Pfarrer

Heft 2/08

Statement

Ich bin gerne Priester!


Es ist faszinierend Gottes Botschaft in meinem Leben Raum zu geben. Zu entdecken, wie Gott auf vielfältige Weise zu uns Menschen spricht.
Es ist bereichernd, Menschen auf ihrem Glaubens- und Lebensweg begleiten zu dürfen, mit ihnen Gottes Gegenwart im Alltag zu entdecken.
Als Priester darf ich ihnen ganz nah sein, in der Sakramentenspendung, im persönlichen Wort, in der stillen Begleitung.
Täglich neu erfahre ich, bei allen Herausforderungen, die der Tag so mit sich bringt, wie Gott mein Leben bereichert, wie er mir Sinn und Halt schenkt.
Es ist erfüllend Priester zu sein.

(2/08, S.2-3)


Berufsreport

Seelsorger mit Managementqualitäten

Interview mit Pfarrer Herbert Gugler, Dinkelscherben


WEGBEREITER: Herr Pfarrer Gugler, sagen Sie bitte ein paar Sätze über sich? Wer ist Pfarrer Gugler?
Pfarrer Herbert Gugler: Meine Heimat ist in Augsburg die Pfarrei St. Georg und Michael. Nach dem Abitur habe ich Verwaltungswirtschaft studiert und erst dann bin ich ins Priesterseminar eingetreten.
Vor sieben Jahren habe ich die Priesterweihe empfangen. Nach Dinkelscherben kam ich als Pfarrer September des Jahres 2006. Also, ich bin relativ neu in dem Pfarrverband.

(2/08, S.4-7)


Berufswahl/Berufung

Pfarrei – Arbeitsplatz für einen Seelsorger oder Manager?

von P. Anselm Grün OSB, Münsterschwarzach


Viele Pfarrer, die ich begleite, klagen darüber, dass sie sich mehr und mehr als Manager fühlen. Sie sind Priester geworden, weil sie von der Jugendarbeit fasziniert waren. Sie wollten als Priester den Menschen helfen, ihren Glauben zu leben. Und sie wollten als Seelsorger die Menschen in ihren Nöten begleiten. Doch dazu kommen sie kaum. Die Pfarrei hat so viele Verwaltungsaufgaben, dass sie das ganz in Beschlag nimmt.

(2/08, S.8-9)

Erwartungen an die Priester

von Prof. Paul Zulehner


Mehr Priester?
Eine Kirche, die in Jesu Menschenfreundlichkeit an der Seite der „kleinen Leute“ bleiben will, sich nicht von der einmaligen Lebensgeschichte in seelsorgliche Megaräume zurückzieht, wird sich Gedanken machen, wie sie diese priesterliche Menschennähe erhalten oder wieder stärken kann. Nur wenn sie Wurzeln tief im Leben der Menschen hat, wird morgen bei uns die Kirche Gottes lebendig bleiben können. Denn auch Gott ist ein menschennaher Gott.

(2/08, S.10)

Welche Schwerpunkte hat die Priesterausbildung?

von Dr. Christian Hartl, Regens im Priestersemminar, Augsburg


„So möchte ich nicht leben, so gehetzt und gestresst wie unser Pfarrer.“ Manchmal höre ich diese Klage aus dem Mund von Seminaristen oder von jungen Männern, die sich für den Priesterberuf interessieren. Die Klage ist ernst zu nehmen. Die organisatorischen Aufgaben, die ein Priester heute zu bewältigen hat, werden immer mehr. Viele leiden darunter: „Ich bin mehr Manager als Seelsorger“, sagen sie. Bischöfe und ihre Mitarbeiter sind gefordert, die tatsächlichen Rahmenbedingungen priesterlichen Dienstes wahrzunehmen, zu hinterfragen und gegebenenfalls Entlastungen herbeizuführen.

(2/08, S.11)


Im Blickfeld

Weltgebetstag für geistliche Berufe

4. Ostersonntag, 13. April 2008

1964 führt Papst Paul VI. den „Weltgebetstag für geistliche Berufe“ ein und legt diesen für den Gut-Hirten-Sonntag (vierten Ostersonntag) fest. Der Weltgebetstag hat drei Ziele in sich: Erstens geht es darum, dass sich jeder einzelne fragt, was seine Berufung ist. Dabei geht es darum, was Gott von dieser einen Person erwartet. Zweitens danken viele Priester, Ordensgemeinschaften sowie Christinnen und Christen, die zu einem Dienst in der Kirche berufen sind, für das Geschenk ihrer Berufung“, und drittens geht es am Weltgebetstag darum, dass die ganze Kirche, Pfarreien, Orden und Laien um Berufungen beten, um Personen bitten, die in Gottes Weinberg mitarbeiten könnten. .

(2/08, S.15)


Berufswahl/Berufung

Todestag von P. Paschalis Schmid

von Maria Lang


Bei der Gedenkfeier am Fest Mariä Empfängnis wurden Kerzen mit einem Bild von P. Paschalis Schmid verkauft. Es ist mir wohl vertraut, da es – solange ich mich erinnern kann - immer in der Stube meiner Großeltern hing. Von Anfang an faszinierte mich dieser Mann mit dem gütigen Lächeln. Sein Foto hing zwischen Bildern verschiedener Heiliger, wie der Heiligen Theresia von Lisieux, und anderer Glaubensvorbilder, die meinen Großeltern sehr wichtig waren. So dauerte es einige Zeit, bis ich begriff, welche besondere Beziehung unsere Familie mit P. Paschalis verbindet.

(2/08, S.16-17)

Pädagogik der Berufungen

von Marek Dziewiecki, Europa-Dienst für Berufungen


Pädagogik der Berufungen fängt bei der Frage an: Wie geschieht im Menschen die Annahme des berufungsmäßigen Angebots? Welche Ängste und psychische Abwehrmechanismen entstehen in ihm, welche Erwartungen und Vorstellungen? Welche Schwierigkeiten bringt die nächste Umgebung und dominierende Kultur mit sich? Eine solche Analyse bildet die Aufgabe für die einzelnen Humanwissenschaften: Pädagogik, Psychologie und Soziologie. Diese Analyse beginnt mit der theologischen Reflexion, berücksichtigt ihre Daten, respektiert ihre besondere Stellung und versucht zum Verständnis des Berufungsdialogs zwischen Gott und Mensch, zwischen der absoluten und der geschaffenen Freiheit, beizutragen.

(2/08, S.18-19)


Spiritualität

Eine Zerreißprobe zwischen Identität und Realität

von Maria Anna Leenen


Immer wieder ein schwaches Glucksen und Blubbern, dazwischen die typische, fast völlige Geräuschlosigkeit und dann dieser modrige, ganz eigene Geruch. Die Füße tasten unsicher über den schmalen, schwankenden Pfad aus Eichenbohlen und im Hinterkopf blinkt die eindringliche Botschaft des Schildes auf, das zu Beginn warnte: Bleiben Sie in jedem Fall auf dem Weg!

(2/08, S.20-21)

„Die Berufungen im Dienst der Kirche in ihrer Sendung“

Aus der Botschaft zum 45. Weltgebetstag um geistliche Berufungen


... Das Zweite Vatikanische Konzil sagt: »Obwohl jedem Jünger Christi die Pflicht obliegt, nach seinem Teil den Glauben auszusäen, beruft Christus der Herr aus der Schar der Jünger immer wieder solche, die er selbst will, damit sie bei ihm seien und er sie zur Verkündigung bei den Völkern aussende (vgl. Mk 3,13-15)« (Dekr. Ad gentes, 23). Die Liebe Christi muss nämlich den Brüdern durch das Beispiel und mit Worten, mit dem ganzen Leben vermittelt werden. Mein verehrter Vorgänger Johannes Paul II. schrieb: »Die besondere Berufung der Missionare auf Lebenszeit behält ihre volle Gültigkeit: Sie verkörpert das Beispiel des missionarischen Einsatzes der Kirche, die immer auf die radikale und ganzheitliche Hingabe angewiesen ist, auf neue und kühne Impulse« (Enzykl. Redemptoris missio, 66).

(2/08, S.22-23)


Kommentar

Aus der Predigt zum 50. Todestag von P. Paschalis Schmid SDS am 8. Dezember 2007 in München, St. Willibald
„Lasst uns, ganz neu und ganz von vorne anfangen!“
von Dr. Rainer Birkenmaier

Wenn es im Leben unmöglich ist, die Uhr zurückzustellen und aus der Zeit auszusteigen, so lebt in uns allen doch diese unbändige Hoffnung und Sehnsucht, mitten in den Verwirrungen und Verwicklungen des Lebens, nochmals neu anfangen zu dürfen; ganz neu anknüpfen an dem Ursprung, der in der Tiefe unseres Herzens wie eine ganz lebendige Quelle und Lebenskraft verborgen ist. Eine wirkliche, tief greifende Erneuerung und Entwirrung unseres Lebens kann nur geschehen, wenn wir diesen Ursprung in der Tiefe unseres Herzens wieder finden und mit ihm in Berührung kommen. Es ist der Anfang in uns, den Gott gesetzt hat und an dem ER uns schon immer berührt hat. Aus dieser Tiefe, nicht aus dem angestrengten Nachdenken, nicht aus räsonierender Unzufriedenheit, nicht aus heiligen Willensentschlüssen und sonstigen hilflosen Versuchen entspringt die Kraft zum Neuwerden und zum Neubeginn.

(2/08, S.24)