Laien in der Geschichte der Orden
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Faszinierende AussteigerSchon früh gab es in den christlichen Gemeinden Laien, die ein besonders strenges religiöses Leben führten und auf die Ehe verzichteten. Sie bildeten oft die geistliche Mitte der Gemeinde, als "Wanderasketen" waren sie die eigentlichen Missionare. Die wachsenden Gemeinden waren immer weniger ein Ort lebendiger christlicher Erfahrung, so kam es im Osten im 4. Jahrhundert zu einem "Auszug der Asketen in die Wüste". Die extreme Lebensweise der "Aussteiger" faszinierte die Menschen und so wurden sie zu gefragten Ratgebern. Entwicklung zum ZweiklassensystemDamit zeigen sich von Anfang an zwei Entwicklungen, die später für das Ordensleben beherrschend wurden. Zum einen die Sakralisierung, d.h. die Ordensleute schufen sich ihre eigene Welt, getrennt vom Leben der übrigen Christen. Umgekehrt wurden die Männer und Frauen, die nach den Evangelischen Räten lebten, mehr und mehr für die Vollchristen gehalten, die Gott irgendwie näher sind, während die anderen Christen, die sich in ihrem Alltag notgedrungen mit der Welt einlassen mußten, nicht ganz dem Evangelium entsprachen. Laien fordern radikale Erneuerung der KircheSeit Beginn des 12. Jahrhunderts traten die Laien stärker im Leben der Kirche hervor. An der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert entstanden radikale Armutsbewegungen, die die hl. Schrift in der Volkssprache und die Laienpredigt forderten und z.T. die Hierarchie und die Sakramente ablehnten. Die Waldenser und andere Bewegungen spalteten sich von der Kirche ab. Mit Dominikus und Franziskus fand dieser Strom einen Weg in der Kirche. Daneben gab es einige Bewegungen, die nach den Evangelischen Räten lebten, aber keine feste Regel annehmen wollten. So z.B. die Beginen (Frauen) und die Begarden (Männer), die vor allem in der Krankenpflege tätig waren. Nach langen Auseinandersetzungen lehnten sich viele als Dritte Orden an die Bettelorden an. Die Begarden schlossen sich als Alexianer zusammen und übernahmen 1472 die Augustinerregel. Sie sind die einzigen dieser Bewegungen, die bis heute überlebt haben (Aachen). Die Impulse dieser geistlichen Laienbewegungen blieben das ganze Spätmittelalter lebendig und mündeten z.T. in die Reformation. |
Kleriker und Laien: als Ordensleute nahe bei den MenschenIm 16./17. Jahrhundert suchte man nach Lebensformen, die Klerikern die Verkündigung und Laien den Dienst in Schule und Krankenpflege ungehindert ermöglichen sollten. Als erster verzichtete Ignatius v. Loyola für seine apostolische Gesellschaft ganz auf Chorgebet, gemeinsames Leben und das Ordenskleid. Angela Merici, Maria Ward und Vinzenz v. Paul radikalisierten diesen Ansatz für ihre Frauengenossenschaften. Bald jedoch erhielten diese Anfänge wieder etliche Klausurvorschriften. Der unmittelbare Dienst an den Menschen jedoch blieb weitgehend erhalten. Die sozial engagierten Laien-Gemeinschaften erhielten oft die Augustinerregel, so auch die von Johannes von Gott für die Krankenpflege gewonnenen Helfer, die Barmherzigen Brüder. Ein anderer Pionier des Krankendienstes in dieser Zeit, Camillus de Lellis, gründete von Anfang an einen Klerikerorden. Ein neuer Anlauf für das LaienapostolatIm 19. Jahrhundert fühlten sich die Laien erneut gefordert, selbst im Sinne der Kirche aktiv zu werden. Jetzt konnte man sich das auch ohne Übernahme der Evangelischen Räte vorstellen. So entstanden viele Vereine, die den Bedürfnissen der Zeit entsprachen. Aber auch bei den Orden gab es eine neue Entwicklung: Einige Ordensgründer wollten Laien auch unmittelbar apostolische Aufgaben übertragen, als erster Vinzenz Pallotti. Das war damals jedoch noch nicht möglich und so entstanden Klerikerorden, in denen Laienbrüder für die materiellen Grundlagen zuständig waren und die Priester unterstützten, daß sie sich frei von weltlichen Sorgen dem Apostolat widmen konnten. Frauen leisteten in alten und neu entstehenden Schwesternorden Großartiges im sozialen Bereich und in der Schule. Träume gehen in ErfüllungErst in unserem Jahrhundert hat mit den Säkularinstituten eine neue Form des Ordenslebens die kirchliche Anerkennung gefunden: Männer und Frauen leben nach den Evangelischen Räten ohne jede äußere Besonderheit, die sie von der Welt trennen könnte. Durch ihr Leben und ihre Offenheit geben sie Zeugnis in weltlichen Berufen oder auch in kirchlichen Diensten. Das Konzil (1963-65) bringt den Durchbruch für das allgemeine Laienapostolat, unabhängig von den evangelischen Räten. (P. Werder SDS) |