuen Bundesländern den Glauben in sehr vielen Menschen überhaupt nicht entstehen lassen, im Westen unseres Landes hat diese Situation den Glauben zusätzlich geschwächt. Wir danken Ihnen, daß Sie uns durch die Errichtung der neuen Erzdiözesen und Diözesen und durch die Ernennung vieler Bischöfe — im Augenblick haben alle Bistümer einen Diözesanbischof — nach innen und außen für die Aufgabe der Neu-Evangelisierung gestärkt haben. Wir sehen dies nicht zuerst und allein als eine isolierte Verpflichtung in unserem Bereich, sondern als einen europaweiten Auftrag für uns alle, in glaubwürdiger Form das Evangelium zu bezeugen.

Sie haben uns soeben ein vorbildliches Beispiel gegeben, wie uns dabei das Gesamtzeugnis der ganzen Christenheit am Herzen liegen soll, ohne daß wir unsere eigene Berufung als katholische Kirche hintansetzen. Wir wissen dabei um Ihre große Unterstützung, wie auch wir Ihnen unsere brüderliche Hilfe für die weltweiten Sorgen des obersten Hirten unserer Kirche versprechen.

Wir sind zuversichtlich, daß Ihr Besuch diese Bindungen der Treue, des Glaubens und der Liebe stärkt und uns unsere gemeinsame Sendung im Geist des Herrn und zur Auferbauung unserer Kirche noch besser verwirklichen läßt, "damit die Welt glaubt" (Joh 17,21).

Wir danken Ihnen für Ihre Ansprache, die Sie uns in schriftlicher Form aushändigen werden. Wir danken sehr für dieses umfangreiche Wort, das wir sorgfältig lesen und miteinander besprechen werden.