Prüfsteine der Berufung zum Diakon

Die nachfolgenden Überlegungen hat ein Weihekandidat verfaßt, nachdem er nach freiwilliger Zurückstellung und anschließender längerer Phase der Prüfung sich endgültig entschlossen hat, sich nicht zum Ständigen Diakon weihen zu lassen. Mit großem Respekt vor seiner Entscheidung soll dieser Text anderen eine Hilfe bei ihrer Entscheidungsfindung sein.

ãBerufungÒ zum Geistlichen wird manchmal zu sehr unter dem Aspekt des persönlichen Aufrufs Gottes an einen Menschen zum speziellen Zeugnis oder Tun gesehen. Hören eines solchen Auftrags ist ganz gewiß Bestandteil von Berufung, aber nicht allein. Um keiner Täuschung zu unterliegen, ist im Anruf die Aufforderung inclusive mitgegeben, die eigene Verfassung nüchtern abzuklopfen: Wer sich angerufen glaubt, muß eine Reihe handfester Positionen prüfen und einen sicheren, positiven Befund feststellen können; dies gilt auch für die annehmende Kirche, soweit ihr das möglich ist.

In diesem Sinn zum Diakon berufen ist, wer
1. im Rahmen einer positiven Einstellung zur Kirche und ihrer Dienste-Struktur
2. den Diakonat als sinnvolle Aufgabe
betrachtet,
3. die Fähigkeit hat, auf Menschen zu- und mit ihnen umzugehen,
4. über ausreichende körperliche und
seelische Gesundheit sowie die nötige Belastbarkeit verfügt,
5. auf eine intakte Partnerschaft und gute Familienverhältnisse aufbauen kann,
6. ausreichende geistige Fähigkeiten und Einsatzwillen besitzt sowie
7. ein adäquates Gebetsleben kultiviert.
Es geht nicht darum, in dieser Liste Neues zu bieten oder vollständig sein zu wollen, sondern darum, keine dieser Positionen bei der Prüfung der eigenen Berufung zu übergehen. Einerseits muß niemand dabei 150% erreichen, doch wird andererseits ein gravierendes Defizit die Berufung insgesamt in Frage stellen: Ohne Gottes Gnade geht sicher nichts, doch setzt auch beim Dienst des Diakons die Gnade eine intakte ãNaturÒ voraus.

Erläuterungen
der einzelnen Punkte
zu 1: Dienst leisten in und mittels einer Organisation kann nur, wer sie ãgut findetÒ, gern zu ihr gehört und ihre Struktur bejaht. Sonst sind die Reibungsverluste zu hoch. Ewiger Clinch mit der Institution ist so kontraproduktiv wie mangelnde Courage feige, u.U. gegen das Evangelium, ist.

zu 2: Der Diakonat darf weder Fluchtpunkt (aus ungeliebten Arbeitsverhältnissen, unbefriedigenden persönlichen Umständen u.ä.) sein noch Ersatzfunktion (z.B. als Priester-Ersatz) haben. Der Diakonat selbst muß reizen, insbesondere sein Schwerpunkt im realen Dienst an Menschen in besonderen Schwierigkeiten. Nicht Weihe und geistliches Profil stehen im Vordergrund, sondern die Arbeit für die Menschen, für die jemand geweiht wird.

zu 3: Wer nicht ãaus sich herausgehenÒ, nicht auf Menschen zu- und mit ihnen umgehen kann, wird kein guter Diakon. Die Fähigkeit zur Teamarbeit und zum Kontakt mit Menschen auch unter erschwerten Bedingungen sind notwendig aus den Bedürfnissen der besonderen Klientel des diakonalen Schwerpunktbereichs und auch aus den Bedürfnissen der Seelsorge gefordert.
zu 4: Zum Diakon taugt nicht, wer seelisch nicht im Gleichgewicht ist. Wer z.B. dauernd von Frustrationen, Zweifeln, Ängsten, Minderwertigkeitsgefühlen belastet ist, gleicht auch als Diakon einem Kommandeur, der mehr Kräfte in der Etappe verwenden muß, als er an der Front zur Verfügung hat.

zu 5: Als Verheirateter muß ein Diakon nicht nur darauf aufbauen können, daß seine Partnerin den Dienst innerlich mitträgt, er muß auch eine emotional befriedigende Ehe führen und seinen aus der Familie resultierenden - bleibenden und nicht dem Dienst zu opfernden - Arbeiten und Pflichten gewachsen sein. Eine intakte Beziehung ist nicht hauptsächlich um des Zeugnisses, sondern vor allem um der Kraft willen wichtig.

zu 6: Wer Diakon werden und sein will, braucht nicht die intellektuellen Eigenschaften eines Professors. Er muß aber nicht nur den Ausbildungserfordernissen gewachsen sein, sondern auch über kritische Wahrnehmungsfähigkeit sowie über analytische und konzeptionelle Möglichkeiten verfügen, er muß Anliegen in- und außerhalb der Kirche vertreten können. Die Fähigkeit, sich zu öffnen, bisherige Wege zu überprüfen und neue zu probieren, muß hinzukommen. Dumme und verbohrte Diakone sind so ärgerlich wie faule.

zu 7: Privates Gebet ist eine höchst persönliche Angelegenheit zwischen Gott und Mensch und läßt sich insoweit nicht regulieren. Für den privat betenden Diakon sind aber regelmäßiges und differenzierendes Beten unverzichtbar. Da er in Gottesdienst und Stundengebet das öffentliche Gebet der Kirche mitträgt, wird er sich
dieses zu eigen machen und Sicherheit darin erwerben müssen.