Schulpastoral – Ein Praxisbericht.

Aus der Not geboren

Aus der pädagogischen Not geboren, begann die pastorale Arbeit an unserer Schule zusammen mit einem Projekt zur Gewaltprävention bei unseren Schülern. Damals, 1993, beobachteten wir einen erheblichen Anstieg an Aggression, Gewalt und Zerstörungswut; die Ursachenforschung verlief relativ ergebnislos und die pädagogischen Maßnahmen waren bald aufgebraucht. So entschied sich das Kollegium, neue, vielleicht auch ungewohnte Wege zu gehen.

Es war uns klar, daß das Schulleben nur dann wieder für alle Beteiligten "lebenswert" werden würde, wenn auch alle an den Maßnahmen teilhaben können. Es ging also nicht nur darum, mit schwierigen und auffälligen Schüler/innen zu arbeiten, sondern auch mit den Lehrer/innen und den Eltern. An dieser Trias orientierten sich die Angebote, die von mir und einem Schulpsychologen angeboten wurden.

Im Mittelpunkt die Schüler/innen

Im Mittelpunkt standen natürlich die Schülerinnen und Schüler. Für sie wurde eine sogenannte "Schülersprechstunde" eingerichtet. Diese Sprechzeit fand am Vormittag während der Unterrichtszeit zu festen Terminen statt. Natürlich dauerte es einige Zeit, bis das Angebot angenommen wurde und ein Vertrauensverhältnis zu uns aufgebaut war. Im Lauf der Zeit sahen wir uns aber durch die Resonanz der Schüler/innen bestätigt.

Aus dieser schülerzentrierten Arbeit entwickelte sich der nächste Schritt, die Einrichtung eines Schülercafés, das in Eigenregie von älteren Schülerinnen und Schülern geführt wurde und sehr bald zu einem beliebten Treffpunkt auch für uns Lehrer/innen wurde. Neben diesen Angeboten fanden auch Veranstaltungen mit explizit religiösem Charakter ihren Platz. Dazu gehörten eine "AG Religion", in der sich Schülerinnen und Schüler mit Glaubensfragen, Bibelarbeit und kritischer Auseinandersetzung mit Kirche beschäftigten, Morgenmeditationen, Tage der Orientierung, selbst gestaltete Schul- und Klassengottesdienste und Projekttage.

 Nicht ohne die Eltern

Im Bereich der Elternarbeit suchten wir vermehrt das Gespräch mit den Müttern und Vätern, nicht selten fand das in Form von Hausbesuchen statt. Die Erfahrungen waren durchwegs positiv. Darüberhinaus veranstalteten wir zusammen mit dem Elternbeirat "Thematische Elternabende", die allerdings nur geringe Resonanz fanden.

Veränderungsbedarf im Kollegium

Der dritte Bereich, nämlich Kollegium und Schulleitung, stellte sich als der schwierigsten heraus. Es ist nicht einfach, Kolleginnen und Kollegen vom Sinn und Zweck verschiedener Neuerungen zu überzeugen. Dennoch entstand ein anfänglich kleiner Kreis zum gegenseitigen Austausch, das sog. "Lehrer/innen-Forum". Aus dieser Runde entwickelte sich eine Supervisionsgruppe, die seit mehr als zwei Jahren unter der Leitung einer externen Supervisorin zusammenarbeitet, übrigens auf eigene Kosten. Darüberhinaus versuchten sich einige Lehrkräfte am sog. "Konstanzer Trainingsmodell" (KTM) und im Bereich der kollegialen Hospitation.
Was hier in wenigen Sätzen geschildert wird und auf den Leser/die Leserin sicher oft idealisierend wirken mag, ist das Ergebnis von mehreren Jahren Arbeit. Jahre, die häufig von Enttäuschungen, Rückschlägen und Mißerfolgen gekennzeichnet waren. Und dennoch sind wir nach wie vor davon überzeugt: Nur mit allen am Schulleben Beteiligten kann etwas verändert werden. Nur wenn alle in pädagogisches und seelsorgliches Handeln miteinbezogen werden, wird Schule lebenswert, ein Ort, an dem das Leben Wert hat.