Krankenhausseelsorge

Heft 1/07

Statement

Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde... (Offb 21,1)

von Dr. Michaela Koller

Die Frage nach dem theologischen Fundament impliziert die Frage nach dem Leben und der Tätigkeit in der klinischen Seelsorge. Im Folgenden werde ich diese Frage in drei Bildern und biblischen Texten beantworten: dem Hohelied der Liebe nach Paulus, dem Dienst der Fußwaschung im Johannesevangelium und der Verheißung des neuen Himmels und der neuen Erde aus der Johannesapokalypse.

(1/07, S.2-3)

Berufsreport

„Schön, dass Sie Zeit für mich haben!“

Pfarrer Martin Hezel, leitender Seelsorger im Klinikum Großhadern, München


WEGBEREITER: Wie sind Sie dazu gekommen Krankenhausseelsorger zu werden?
Pfarrer Hezel: Nach meinem Theologiestudium wusste ich nicht so richtig, ob ich noch Priester werden wollte. Klar aber war mir, dass ich für Menschen da sein möchte. Im Studium selbst hatte ich ein vierwöchiges Praktikum im Krankenhaus gemacht, das mir sehr gut gefiel. An dieses erinnerte ich mich und so hatte ich die Idee für ein Jahr in ein Krankenhaus zu gehen, um in der Pflege und Seelsorge mitzuarbeiten.

(1/07, S.4-7)

Berufsreport

“Die Zärtlichkeit der Seelsorge”

von Ralph Ivanovs, Pastoralreferent, Klinikseelsorger, Hannover


Kurz bevor ich mich von der Patientin verabschiedete, sagte sie ein wenig feierlich und mit wohl gesetzten Worten zu mir: “Ich danke Ihnen für Ihre ermunternden und trostreichen Worte!” - Was war passiert?
Mitarbeiter der Station hatten mich auf Frau M. aufmerksam gemacht; sie sei recht verschlossen, sie fänden keinen Zugang zu ihr.

(1/07, S.8-9)

Berufsreport

Ich war krank und ihr habt mich besucht (Mt 25,36)

von Dr. Gerd Kellner, Augsburg


Die Sorge um die Kranken gehört zu den zentralen Aufgaben der Kirche. Sie zieht sich gleichsam wie ein roter Faden durch ihr soziales Wirken, ist aber auch stets eng mit der Verkündigung der Botschaft vom Reich Gottes verknüpft. Die Kirche kann sich dabei auf ihren Gründer Jesus Christus selbst berufen. Er widmete sich in besonderer Weise den Kranken und heilte viele, die an körperlichen und seelischen Krankheiten litten, wie z.B. die Schwiegermutter des Petrus (Markus 1,29 – 31) oder auch psychisch Kranke, wie z.B. die Heilung des Besessenen von Gerasa (Mk 5,1 – 20).

(1/07, S.10)

Berufsreport

Ein Beruf im Spannungsfeld zwischen Ohnmacht und Tiefe

von Monika Winkler-Seeliger, Klinikseelsorgerin und Gestalttherapeutin, Oberaudorf

(2/07, S.11)

Im Blickfeld

Mein Täglich Brot

Thomas Hiemenz, Referent für Krankenhausselsorge im katholischen Krankenhausverband Deutschlands

(2/07, S.15)

Berufswahl/Berufung

80 Jahre Gebetsgemeinschaft für Geistliche Berufe

Wallfahrt nach Altötting und Begegnung mit Papst Benedikt XVI.

von Kornelia A. Lüttmann, Freiburg


Vor 80 Jahren, am 12. Juni 1926, wurde das „Frauenhilfswerk für Priesterberufe“ auf Initiative von Prinzessin Maria Immaculata, Herzogin zu Sachsen, in Freiburg gegründet. Aus dieser Gründung ging eine weltweite Gebetsgemeinschaft, das Päpstliche Werk für Geistliche Berufe (PWB), hervor.
Die Gebetsgemeinschaft PWB ist eine offene Gebetsinitiative, die zum Gebet um geistliche Berufe einlädt. Einzeln, zu Hause oder in kleinen Gebetskreisen in der Kirche beten die Mitglieder um Berufungen für die Kirche. Sie unterstützen die Bemühungen um geistliche Berufe, wollen aber auch das Berufungsbewusstsein in allen Christen stärken.

(1/07, S.16-17)

Berufswahl/Berufung

Nah am Menschen

von Otto Schilling, Landshut


2007 sind es dreißig Jahre, dass ich als Pastoralassistent und – referent im kirchlichen Dienst bin. Von 1979 bis 1987 war ich als Pastoralreferent in Biberach. Hier lernte ich in einer offenen Gemeinde vor allem zahlreiche Gesichter der kirchlichen Jugendarbeit kennen und konnte vieles ausprobieren. Gott sei Dank hatte ich damals einen „Chef“, der mir und den Jugendlichen einen unerschöpflichen Vertrauensvorschuss entgegenbrachte.
1987 kam ich wegen der Liebe sprich Heirat von der Diözese Rottenburg – Stuttgart in die Erzdiözese München – Freising, genauer gesagt nach Landshut in Niederbayern. In der Pfarrgemeinde St. Jodok erfuhr ich elf Jahre lang die große Spannbreite einer lebendigen Gemeinde mit vielen ehrenamtlichen Frauen und Männern, wie auch schon in den beiden vorhergegangenen Pfarreien.

(1/07, S.18-19)

Spiritualität

Ein bergender Raum, der menschliche Grenzen überwindet

von Maria Anna Leenen


Langsame, ausgreifende Bewegungen kreisen und umgreifen vorsichtig sanft den kleinen Körper. Ein kräftiges Ziehen und Walken, energisch und doch achtsam streichen die Hände zu den Seiten; weich und kraftvoll zugleich wird das duftende Öl mit wohltuendem Druck nach und nach über Brust und Bauch verteilt und einmassiert. Unmerklich durchströmt die feine Minznote den Raum, entspannt und harmonisiert. Nach kurzer Zeit schon beruhigt sich die aufgeregte Stimmung des Kleinkindes. Sein Gesicht wird friedlich, der verkrampfte Körper löst sich. Das Kind schläft ruhig ein. Die liebevolle Berührung der Hände vermittelt ihm Geborgenheit, die Wärme der heilsamen Massage mit dem aromatischen Öl schenkt Zuwendung. Körper und Seele finden in ihren Gleichklang zurück.

(1/07, S.20-21)

Spiritualität

Weihnachten - 2000 Jahre Menschwerdung

von Dagmar Dewald


Ihr aber, für wen haltet ihr mich? – Jeder von uns muss sich einmal dieser Frage stellen, die Jesus an seine Jünger richtete. Petrus bekannte: Du bist der Messias (Mk 8,29). Und mit der Kirche bekennen auch wir immer wieder Jesus als Messias, als Sohn Gottes, als Heiland und Erlöser. Doch ist das auch unsere persönliche Antwort, ist sie von den Lippen ins Herz eingedrungen? Wer also ist Jesus für mich, für dich? Es lohnt sich über zweitausend Jahre nach der Menschwerdung Gottes im Stall von Bethlehem, unsere eigene Antwort zu erforschen.

(1/07, S.22-23)

Kommentar

Klinikseelsorge ist Kirche

von Uli Redelstein, Pastoralreferent und Klinikseelsorger am Klinikum Heidenheim, Vorsitzender der AG Kur- und Klinikseelsorger der Diözese Rottenburg-Stuttgart

„Die Sorge um die Kranken im Krankenhaus und in der Gemeinde ist eine der zentralen Aufgaben kirchlichen Handelns.“, – so die zusammenfassende Aussage der deutschen Bischöfe in ihrer pastoralen Handreichung: „Die Sorge der Kirche um die Kranken“. Diese Standortbestimmung heutiger Kirche vergegenwärtigt die besondere Fürsorge Jesu für Menschen, die krank sind. Klinikseelsorger fühlen sich in besonderer Weise Jesu Auftrag Menschen vom Heil zu erzählen und Menschen zu heilen verpflichtet. Gerade kranke Menschen offenbaren Verletzlichkeit, Begrenztheit und Erlösungsbedürftigkeit menschlichen Lebens. Gleichzeitig sind sie Zeugen der Grundsehnsucht des Menschen nach Heil und Heilung. Und sie machen erfahrbar, dass Leben trotz Krankheit und Tod gelingen kann. Menschen sind in Krisen auf besondere Weise ansprechbar.

(1/07, S.24)