| Mit dem verheirateten Diakon hat auch "Berufung" eine neue Dimension erhalten. Es genügt nicht, daß der angehende Diakon sich berufen fühlt, auch seine Frau muß gewissermaßen eine Berufung spüren, ihren Mann auch in den neuen Aufgaben und Herausforderungen zu begleiten. Susanne Wagenhäuser (29), Würzburg, erzählt von ihren Erfahrungen.
Für und Wider
Vor etwas mehr als vier Jahren fragte mich mein Mann, was ich denn davon hielte, wenn er die nebenberufliche Ausbildung zum Ständigen Diakon aufnehmen würde? Es war für mich eigentlich kein Thema, es zu akzeptieren, wenn er diesen Weg wirklich gehen wollte. Sicherlich machte ich mir auch Sorgen, ob die Doppelbelastung "Beruf/Ausbildung" für meinen Mann und die Familie auf Dauer auszuhalten sein würde. Auf der anderen Seite dachte ich, kann es bestimmt auch für unsere Kinder gut sein, mitzuerleben, wie ihr Vater für die Menschen, für die Pfarrgemeinde, ja für Gott da ist. Nach einem langen, intensiven Gespräch zwischen uns beiden bewarb sich mein Mann um die Ausbildung zum Ständigen Diakon. Als er dann schließlich in den Kreis der "Auszubildenden" aufgenommen wurde, freute ich mich mit ihm.
Die Zeit der Ausbildung
Während der dreijährigen Ausbildung erlebte ich dann positive und negative Aspekte. Positiv war beispielsweise, daß man sich seitens der Diözese bemühte, die Familie nicht außen vor zu lassen. Es wurden Familienwochenenden veranstaltet, für uns Ehefrauen wurden Gespräche und Arbeitsgruppen angeboten. Auch war die Atmosphäre im regionalen Diakonatskreis sehr gut, unter den Kinder ergaben sich "kleine" Freundschaften. Leider lassen die Treffen in letzter Zeit etwas nach.
Ein negativer Punkt war, daß mein Mann doch merklich weniger Zeit (und Nerven) für die Familie hatte. Theologie im Fernkurs, pastorale Ausbildung an Wochenenden bzw. auch unter der Woche und Praktikum in der Gemeinde nahmen ihn doch sehr in Beschlag. Er fehlte so an recht vielen Abenden und Wochenenden; war er dann doch einmal zu Hause, vergrub er sich in seinen Lehrbüchern. |
Mit dem Ausbildungsstoff kam ich weniger in Berührung, nur insoweit, als mein Mann mich bei dem einen oder anderen Predigtentwurf nach meiner Meinung fragte. Auch sprach er manchmal mit mir über Probleme und Sorgen, die er im Rahmen seines Praktikums in der Gemeinde erlebte. Dabei versuchte ich ihm zuzuhören und vielleicht einen Ratschlag zu geben.
Die Tatsache, daß ich der Zulassung meines Mannes zur Diakonenweihe schriftlich zustimmen muß, finde ich nicht so wichtig. Es sollte schon vor und während der Ausbildung klar sein bzw. werden, daß dies einen Einschnitt bedeutet. Wir haben uns in dieser Zeit durchaus überlegt, ob der Weg zur Weihe weiterverfolgt werden soll oder nicht.
Der Alltag
Inzwischen ist mein Mann ein knappes Jahr Diakon. Die Kinder kommen ganz gut mit dem neuen, zusätzlichen Beruf des Vaters zurecht. Zwar höre ich manchmal von unserer siebenjährigen Tochter: "nicht schon wieder Kirche!", aber es werden auch andere Töne laut: "Wann darf ich endlich in die Jugendgruppe?" oder: "Wann darf ich endlich ministrieren?". Ich bemühe mich, meinen Mann bei seiner Tätigkeit zu unterstützen und "rüttle" ihn manchmal schon auf, wenn er Dinge, die mir wichtig erscheinen, nicht sieht. Ich versuche ihm auch eine gute "Zuhörerin" zu sein, wenn er manchmal aus seiner Arbeit heraus etwas "auf dem Herzen" hat. Zum leidigen Thema "Zeit" sei folgendes festgehalten: Wenn ich merke, daß ich schon seit Tagen "alleinerziehend" bin, während mein Mann in Sachen "Diakonat" unterwegs ist, trete ich ohne Zögern auf die "Bremse"!
Zuletzt möchte ich bemerken, daß ich den Ständigen Diakonat als Verbindung von geistlichem Amt und Ehe und Familie als große Chance sehe. Die Chance besteht darin, daß der Diakon als Ehemann, Familienvater und aus seinem "Zivilberuf" heraus, einen Weg einschlagen kann, der vielleicht aus den starren Strukturen unserer Kirche herausführt. |