Magdalena Bogner, Präsidentin der kfd

Laßt uns den Weg der Gerechtigkeit gehen

"Laßt uns den Weg der Gerechtigkeit gehen" – diesen Liedtext möchte ich als Motto zu meinen Überlegungen nennen.
Die Zukunft unserer Kirche (wie unserer Gesellschaft) hängt davon ab, ob es Frauen und Männer gibt, die davon angetrieben sind, Sorge zu tragen für das Heil des Menschen. Das ist Auftrag und Erbe Jesu Christi, dessen Namen wir tragen.

Ich nehme wahr,
- daß es gerade bei den Frauen unendlich viele sind, die mit offenen Augen sehen und verwundetem Herzen spüren, was an Unheil, an verhindertem und zerbrochenem Leben Menschen unserer Zeit daran hindert, sich entfalten zu können, leben zu können,
- daß es gerade Frauen sind, die zu Menschen der Tat werden – zu solchen Menschen, die sich zu den Zerschlagenen und Zerbrochenen (vgl. Jes 61, 1 ff / Lk 4, 18 ff) herabbeugen und sich ihnen zuwenden,
- daß sich in dieser Tatsache zeigt, daß Gott gerade Frauen in seine Mitwirkung beruft, um Heil zu bringen, die Stelle Jesu in unserer Zeit einzunehmen.

Aber ebenso nehme ich wahr,
- daß Frauen in diesem Tun nicht beteiligt werden an der Setzung von Heilszeichen, dem Spenden der Sakramente,
- daß Frauen in den Strukturen unserer "Heilsvermittlerin", der Kirche, fast nicht vertreten sind in den Ebenen der Entscheidung, der Verwaltung.

Wenn ich konkret das Miteinander von Frauen und Männern in unserer Kirche anschaue, dann gelingt dieses sicher dort gut, wo es um soziales Handeln geht. Auch wo es um die sogenannten pastoralen Aufgaben der Pfarrgemeinden geht, gibt es ein Miteinander, das zwar nicht immer konfliktfrei ist, das aber doch geprägt ist vom Willen, gemeinsam zu handeln. In den Gremien von Pfarrgemeinde- und Diözesanräten gibt es z.T. mehr Frauen als Männer. Aber das alles ist aus meiner

Sicht nicht umfassendes Mitwirken von Frauen am Heilsauftrag unserer Kirche. Schritte zu machen auf dem Weg der Gerechtigkeit, des rechten Verhältnisses von Männern und Frauen in der Nachfolge Jesu, bedeutet mehr:
- Gerechte Sprache muß Frauen ausdrücklich als selbständige und von Männern unabhängige Menschen benennen, (wenn von "Brüdern" die Rede ist, dürfen die Schwestern nicht nur mitgemeint sein, sondern müssen ausdrücklich genannt werden).
- Gott, dem wir uns über Sprache und Bilder nur sehr unzulänglich nähern können, muß in Verkündigung und Theologie sowohl mit männlichen als auch weiblichen Bildern und Attributen gesehen werden.
- Frauen wie Männer sollen daran teilhaben, die Heilszeichen Gottes an den Menschen zu wirken, d.h. die Sakramente spenden zu können.

Jesus sieht Frauen und Männer gleichwertig, so ist es uns in den Evangelien überliefert. Er handelt gerecht an ihnen und mit ihnen. Er beteiligt sie gerecht an der Verkündigung der Taten Gottes (Heilungen, Erweckungen, Nachfolge ...) und vor allem an dem entscheidenden Ereignis seiner Auferstehung – Frauen erfahren und bezeugen die Auferstehung Jesu als erste.

Aus all dem ergeben sich für mich wichtige Folgerungen:
- Ziel bleibt aus meiner Sicht (und der sehr vieler Frauen) deshalb: Frauen sollen an allen Diensten und Ämtern der Kirche teilhaben. Ein erster Schritt dazu könnte die Weihe von Frauen zu Diakoninnen sein, was mit der Tradition der Kirche durchaus vereinbar zu sein scheint.
- Wichtig erscheint mir auch, Frauen, die jetzt mitwirken, Menschen Heil zu bringen, in ihrer je eigenen Berufung zu bestärken und zu ermutigen.
- Nur in beharrlicher Geduld kann der Weg der Gerechtigkeit für Frauen und Männer in unserer Kirche gegangen werden.
- Gerechtigkeit beginnt im Denken und Fühlen: Hier sind Schritte der Veränderung bei uns allen nötig, um unter der Sicht Jesu (und wohl auch der frühen Kirche) Aufgaben und Dienste zu werten.