50 Jahre Säkularinstitute - einfach dazwischen

Etwas Neues kündigt sich an

Am Anfang stand tastendes Ahnen und der Versuch, auf die gewandelten Zeitverhältnisse zu reagieren. Vor allem Frauen, aber auch Männer suchten nach einer Form der Christusnachfolge, die seither in der Kirchengeschichte als undenkbar eingeschätzt wurde. Einerseits wollten sie mitten drin in ihren Berufen und familiären Beziehungen beschäftigt bleiben mit allem, was im gewöhnlichen Alltag vorkommt: Arbeit und Freizeit, gesellschaftlich-soziales Engagement und Mittun in der Kirche so, wie es für Christen ansteht, die ihren Glauben nicht nur auf dem Taufschein zeigen wollen. Andererseits war genau die Leidenschaft für Jesus und seine Kirche das Motiv, alles auf eine Karte zu setzen, sich auf seine Nachfolge einzulassen unter dem Anspruch der evangelischen Räte. Eine verbindliche Entscheidung zu Armut, Jungfräulichkeit und Gehorsam in einer festen Gemeinschaft, aber eben ohne Ausstieg aus dem gewohnten Lebensraum – das war der Wunsch, der in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg in einzelnen und kleinen Gruppen immer vernehmbarer wurde.
Überhaupt wurde es immer mehr Gläubigen wichtig, auch in Ehe und Familie, mit ihrer Person die Aufgaben der Kirche mitzutragen. Die großen Bewegungen des Laienapostolates entstanden und mit ihnen ein sich wandelndes Verständnis von "geerdeter" Frömmigkeit.
In diesem großen Lebensstrom entstand der Wunsch nach einer durch die evangelischen Räte geprägten Christusnachfolge auf den Straßen dieser Welt – einfach dazwischen, ohne Eintritt in ein Kloster. Das kirchliche Recht sah eine solche Verbindung nicht vor. Räteleben und gewisse Schritte von "Auszug aus der Welt" gehörten seit Jahrhunderten zusammen. Das Leben in Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam sollte durch Kloster und Klausur Schutz erfahren.

Ein historischer Schritt

Es ist ein geschichtlicher Einschnitt, daß Papst Pius XII. am
2. Februar 1947 mit der Apostolischen Konstitution "Provida Mater" diese Tradition unterbrach und einen neuen Weg ermöglichte: die "Säkularinstitute". Die sogenannten "Weltgemeinschaften" sollten nichts von der geistlichen Intensität herkömmlichen Ordenslebens einbüßen. Nur sollte diese Weihe "inmitten der Welt" gelebt werden. Papst Paul VI. spricht von "geweihter Welthaftigkeit" und verdeutlicht, was das heißt: "Wenn sie ihrer Berufung treu bleiben, werden die Säkularinstitute gleichsam zu ðVersuchslaboratorienÐ, in denen die Kirche die konkreten Möglichkeiten ihrer Beziehungen zur Welt einer Probe unterzieht." (In einer Ansprache 1976)

 Entfaltung in Vielfalt

Auf allen Kontinenten haben sich in den letzten 50 Jahren Tausende Menschen in diese Spur gestellt und vielfältige Entfaltungen dieser Lebensform entwickelt. Die derzeit rund 180 Säkularinstitute mit etwa 40 000 Mitgliedern haben eigene Ausprägungen und Akzente.

Es gibt Institute, deren Mitglieder allein in ihrer Wohnung leben und im erlernten Beruf arbeiten. Keine äußerlich unterscheidende Kleidung oder andere Erkennungszeichen trennen sie von den Menschen um sie herum. Sie können in dichter Nähe zu den Menschen und gesellschaftlichen Strukturen leben, die herkömmlicher Pastoral vielfach verschlossen sind und die die Kirche nicht mehr erreicht. Sie möchten nicht von vornherein als Mitglieder einer religiösen Gemeinschaft erkannt werden, um sich Wirkmöglichkeiten auch dort offen zu halten, wo sonst Religion und Kirche sofort abgetan würden. Biblisch gesprochen verstehen sie sich eher als "Sauerteig", weniger als weithin sichtbare "Stadt auf dem Berge".
In anderen Instituten leben kleine Gruppen der Gemeinschaft zusammen, einfach dazwischen. Für den Unterhalt und die Altersversorgung steht nicht die Gemeinschaft gerade, sondern die Mitglieder haben, wie andere Laien auch, selbst Vorsorge zu treffen. Es gibt Säkularinstitute, die in gemeinschaftseigenen Häusern leben und sich bewußt gemeinsam Aufgaben widmen. Andere haben schon durch die unterschiedlichen Berufe ihrer Mitglieder einen weiten und vielfältigen Wirkradius. Auch Säkularinstitute für Priester sind entstanden.
In der gewachsenen Vielfalt bleibt das verbindende Anliegen, die prägende Kraft des Evangeliums mitten in einer säkularen Welt lebendig zu halten. Die Welt ist Inhalt und Ort der Begegnung mit Gott - dem Gott, der in Jesus Christus ein Stück Welt geworden ist, einfach dazwischen.