Seniorenseelsorge

Heft 4/07

Statement

Eine ganz neue Sicht


„Der Kurs eröffnet mir ein ganz neues Sehen auf die pastorale Situation in den Gemeinden der Zukunft. Das Alter in seinen unterschiedlichsten Formen und Ausprägungen wahrzunehmen und pastorale Angebote für die verschiedenen Gruppen zu schaffen ist eine Herausforderung für die zukünftige Gemeindepastoral. Ich habe erkannt, dass die Begleitung älterer und alter Menschen durch die Pfarrgemeinde mehr und mehr auch zu einem Schwerpunkt in der Gemeindepastoral werden sollte.
Dabei ist es mir wichtig geworden, Seniorenpastoral nicht als Sonderform abzutun, sondern sie sinnvoll in die Gemeinde-pastoral miteinzuflechten. Durch den Kurs habe ich viele Anregungen bekommen, wie das umgesetzt werden kann.“

(4/07, S.2-3)

Berufsreport

Alter(n) in Gesellschaft und Kirche

von Dr. Marianne Habersetzer, PRin, Fachbereichsleiterin Seniorenpastoral und Diözesanaltenseelsorgerin, München


Jeder möchte alt werden, aber keiner will alt sein! So lautet ein geflügeltes Wort in unseren Tagen. Aber für jede und jeden stellt sich die Frage: Wie will ich alt werden, wie möchte ich dann alt sein? Seit vielen Jahren ist bekannt, dass sich in unserer Gesellschaft ein demografischer Wandel vollzieht. Doch das Thema „Alter und Altern“ und damit auch die Überlegung nach einem guten Umgang mit dem Älterwerden ist ein Belastungsdiskurs. Dieser Diskurs verengt sich schließlich auf die Fragestellung, wie sich denn die wachsende Anzahl älterer Menschen auf die Belastungen der sozialen Sicherungssysteme auswirkt.
Es wird weit weniger die Frage gestellt, wie sich ältere Menschen mit ihren ideellen, zeitlichen und vielfach auch materiellen Ressourcen zur Unterstützung der nachfolgenden Generationen einbringen bzw. einbringen können. Dies gilt für die Gesellschaft, aber auch für den Bereich der Kirche. Welche Voraussetzungen müssten geschaffen werden, um den älteren Generationen wirklich gerecht zu werden? Wie könnten Bilder, wie könnten Träume eines guten Alter(n)s aussehen? Wie kann das Miteinander der Generationen in der Zukunft aussehen?

(4/07, S.4-7)

Berufsreport

„Gewonnene Freiheit“

Interview mit Mechthilde Hessling


Michael Bönte: Gibt es die Großgruppe „Senioren“ noch?
Mechthilde Hessling: Nein. Wir haben es mit einer wachsenden Komplexität und Vielseitigkeit in der Gruppe älterer Menschen zu tun. Das zeigt sich schon am Sprachgebrauch, wenn wir von Älteren, Alten, Rentnern, Pensionären, jungen Alten, alten Alten oder Hochbetagten sprechen. Die Gruppe dieser Menschen ist heterogen geworden und zeigt eine Vielzahl an Lebenswelten und -situationen.

Michael Bönte: Wo liegen die Gründe?

Mechthilde Hessling: Zunächst einmal müssen wir sehen, dass die Lebensspanne, die wir heute als Alter bezeichnen, einen viel längeren Zeitraum beschreibt als früher. Die Menschen sind länger alt und haben in diesem Zeitraum große Möglichkeiten, ihr Leben weiter auszudifferenzieren. Alle Mechanismen, die heute dazu führen, dass die Gesellschaft sich so plural zeigt, treffen dabei auch auf die Generation der älteren Menschen zu. Individualisierung etwa oder Verjüngung und Dynamisierung des Lebens. Es gibt viele Faktoren, die dann dazu führen, dass der eine alte Mensch eine ganz andere Lebenswirklichkeit entwickelt als der andere.

(4/07, S.8-9)

Berufsreport

Seelsorge im Altenheim dringend notwendig

von Roland Joos


WEGBEREITER: Was sind Sie von Beruf?
Roland Joos: Rentner, Diakon mit Zivilberuf.
Es waren aber in meinem beruflichen Leben immer wieder Neuorientierungen notwendig. Zunächst erlernte ich von 1955-58 den Beruf des Mechanikers.
Später besuchte ich eine private Handelsschule um als Technischer Kaufmann bessere Berufsaussichten und Chancen zu haben. Von 1971- 76 habe ich berufsbegleitend die Ausbildung zum Diakon gemacht und wurde im Okt. 76 zum Diakon geweiht.
1987 berufliche Weiterbildung zum Personalfachkaufmann.

WB: Wo und wie lange arbeiten Sie schon als Seniorenseelsorger?
Roland Joos: Bereits in meiner Ausbildung zum Diakon gehörten Seniorenbesuche und Betreuung älterer Menschen im Altenheim zu meinen Aufgaben.

(4/07, S.10)

Berufsreport

Zufrieden älter werden

von Otto Pötter, Rheine


Es gibt nicht „das Alter“. Es ist eine Frage der Einstellung, ob wir zuversichtlich altern oder mürrisch alt werden. Dabei gilt: Ohne gläubige Zuversicht, Herzlichkeit und Güte ist Zufriedenheit im Alter nicht möglich. Die Bibel empfiehlt als beste Altersvorsorge „ein weises Herz“; denn: Verhärtet das Herz, wird das Alter zum Schmerz. Natürlich ist vieles nicht vorhersehbar. Deshalb ist es gerade mit zunehmendem Alter wichtig, „die Antennen unserer Seele“ zu pflegen, um „gut-mütig“ das anzunehmen, was das Alter so an Überraschungen für uns bereithält. Was immer da auch kommen mag, es setzt die Kraft der Annahme und Bejahung voraus.

(4/07, S.11)

Im Blickfeld

Intervallkurs Seniorenpastoral

von Birgit Gammel, Fachreferentin Seniorenseelsorge, Erzbistum München und Freising, und Kursleitung


Bereits zum vierten Mal findet für hauptamtliche Seelsorger und Seelsorgerinnen im Institut für Theologische und Pastorale Fortbildung in Freising ein berufsbegleitender zweijähriger Intervallkurs Seniorenpastoral statt.

Der Kurs richtet sich an pastorale Mitarbeiter/-innen, die mit älteren Menschen in Gemeinden oder/und auch im stationären Bereich zu tun haben und vor der Anforderung stehen, sich für den differenzierten Aufgabenbereich der Seniorenpastoral - eventuell auch als Multiplikatoren - zu qualifizieren.
Ein Einführungstag gibt einen Überblick über die Thematik und Arbeitsweise. Bei allen Kurseinheiten wird erfahrungs- und persönlichkeitsorientiert, prozess- und projektorientiert gearbeitet.

(4/07, S.15)

Berufswahl/Berufung

„Idee von P. Paschalis Schmid noch zeitgemäß?“

von P. Leonhard Berchtold SDS, München


Die Verantwortlichen der Diözesen Deutschlands für das Päpstliche Werk für Geistliche Berufe lassen sich bei ihrer Jahrestagung 2007 in Würzburg vom Grundanliegen des P. Paschalis Schmid informieren.

P. Leonhard Berchtold, derzeitiger Provinzial der Süddeutschen Provinz der Salvatorianer, nahm die Einladung von Dr. Peter Birkhofer, Direktor des Zentrums für geistliche Berufe in Freiburg, gerne an, im Rahmen der Jahrestagung über den Mitbruder P. Paschalis Schmid zu referieren, dessen Todestag sich an Weihnachten 2007 zum 50. Mal jährt. Natürlich ist eine Jahrestagung immer Gelegenheit zum regen Erfahrungsaustausch über das, was in den einzelnen Diözesen ‚los‘ ist und welche Lichtpunkte sie als Verantwortliche erlebt bzw. mit welchen Schwierigkeiten sie im vergangenen Jahr zu kämpfen hatten. Manche Diözesen konnten vom abgeschlossenen ‚Jahr der Berufung‘ berichten, manche befanden sich noch mitten in den Aktivitäten des Berufungsjahres

(4/07, S.16-17)

Spiritualität

Hochqualifizierte Ausbildung

von Pater Ferdinand Hamma SJ


Das Schlüsselwort dieses Artikels heißt Spiritualität: ein großes Wort, ursprünglich ein Wort der religiösen Sprache. Inzwischen wird es aber auch in vielen profanen Bereichen unserer Gesellschaft gebraucht. Es meint einfach meine persönliche Grundhaltung dem Leben gegenüber, all dem, was im Letzten mein Tun und Lassen in den entscheidenden Dingen meines Lebens bestimmt. Diese Grundhaltung wird wesentlich von meiner Sehnsucht geprägt, von dem, wovon ich träume, wonach ich verlange, was mich tagtäglich antreibt und motiviert. Spiritualität ist deshalb die Art und Weise, wie wir mit unserer Sehnsucht, die wir im Herzen tragen, wie wir mit unserer Lebensenergie umgehen.

Diese Sehnsucht trägt uns auch noch in unserer letzten Lebensphase. Deshalb ist es wichtig, uns immer wieder klar zu machen, was uns auch noch im Alter antreibt und lebendig erhält. Die Spiritualität des Alterns möchte uns also helfen zu erkennen und zu verstehen, worauf es im Alter wirklich ankommt.

(4/07, S.18-19)

Spiritualität

Das Licht wird kostbarer am Abend

von Maria Anna Leenen


Ein spannungsreicher Prozess
Das Leben ist einfach so: Krankheit, Altern und die Angst vor dem Tod bestimmen unser menschliches Da-Sein; je mehr Jahre wir zählen, umso nachdrücklicher spüren wir unsere Grenzen und die Vergänglichkeit alles Irdischen. Und nicht wenige sind der Ansicht: alles, was wir in unserem Leben lernen müssen, ist, mit diesen Tatsachen umzugehen.

(4/07, S.20-21)

Spiritualität

Andacht

Ich danke Dir, Herr, für meinen Weg

zusammengestellt von P. Heinrich Mühlbauer SDS


EINFÜHRUNG
Höhen und Tiefen durchwandern! Viele von uns können das im Rückblick auf ihr Leben sagen. Wir wissen aber auch, dass wir in Jesus Christus einen Begleiter haben, dem das menschliche Leben in seinen Höhen und Tiefen nicht fremd geblieben ist. Er ist jetzt auch mit uns in dieser Stunde, zu ihm wollen wir uns bekennen und zu ihm rufen:

KYRIE-RUFE
Herr Jesus Christus,
Dein Anruf ist unser Weg.
Kyrie eleison.
Du stärkst uns zum Zeugnis für die frohe Botschaft.
Christe eleison.
Was du durch uns begonnen hast, wirst du auch vollenden:
Kyrie eleison.

(4/07, S.22-23)

Portrait

Zum 800. Geburtstag der hl. Elisabeth von Thüringen
„Ich habe es doch gesagt, wir sollen die Menschen froh machen.“
von Dr. Birgitta Klemenz, Stiftsarchivarin der Benediktinerabtei St. Bonifaz in München und Andech

Im Sommer 1207 – überliefert ist der 7. Juli – wurde die hl. Elisabeth von Thüringen in Ungarn, als Tochter des Königspaares Andreas II. und Gertrud, geboren.
In ihrer radikalen Frömmigkeit und in der beispiellosen Fürsorge für Arme und Kranke setzte sie völlig neue Maßstäbe im Leben einer Fürstin. So ließ sie während einer großen Hungersnot die fürstlichen Kornspeicher öffnen und verteilte sämtliche Vorräte an die Bedürftigen. Sie organisierte jedoch auch „Hilfe zur Selbsthilfe“, wenn sie arbeitsfähige Bedürftige mit fester Kleidung und Werkzeug versorgte. Von ihrem Ehemann, Ludwig IV, wurde sie bestärkt und unterstützt, bei Hofe hat sie sich damit nicht nur Freunde gemacht. Ludwig befürwortete um 1226 auch die Wahl des Magisters Konrad von Marburg zu Elisabeths Beichtvater und geistlichem Führer. Konrads Einfluss schlug sich auf vielerlei Weise nieder, z. B. im Gelübde der Ehelosigkeit nach einem möglichen Tod des Gemahls. Manche seiner Ratschläge und Entscheidungen sind für uns heute nicht mehr nachvollziehbar. Im so genannten Speiseverbot, der Ablehnung aller Speisen, die nicht von den Eigengütern des Landesherrn stammten und deshalb das Ergebnis ungerechter Fron hätten sein können, offenbart sich jedoch eine geradezu moderne Einsicht in Ursache und Wirkung.


(4/07, S.24)