Religionslehrer

Heft 3/07

Statement

Was gefällt mir an mainem Job?


Ich bin als Religionslehrerin in München an der Schule der Heckscher Klinik und der Montessorischule zur individuellen Lebensbewältigung tätig. Meine Schüler, die psychische, körperliche und geistige Handicaps aufweisen, fallen durch das Raster unserer Leistungsgesellschaft. Mir ist es wichtig, ihnen zu zeigen, wie einzigartig sie sind und von Gott total geliebt.

Der Schwerpunkt meiner Arbeit bildet das Vermitteln und Erfahren grundlegender Glaubensinhalte entlang den Lebensfragen der Schüler. Sie merken dadurch, die biblische Botschaft hilft mir, mein Leben zu bewältigen.

(3/07, S.2-3)

Berufsreport

Ich bin nun am richtigen Ort, das ist meine Berufung

Interview mit den Dipl. Theol. Stefan und Doris Zauner


Der WEGBEREITER hat das Religionslehrerehepaar Doris und Stefan Zauner in Passau besucht. Beide haben Theologie studiert mit dem Berufswunsch Pastoralreferent zu werden.

Heute unterrichten sie das Fach Religion. Frau Zauner hat an einer staatlichen Wirtschaftsschule und an einer Sonderschule ihre Stelle gefunden. Herr Zauner unterrichtet an der Maria Ward Realschule in Neuhaus am Inn.

(3/07, S.4-7)

Berufsreport

Beten im Religionsunterricht
Die Gottesbeziehungen erschließen

von Prof. Dr. Albert Biesinger, Tübingen


Der Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel formuliert es prägnant und provokativ: "Beten heißt, fähig zu sein, seine Stärken und Schwächen zu erkennen, seine Existenz und seine Zukunft zu ermessen, heißt empfangen und geben. Ohne diese Möglichkeit wäre der Mensch um eine wesentliche Dimension ärmer. Niemand ist mehr zu bedauern als der Mensch, der nicht beten kann, denn nicht beten ist keine Sünde, sondern eine Strafe. Die tragischste Stunde im Leben des Beseht ist jene, als er zur Strafe seine Gebete vergaß" (E. Wiesel, Macht Gebete aus meinen Geschichten, Freiburg-Basel-Wien 1986,33 t).

Was halten Sie von einem Musiklehrer, der mit seinen Schülerinnen und Schülern lediglich Partituren liest und nie mit ihnen singt oder musiziert?

(3/07, S.8-9)

Im Blickfeld

"Wann haben wir wieder Reli?"

von Christine Hartig, Religionslehrerin i. K. an den Grundschulen in Pang und Kolbermoor, Redaktionsmitglied VKRG-Rumos


Diese Frage höre ich häufig von Erst- oder Zweitklässlern, wenn ich sie im Schulhaus oder auf dem Pausenhof treffe. Auch bei den Dritt- und Viertklässlern, die schon besser wissen, welche Fächer gerade auf dem Stundenplan stehen, spüre ich die Freude am Religionsunterricht, wenn sie sagen: "Religion ist mein Lieblingsfach!" "Reli ist immer so schnell vorbei!"

Meine Erfahrungen als Religionslehrerin an der Grundschule bestätigen also durchaus die Ergebnisse einer empirischen Untersuchung zum katholischen Religionsunterricht in der Bundesrepublik Deutschland von Prof. Dr. Anton Bucher aus dem Jahr 2000: Der Religionsunterricht in der Grundschule hat eine enorm hohe Akzeptanz. Für mehr als drei Viertel der Schülerinnen und Schüler ist er ausdrücklich ein beliebtes Fach und rangiert gleich hinter Kunst und Sport. Eine überwältigende Mehrheit (um die 78%) stuft den Religionsunterricht als etwas für ihr Leben Wichtiges ein.

(3/07, S.15)

Berufswahl/Berufung

Religionsunterricht ist nicht nur Vergnügen!
Manchmal liegen Steine im Weg

Von Ulrike Aull-Renoth, Rel.Lin i. K. und Markus Danel Rel.L i. K. beide u. a. an der Hauptschule Moosburg/Isar


Das Unterrichten des Faches Religion bereitet nicht nur Freude. Natürlich gibt es auch Schwierigkeiten, die nicht verschwiegen oder klein geredet werden sollen. Diese hängen natürlich sehr stark von der Schulart ab.

Da die Mitglieder des VKRG (Verband katholischer ReligionslehrerInnen und GemeindereferentInnen) überwiegend an Grund- und Hauptschulen tätig sind, werden in erster Linie die Schwierigkeiten an diesen Schularten betrachtet.

(3/07, S.16-17)

Berufswahl/Berufung

Ausbildung zum/zur Religionslehrer/-in an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt
Hochqualifizierte Ausbildung

von Markus Eham, Professor für Liturgik und Pierfelice Tagliacarne, Professor für Exegese des Alten Testaments und Biblische Didaktik, an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt


Das Zweite Vatikanische Konzil hat die Vielfalt der kirchlichen Charismen und Dienste wieder entdeckt. Daraus entwickelte sich eine Reihe von Berufen, deren Selbstverständnis von der in Taufe und Firmung gründenden Sendung geprägt ist. Christen, die sich in diesen Berufen engagieren, übernehmen mit bischöflicher Beauftragung auch Aufgaben des kirchlichen Amtes.

Dass man diese "Laientheologen" keineswegs mit theologischen Laien verwechseln darf, beweist der seit 1972 bestehende Fachhochschulstudiengang Religionspädagogik/ Kirchliche Bildungsarbeit an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Der Studiengang entstand (nicht nur in Eichstätt mit einer weiteren Abteilung in München, sondern auch in Freiburg, Mainz und Paderborn) als Antwort auf die veränderten gesellschaftlichen Bedingungen, um das Profil von kirchlichen Mitarbeitern in der Seelsorge und im Religionsunterricht zu schärfen.

(3/07, S.18-19)

Spiritualität

Eine Spiritualität des Bezeugens

von Maria Anna Leenen


Es war fast immer eine tolle Stunde! Egal, ob wir stumpf Grammatik pauken mussten oder Tom Sawyer und Huckleberry Finn lasen: Sie verankerte in unseren Herzen die Schönheit und den Reichtum der Sprache, weil sie selber davon begeistert und fasziniert war. Ihren Namen habe ich nach 40 Jahren vergessen. Aber der Deutschunterricht dieser Vollblutlehrerin prägte so tief, dass seine Auswirkungen bis heute spürbar sind.

1. Leben und Lehren
"Nicht für die Schule lernen wir, sondern für das Leben!" Ein Spruch, den viele in ihrer Schulzeit hören mussten und damals wohl kaum richtig einordnen konnten. Wissen weitergeben, Informationen sachgerecht vermitteln, den Blick weiten für Mensch, Welt, und Gesellschaft, Fähigkeiten entwickeln helfen, um die eigene Existenz im unübersichtlichen Kosmos des Menschseins verstehen zu können und sie sinnvoll einzugliedern: Schule hat einen weit gespannten Bildungsauftrag und ist unverzichtbar. Doch nicht nur die reine Wissensvermittlung gehört zu den Zielen der verschiedenen Lehrpläne, sondern auch Begegnung und Auseinandersetzung mit dem Anderen, soziale Kontakte und die Offenheit für das Leben des Mitmenschen; eben der ganze große Bereich des Lebens in Gruppen mit verschieden geprägten Mitgliedern.

(3/07, S.20-21)

Spiritualität

Glaube braucht Vorbilder

von Michael Teipel, Leiter der Diözesanstelle Berufe der Kirche in der Erzdiözese Freiburg


Mittlerweile sind es vierzig verschiedene Porträts engagierter Christen, die von der Diözesanstelle Berufe der Kirche in Freiburg herausgegeben werden. Idee war, für das Jahr der Berufung in Freiburg Vorbilder mit Glauben vorzustellen, die anregen über den eigenen Weg nachzudenken.

Das Konzept war schnell klar: Das Porträt soll vor allem Jugendliche dazu anregen, sich mit der Person zu beschäftigen und über den eigenen Glauben nachzudenken, dafür reichen zwei bis drei Aspekte aus dem Leben aus. Die Doppelkarten enthalten bewusst keinen Lebenslauf, da Jugendliche diesen mit wenigen Mausklicken im Internet selbst finden, nur Geburts- und Todesdatum sind (soweit bekannt) auf der Titelseite vermerkt, gegebenenfalls auch der Gedenktag. Auf der Rückseite befinden sich ein passendes Gebet, das meist auch gemeinsam gebetet werden kann, oder ein Zitat.

(3/07, S.22)

Spiritualität


Jahresgebet 2007

von Dr. Michael Bredeck, Paderborn

V: Lebendiger Gott, aus Liebe hast du den Menschen als dein Ebenbild erschaffen. Du trägst ihn mit unsagbarer Zuwendung, von Anfang an.

Wir bitten dich für alle Menschen:

A: Lass sie erkennen, dass der Sinn des Lebens darin liegt, deine Liebe in ihnen wirken zu lassen, sie im Alltag zu bezeugen und ein Leben zu führen im Vertrauen auf deine Gegenwart.

(3/07, S.23)

Kommentar

Religionsunterricht
Zukunft und Perspektiven
Petra Hippelein, 1. Vorsitzende VKRG

In einer Zeit des immer breiter werdenden Spektrums von Werten und religiösen Überzeugungen nimmt der Religionsunterricht an allgemeinbildenden Schulen einen immer wichtigeren Stellenwert als Orientierungshilfe ein. Leider steht der Religionsunterricht schon lange nicht mehr unangefochten neben den anderen Fächern. Immer öfter werden Stimmen laut, den Religionsunterricht zugunsten eines Hauptfaches (Mathe, Deutsch etc.) zu streichen.

Kein Wunder also, dass so manche Religionslehrer / -lehrerinnen beginnen, sich Sorgen um die Zukunft ihres Berufes zu machen. Die kirchlichen Lehrkräfte werden immer mehr aus den Schulen gedrängt, haben oft viele verschiedene Schulen anzufahren, wo viel Zeit "auf der Strecke bleibt" und vor allem der Kontakt zu dem jeweiligen Lehrerkollegium leidet. Da wird schnell klar, dass der Religionslehrer / die Religionslehrerin nicht so für das eigene Fach einstehen kann, wenn es doch durch Schulortwechsel kaum möglich ist, sich im Lehrerzimmer zu treffen, bzw. an allen Konferenzen teilzunehmen.


(3/07, S.24)