Warum Bruder statt Priester |
| Br. Andreas (30 ) hat 1994 den Magister Artium erworben und 1995 das 1. Staatsexamen in Geschichte und Latein abgelegt, nach einer Bewerbungszeit ist er jetzt Novize bei den Franziskaner-Minoriten im Konvent Schwarzenberg, Diözese Bamberg.
WEGBEREITER: Wie im normalen LebenBr. Andreas: Ich weiß ja nicht, wie es letztlich wird, aber ich habe jetzt vorgeschlagen, daß ich mit einer halben Stelle etwa in der Verwaltung, im Archiv oder Museum tätig bin, und zwar am liebsten außerhalb, und die andere Hälfte innerhalb des Ordens. Ich sehe die Berufung zum Bruder schon auch darin, daß ich in der Gemeinschaft tätig bin. Auch dieser Dienst hat für mich Zeugnischarakter, diese alltäglichen Arbeiten gehören genauso zum Leben. Ich sehe das auch als Vorbild oder besser gesagt, ich nehme mir da die ganz normalen Christen zum Vorbild, die ja ebenso neben ihrem Beruf noch den Haushalt machen müssen. Bei uns ist es schon ein Thema, wieweit wir zurückkehren könnten zu unseren Ursprüngen als ausgesprochener Brüderorden. Wichtig ist mir, daß das Ideal "Bruder" auf die gesamte Gemeinschaft ausgedehnt wird. Sprachlich kommt das inzwischen so zum Ausdruck, daß man in offiziellen Texten statt von Laienbrüdern und Priesterbrüdern lieber von Brüdern mit und ohne Weihe spricht. Im Vordergrund steht also die Berufung zum Ordensmann und dann die Berufung zum Priester. Der Priesterberuf ist dann eine Aufgabe neben anderen. Allein dieser Sprachgebrauch zeigt, daß sich da in den letzten Jahren viel verändert hat. |
Br. Andreas Warler (32) ist Salvatorianer und gehört zum Salvatorkolleg Steinfeld in der Eifel, wo er an der weithin bekannten Basilika als Organist tätig ist.
WEGBEREITER: Keine halben SachenBr. Andreas: Wie ich mir das so überlegte, kam ich bald zu der Überzeugung, daß der Beruf des Kirchenmusikers und der Priesterberuf nicht gut zu verbinden sind. So entschied ich mich, mich ganz der Kirchenmusik zu widmen. Diese Entscheidung habe ich noch nie bereut. Die Aufgabe füllt mich ganz aus. Wenn ich Priester wäre, würde man von mir erwarten, daß ich am Samstag und Sonntag in einer Gemeinde Gottesdienste halte, für das Beichtsakrament zur Verfügung stehe, für die Krankensalbung und wofür der Priester sonst eben noch zuständig ist. Da würde ich zwischen verschiedenen Aufgaben zerrissen. Ich sehe meine Tätigkeit auch als Verkündigung an. Bei Orgelvorführungen und Orgelkonzerten kommen viele Leute in unsere Kirche, die sonst wahrscheinlich eher selten eine Kirche von innen sehen. Kirchenmusik trägt ja die Botschaft unseres Glaubens in sich, und manche Menschen, die unsere übliche Wortverkündigung nicht mehr verstehen, können sich für die Sprache der Musik öffnen. Das erfahre ich immer häufiger. Diese Chance sollten wir nicht übersehen. Zuerst haben viele Mitbrüder und auch Verwandte und Freunde meine Entscheidung nicht verstanden, schließlich haben wir Priestermangel und der Priester steht im Ansehen eben doch immer noch höher. Inzwischen ist meine Lebensform überall akzeptiert. |
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