Zur Religionslehrerin berufen |
Weltweite PläneLehrerin wollte ich keinesfalls werden. Das wußte ich mit Sicherheit, als ich vor 26 Jahren Abitur machte. Zu meinem jetzigen Beruf als Katechetin fand ich über Umwege. Mein Ziel war es, Entwicklungshelferin zu werden. Nach dem Studium der Allgemeinen Agrarwissenschaften bewarb ich mich bei verschiedenen Entwicklungshilfe-Organisationen. Ich hatte keinen Erfolg: Frauen mit meinem Beruf konnten "auf Grund der Sozialstruktur dieser Länder" nicht in leitender Funktion tätig sein. So lautete damals die Begründung. Ich hatte einige Jahre eine sehr interessante Arbeit als pädagogische Mitarbeiterin in einer Landvolkshochschule. Bildungsarbeit machte mir sehr viel Freude. Die Neugierde bleibtNach meiner Heirat wurde ich Bäuerin im Allgäu. Wir haben drei Töchter, 16 und 2 mal 13 Jahre alt. Einige Jahre war ich an Haus und Hof gebunden. Trotz eines ausgefüllten Alltags suchte ich immer wieder neue Herausforderungen. Nebenbei absolvierte ich die C-Ausbildung in der Kirchenmusik und legte die Prüfung ab. Seit 14 Jahren bin ich Organistin und leite einen Kirchenchor. Immer wieder verspürte ich einen Antrieb, mich an Neues heranzuwagen. Neugierde und Wissensdurst bewegten mich, als ich vor 5 Jahren mit dem Grundkurs in "Theologie im Fernkurs Würzburg" begann. Der Aufbaukurs folgte. |
Ermutigt durch Bekannte wagte ich mich an den religionspädagogisch- katechetischen Kurs. Dieser Kurs kostete noch mehr Kraft und Zeit als die vorausgegangenen. Ich erlebte meine Grenzen und wollte aufgeben. Manchen Leuten konnte ich ansehen, was sie dachten: Mußt du das auch noch anfangen? Du hast doch genug zu tun. Ich brauchte und erfuhr immer wieder Ermutigung und konnte so meine Durststrecken überwinden. Religionsunterricht ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, niemals nur ein Job. Was mich bei meinen ersten Hospitationen begeisterte war die ganz andere Form und die Methoden des heutigen Unterrichts. Allerdings hat ein Fach mit nur zwei Wochenstunden seine Grenzen. Überdies habe ich in jeder Klasse die ganze Bandbreite der religiösen Familienerziehung, von null bis gut. Was ich an religiösen Inhalten vermitteln kann, hängt davon ab, in wie weit es mir gelingt, zu den Kindern und Jugendlichen eine Beziehung aufzubauen. Kinder haben ein Gespür dafür, ob ich das, was ich "lehre", auch selbst lebe. Mit dieser Erkenntnis stellte sich mir die Frage der Berufung. Mir wurde klar, daß es nicht so sehr darauf ankommt, einen möglichst perfekten Unterricht zu bieten. Suchen und sich finden lassenUnd was bei all meinen verschiedenen Tätigkeiten und Berufen wichtig war, das trifft auch hier zu: Es geht um konkrete Menschen, die mir anvertraut sind und denen ich die Möglichkeit eröffnen kann, etwas von dem Gott, der für uns da ist und mitgeht, erfahren zu können. Betrachte ich meinen Lebens- und Berufsweg, der nicht geradlinig verlief, wird mir klar, daß ich selbst eine Suchende bin und mich finden lasse. Ich erfahre mich als geführt, geleitet und getragen, gerade dann, wenn ich trotz Scheitern und Mißlingen den Mut für einen Neuanfang finde. |
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