Beruf mit Zukunft?

Begleitung bei der Sinnsuche

Wir müssen feststellen, daß religiöse Erziehung, aber auch Erziehung zu Werten des Zusammenlebens nicht mehr so wie früher in den Familien stattfindet. Auf die Schulen kommen neue und stärkere Anforderungen zu. Der neue Lehrplan für die Hauptschule versucht, die immer umfassenderen Bildungsziele der Schule aufzugreifen. Es geht darum, den Kindern einen Platz in unserer Gesellschaft zu ermöglichen – und zwar im umfassenden Sinn. Gerade dem Religionsunterricht kommt dabei eine gesteigerte Bedeutung zu. Er kann eine Hilfestellung bei der Sinnsuche geben. Er kann Orientierung und Begleitung der jungen Menschen sein. Dabei wird der/die Religionslehrer/in zunehmend zum/zur Seelsorger/in im Tätigkeitsfeld Schule. Schulseelsorge bietet einen Raum mit vielen Chancen, die jedoch noch weitgehend ungenutzt sind. Die Kirchen tragen mit dem Religionsunterricht eine große Verantwortung für die Zukunft und für das Gelingen der gesamten Gesellschaft. Religionslehrer/innen haben die Chance, in einer säkularen Welt den Glauben zu bezeugen und als eine Lebensalternative den Kindern und Jugendlichen anzubieten.

Religionsunterricht kostet Geld

Auch bei den Kirchen sind die Kassen knapp. Aber die Kirchen würden gut daran tun, beim Religionsunterricht und bei den Religionslehrern nicht zu sparen. Diese sind oft die einzigen Vertreter der Kirche, mit denen viele Schüler überhaupt noch in Kontakt kommen. Während sich in kirchlichen Kreisen zunehmend eine Ghettobildung breit macht, sind Religionslehrer/innen oft die einzigen Berührungspunkte mit einer außerkirchlichen Gesellschaft.

Die Kirche handelt weitsichtig, wenn sie – gerade angesichts leerer Kassen – den Stellenwert des Religionsunterrichts betont und ihn entsprechend ausstattet. Und die Schulpastoral von Gemeindereferenten/innen und Religionslehrer/innen bietet immer mehr die einzige, leider oft sehr dürre Brücke zur Pfarrgemeinde. Jetzt gilt es, diese Brücke zu untermauern, zu festigen und auszubauen.

Eine Frage des Images

Der Religionsunterricht ist unter Beschuß. Er hat nur eine Chance, wenn er von gut ausgebildeten, erstklassigen Kräften gegeben wird. Dazu müssen aber auch die Rahmenbedingungen stimmen. Selbst die beste Lehrkraft ist überfordert, wenn sie an zwei, drei oder sogar noch mehr Schulen unterrichten muß und in den Pausen hin- und herfährt. Selbst der flexibelste Religionslehrer stößt an seine Grenzen, wenn er Kinder aus unterschiedlichen Jahrgangsstufen unterrichten muß. Die Quittung für die Sparsamkeit wird postwendend serviert: Unzufriedenheit bei Lehrern, Eltern und Kindern. Das Ergebnis ist Abmeldung und/oder Austritt. Während die Schulreferenten der Bistümer die Zeichen der Zeit noch erkennen, so scheinen die Finanzdirektoren wohl kaum gewillt zu sein, in den Religionsunterricht zu investieren. Und trotzdem: Die Kirche, der Staat und die Gesellschaft brauchen den Religionsunterricht und den/die Religionslehrer/in.