Zur Förderung geistlicher Berufe:

Eine Frau ergreift die Initiative


Eine Idee geht um die Welt
Eine Gruppe von Frauen organisiert in den 20er Jahren unseres Jahrhunderts einen Verein und gewinnt Tausende von Frauen für dessen Idee: sich finanziell und im Gebet für Priester und für Priesternachwuchs einzusetzen. Innerhalb weniger Jahre ist dieser Verein in fast allen deutschen Diözesen fest verankert. Es geht um das "Frauenhilfswerk für Priesterberufe", das letztlich dafür ausschlaggebend ist, daß 1941 das Päpstliche Werk für Priesterberufe (heute: Päpstliches Werk für geistliche Berufe – PWB) errichtet wird. Somit entstand ein weltweites Werk.
Initiatorin dieses Vereins ist Prinzessin Maria Immaculata, Herzogin zu Sachsen. Was bewegt eine Prinzessin, die durch die Eheschließung mit Prinz Johann Georg von Sachsen die höchstgestellte Frau am Dresdner Hof geworden war, sich solch einer Lebensaufgabe zu widmen?

Offen für Gott und die Menschen
Prinzessin Maria Immaculata (geboren 1874 in Südfrankreich, gestorben 1947 in der Schweiz) hat das Geschehen in Welt und Kirche mit offenen Augen und wachem Herzen wahrgenommen. Sie sah nicht nur die sozialen Nöte, die sie durch Besuche bei Armen und Kranken zu lindern versuchte, sondern auch die seelischen Nöte der Menschen.
Prinzessin Maria Immaculata war eine tief religiöse Frau. Ihr Glaube prägte ihr Leben. Aus der Verbundenheit mit Gott gestaltete sich ihr Wirken. Gebet, Stille, Meditation hatten einen festen Platz im Ablauf ihres Tages. In einem religiösen Buch strich sie eine Stelle an, die sie wohl immer wieder betrachtet hat und die zur Norm ihres Lebens wurde: "Im Grund des Herzens Gott immer gegenwärtig haben, sich dort einen Ruheort schaffen nichts tun, nichts sagen ohne IHN befragt zu haben."

Sorge um die Weitergabe des Glaubens
Als sie noch in Frankreich lebte, erteilte sie Katechismusunterricht, weil es an den Schulen keinen Religionsunterricht gab. In Paris hörte sie eine Predigt, die ein erschütterndes Bild von der seelischen Verwahrlosung des Volkes in Frankreich zeichnete. Als Ursache für diese Entwicklung wurde in erster Linie der Priestermangel genannt. Es sei Pflicht eines jeden Christen, nach Möglichkeit zu helfen. Diese Predigt hinterließ einen tiefen Eindruck auf die Prinzessin. In der Entwicklung der Kirche Frankreichs sah sie Parallelen zur Kirche in Deutschland und deren Zukunft.
Nach dem ersten Weltkrieg – nachdem sie schon einige Jahre in Freiburg i.Br. wohnte – wurde sie durch das Studium der Theologie ihres Neffen, Kronprinz Georg von Sachsen, mit der finanziellen Not von Theologiestudenten konfrontiert. In Erinnerung an die Predigt in Paris und die wahrnehmbare "Verödung der Glaubenslandschaft" wurde es für sie immer drängender, sich dafür einzusetzen, daß es immer wieder Menschen gibt, die das Evangelium Jesu Christi verkünden. Da dies in erster Linie Aufgabe der Priester ist, kam ihr die Idee, in einer Organisation viele Menschen zusammenzuführen, die sich durch Gebet und Spenden für den Priesternachwuchs einsetzen sollten. Ihr war bewußt, daß das Ausmaß der notwendigen Hilfe die Kräfte vieler erforderte.

Eine tatkräftige Frau
Couragiert und zielstrebig trat Prinzessin Maria Immaculata für ihre Sache ein. Sie sprach mit Vertretern der Kirche und sammelte Frauen um sich, die sich ihr Anliegen zu eigen machten. Ihr engagiertes Tun verstand sie als ein wichtiges Laienapostolat innerhalb der Kirche. Lange bevor das Konzil das gemeinsame Priestertum aller Gläubigen aufgrund von Taufe und Firmung neu belebte, war Prinzessin Maria Immaculata davon inspiriert und motiviert. Damit wirkte sie für ihre Zeit geradezu prophetisch.