Von der Leidenschaft getrieben

Vom Großhandelskaufmann über die Theologie zur Journalistenausbildung

Schon der Schüler Anton Magnus gab eine Zeitung heraus, den "Vogel". Gewiß, er hatte Spaß am Schreiben, aber das war nicht der Grund für seine Aktivitäten, er wollte mit dem Unternehmen einfach Geld verdienen.
Aber dann kam zunächst doch alles ganz anders. Nach der Schule machte der Bauernsohn aus der Nähe von Kempten eine Lehre als Großhandelskaufmann. Als er mit 20 zum Bund sollte, ging er lieber zur Polizei. Mit 26 Jahren stand er zur Beamtung auf Lebenszeit an. Das ging ihm nun doch zu schnell, und auf Lebenszeit wollte er sich noch nicht festlegen.

Der "andere" Dorn meldet sich zu Wort

Da regte sich seine intellektuelle Neugier, vor allem aber seine religiöse Seite, und so entschied er sich, aus dem Polizeiberuf auszusteigen und das Abitur nachzumachen. "Es war für mich klar, ich will Theologie studieren, aber Priester war nicht ganz mein Ziel. Theologie wollte ich studieren, das war etwas, was mich zeitlebens interessiert hat und heute noch brennend interessiert. Aber da hat mich weniger das Zölibat gestört, sondern aktiv Kult ausüben, das war es, was ich nicht wollte und mir auch nicht vorstellen konnte." P. Mattes von den Salesianern in Eichstätt ermutigte ihn, in Neuss am Rhein das Abitur zu machen und dann zu sehen, was daraus wird.
Es wurde ein Studium in Tübingen in Theologie, Germanistik und Politologie mit dem vorläufigen Ziel, Lehrer zu werden, obwohl das nicht sein Traumberuf war. Noch im ersten Semester machte ihn ein Mitstudent auf ein neues Institut zur Ausbildung von Journalisten in München aufmerksam. Das war 1970. Der Student Dorn bewarb sich und wurde als Stipendiat angenommen. Nach Studium und Journalistenausbildung erhielt er 1975 beim Institut die Stelle des Studienleiters.

 

 Schlüsselerlebnis

Als Kaufmann engagierte sich Dorn in der Gewerkschaftsjugend und mußte dort mit einem bitteren Vorurteil Bekanntschaft machen: Katholiken seien geistig minderbemittelt, was dann in den 60er Jahren mit dem Wort vom "Bildungsdefizit der Katholiken" die Runde machte. "Das wollte ich nicht auf mir sitzen lassen. Es war geradezu ein innerer Trieb, Dinge, die ich noch nicht durchschaute, verstehen zu lernen und erklären zu können. Ich wollte in meiner Person beweisen, daß man auf der Höhe der Zeit und Katholik sein kann. Katholisch sein heißt für mich: man muß die Dinge schon durchschauen können und auf den Glauben hin reflektieren. Das ist ein Faden, der mich bis heute nicht in Ruhe läßt."

Journalist mit einer Sendung

Auf diesem Hintergrund wird das große Anliegen verständlich, das
Dr. Dorn, verheiratet und Vater von zwei Kindern, bei aller Journalistenausbildung leitet: "Wir müssen unsere Leute befähigen, daß sie Kirche, das Katholische vermitteln können, daß da am Ende nichts Dummes rauskommt. Solange ich selber die Kurse gehalten habe, bin ich immer davon ausgegangen: Die Volontäre müssen an religiös-kirchlichen Themen ihren Journalismus einüben, wenn sie es bei uns nicht lernen, wo sollen sie es dann lernen? Das ist das Spezifikum unseres Instituts. Da bin ich eben mit Leib und Seele Theologe, ja, der Theologe in mir überwiegt heute noch den Journalisten."
Die Anlage zum Journalismus, die sich schon beim Schüler Anton Magnus gezeigt hat, konnte sich also durchsetzen, die Motivation hat sich allerdings geändert: nicht um Geld zu verdienen, sondern um die Botschaft zu vermitteln, die sein Leben umtreibt und die er für unsere Zeit verständlich vermitteln will. Dr. Dorn sagt das auch so: "Die Journalistenausbildung ist nach der Priesterausbildung die wichtigste Aufgabe der Kirche". (pw)