Spiritualität - ein Luxus im Alltag des Priesters? |
Der Beruf des Pfarrers bietet Chancen, aber auch eigene Gefahren für ein geistliches Leben. Frau Dr. Silvia Becker (38) hat sich dazu Gedanken gemacht. In Aachen geboren, studierte sie in in ihrer Heimatstadt Philosophie und Theologie und ist seit 1991 verantwortliche Redakteurin in Düsseldorf für "Die Mitarbeiterin", eine Zeitschrift für Frauenbildung und Frauenseelsorge.
Spiritualität: Die persönliche Beziehungsgeschichte mit GottAls Frau und Nichtamtsträgerin kann ich die Spiritualität des Priesters immer nur von außen wahrnehmen, aus der Distanz. Zumal Priester sich schwertun, einem anderen Menschen besonders einer Frau - ihr inneres, persönliches Leben zu offenbaren. Und Spiritualität ist eine persönliche, eine intime Angelegenheit, geht es doch um die ureigene Beziehungsgeschichte mit Gott, um eine Liebesgeschichte also. Der Priester lebt dabei in einer Situation, in der Spiritualität zum Berufsbild gehört. Das eröffnet Chancen man denke nur an die sakramentale Ordination und den immer noch großen Vertrauensvorschuß bei vielen Gläubigen , aber es birgt auch Gefahren in sich. Zeitdruck interesseloses Dasein vor GottEine Gefahr liegt in der Verzweckung der eigenen Spiritualität, die manchmal an Selbstausbeutung grenzt. Im Klartext: Ein Priester meditiert einen Bibeltext und denkt dabei sogleich an die nächste Predigt oder den nächsten Einkehrtag mit der Frauengemeinschaft. Ihm wird eine Gnade Gottes geschenkt; aber anstatt sie freudig anzunehmen, rückt sofort deren geistliche Verwertung in den Blick zumal Zeitdruck, Priestermangel, wachsender Aktivismus in den Gemeinden gewaltig an seiner inneren Gelassenheit, an der von Ignatius beschworenen "Großmut des Herzens" zehren. Interesseloses, wortloses Dasein vor Gott, das ein entspanntes, aufmerksames Verhältnis zu sich selbst und zur Natur voraussetzt, erscheint da beinahe schon als Luxus. |
Rolle des Starken eigene BedürftigkeitDie andere Gefahr liegt in der uralten Versuchung aller theologisch gebildeten Menschen, sich Gottes allzu sicher zu fühlen. Wer über Macht und Leitungskompetenz verfügt, oft auch von der Gemeinde in die Rolle des Starken gedrängt wird, tut sich verständlicherweise schwer, seine eigene Schwäche und Ohnmacht vor Gott wahrzunehmen und gerade aus dieser tiefen Bedürftigkeit heraus Christus in sich wachsen zu lassen. Erfahren und kompetent und doch ein SuchenderWelche Erwartungen dürfen Laien also legitimerweise an den Priester richten? Muß er wirklich an jeder Sitzung, jedem Ausschuß, jeder Adventsfeier teilnehmen: ein kirchlicher Hans Dampf in allen Gassen? Oder kommt es nicht vielmehr darauf an, ob er ein Mensch ist, der Erfahrungen mit Gott gemacht hat und diese Erfahrungen theologisch deutet, gewichtet und in sein Leben integriert? Wenn ich an geglückte priesterliche Spiritualität denke, dann fallen mir Begegnungen mit Priestern ein, die den Mut haben, etwas von sich und ihrem Suchen preiszugeben, die selbstbewußt genug sind, auch einmal die Rolle des Starken und Wissenden zu verlassen. Und das, ohne dabei ihre Kompetenz zu verleugnen oder sich gar angesichts einer theologisch gebildeteten Frau für ihre Rolle als Priester zu entschuldigen. Glaube nicht nur vermitteln, sondern auch teilenNicht selten erlebe ich statt dessen spirituelle Sprachlosigkeit und Gehemmtheit, die aus der Angst erwächst, sich von der Welt, den Menschen und untrennbar damit verwoben von den Zumutungen Gottes berühren zu lassen. Nur wenn ein Priester die Bereitschaft entwickelt, Glaube nicht nur zu vermitteln, sondern in aller Diskretion auch zu teilen, kann er die Glaubenswege anderer überzeugend begleiten: Als Priester, Liturge, kompetenter Gesprächspartner, aber eben auch als Suchender unter Suchenden. |
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