Klaus von Weschpfennig

Diakon aus Leidenschaft

Am 17. Dezember 1997 verstarb im Alter von 49 Jahren Diakon Klaus von Weschpfennig, Sprecher der Ständigen Diakone des Bistums Hildesheim und Seelsorger für das Grenzdurchgangslager Friedland. Was macht den Diakonat von Klaus von Weschpfennig so bleibend wertvoll, daß er an dieser Stelle posthum gewürdigt wird? Es ist die Art und Weise, wie dieser Diakon, Ehemann und Vater von zwei bereits erwachsenen Söhnen seinen Diakonat konkret gelebt hat. Diakon Dr. Rolf Busemann, Freund und Mitbruder des Verstorbenen, schreibt.

Nach zwölfjähriger Dienstzeit bei der Bundeswehr studierte Klaus von Weschpfennig Religionspädagogik, absolvierte gleichzeitig die Ausbildung zum Diakon und wurde 1992 geweiht.

Glaubwürdig in der Aktion ...
Bald wurde er als erster Diakon in der Heimstatt Röderhof Seelsorger der 200 behinderten Menschen. Der seelsorgliche Umgang vor allem mit den behinderten Kindern und mit den über 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bereitete ihm tiefe berufliche Zufriedenheit. ãGespräche mit den Behinderten sind oft nur mit dem Herzen möglichÒ, berichtete er in der Diakonatsausbildung, und das nahm man ihm fraglos ab. Seine Ehefrau arbeitete ebenfalls stundenweise in der Heimstatt mit. Sie teilte das gemeinsame Erleben der Freude und des Leidens der behinderten Menschen und wurde ihrem Mann gerade in den schweren und belastenden Stunden seines Dienstes zur Diakonin.
Am 1.5.1994 berief ihn der Bischof als Seelsorger für das Grenzdurchgangslager Friedland. So manche offene und heimliche Kritik daran, daß nun ein Diakon und nicht mehr traditionell ein Priester Seelsorger im Lager Friedland war, mußte Klaus von Weschpfennig verkraften. Doch das irritierte ihn nicht. Er ließ wie schon bei den behinderten Menschen im Röderhof keinen Zweifel daran, daß er sich als Diakon voll und ganz - mit Leidenschaft eben - mit dem Diakonenweg der Kirche identifizierte und löste seinen Diakonat im engagierten Einsatz für die Aussiedler ein.

Die schätzten ihn als einen herzlichen Menschen, der immer ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Nöte hatte. Seine offene, humorvolle Art, seine Fähigkeit, einfühlsam und spontan, lebensfroh und zupackend zugleich an Probleme heranzugehen, überzeugte schon nach kurzem auch seine Kritiker. Ein Diakon als Seelsorger eines Lagers, das aus der Geschichte Nachkriegsdeutschlands nicht wegzudenken ist und bis heute abertausenden von leidgeprüften Menschen zur vorübergehenden Heimat wurde - das war nicht etwa eine Degradierung des Seelsorgeauftrags der Kirche, sondern dessen diakonische Aufwertung.

... und in der Passion
Als Anfang 1997 die ersten Untersuchungen und bösen Vorahnungen zur Gewißheit wurden, daß Klaus von Weschpfennig Krebs hatte, bewunderten die vielen Mitbrüder und Freunde, die ihn besuchten oder mit ihm telefonierten, immer wieder seine Ruhe und Gelassenheit. Es folgten Monate des Bangens und des Hoffens. Behutsam bereitete er seine Familie auf seinen Abschied vor. Zu seiner Frau sagte er: ãIch weiß, daß ich bald weit springen muß. Was mich sehr bedrückt: Wie geht es mit dir weiter? Wer sorgt für dich?Ò Und dann auch immer wieder dieses vertrauensvolle: ãMeine Mitbrüder kümmern sich um dich. Laß die machen. Die sorgen für alles.Ò Langsam, aber zusehends verlor er seine Lebenskraft. In aufopfernder Liebe pflegte ihn seine Frau Tag und Nacht. Sie teilte seine Angst, seine Hoffnung, den langsamen Verfall und letztlich seine Bereitschaft, den Weg, den Gott für ihn und für sie vorgesehen hatte, zu gehen.

Das große und alles überragende Kreuz, das Klaus von Weschpfennig neben seinen Namen und den Namen aller Trauernden in der eigenhändig verfaßten Todesanzeige zeichnete, deutet ebenso seine Hoffnung und sein Vertrauen auf Gott wie das Wort von Theresia von Lisieux, das er handschriftlich hinzufügte: ãIch sterbe nicht, ich trete ins Leben einÒ.