Susanne Raab, Leiterin des kath. Kindergatens in Wildflecken, Röhn

Mit Haut und Haaren für Kindergarten und Gemeinde


Vom Abbruch der Glaubensweitergabe ist heute oft die Rede, vor allem weil die Familie vielfach ausfällt. Umso mehr sind Institutionen wie kirchliche Kindergärten gefordert. Aber ohne Eltern geht es nicht. Und eine Institution kann das auch nicht, es kommt auf Menschen an. Der WEGBEREITER besuchte den katholischen Kindergarten in Wildflecken in der Rhön, Diözese Würzburg. Die Leiterin, Susanne Raab (31), hat Freude an ihrem Beruf und am Glauben, sie nimmt die Chancen wahr, die Kindergarten und Gemeinde für die Weitergabe des Glaubens bieten. Mitten im Sommer ist Natur angesagt. Und so steht heute im Vormittagskreis der Kinder „Schöpfung“ auf dem Programm. Ein Kreuzzeichen markiert den Anfang und kennzeichnet den Inhalt der kommenden Stunde. Alles geschieht greifbar, sichtbar, hörbar. Und immer wieder singen die Kinder, worauf es ankommt: „Du gibst uns die Erde, alles kommt von dir, du lieber Gott, wir danken dir dafür.“
Aber es geschieht nicht nur religiöse Erziehung im Kindergarten von Wildflecken, es herrscht auch sonst eine gute und anregende Atmosphäre. „Das wissen die Eltern und das ist auch wichtig, sonst wäre das Religiöse nicht glaubwürdig“, das ist Frau Raab ganz klar. Seit sieben Jahren leitet sie nun den Kindergarten und schon immer legte sie großen Wert auf die religiöse Erziehung. Anfangs wurde das von den Erzieherinnen ein bisschen belächelt. „Inzwischen tragen sie das aber voll mit, sodass wir in unserem Team eine Einheit sind“, kann die Leiterin heute feststellen.
Aber Susanne Raab sieht nicht nur ihren Kindergarten, sie weiss, dass das, was sie hier vermitteln will, darauf angewiesen ist, dass es von den Eltern mitgetragen wird, wenn es von Dauer sein soll. Deshalb ist ihr die Elternarbeit wichtig und zwar auch im Hinblick auf die religiöse Erziehung. Sie weiss, dass dafür nicht alle Eltern zu gewinnen sind, aber etwa ein Drittel sind nach ihrer Erfahrung doch auf Mitarbeit anzusprechen. So gründete sie schon vor sieben Jahren eine Kindergottesdienstgruppe, die jetzt zu einer Jugendgottesdienstgruppe geworden ist, neue Eltern sind zur Gruppe für die Kindergottesdienste hinzugestoßen.
Später entstand eine Elterngruppe „Jubilate“, die Freude am Singen hat und Gottesdienste mitgestaltet. „Über diese Gruppen erhalten die Eltern Anregung für die religiöse Begleitung ihrer Kinder, manche Eltern haben über diese Gruppen wieder neu zur Kirche gefunden“, so schildert Frau Raab die Bedeutung dieser Gruppen.
Diese Elternarbeit geht über die Regelarbeitszeit im Kindergarten hinaus, sie lebt vom freien Engagement von Susanne Raab. Viel Kraft schöpft sie aus der Freude an ihrer Arbeit. „Ich mach’ den Beruf gern, ich geh’ darin richtig auf, ich kann aus mir raus gehen, ich kann umsetzen, was mir wichtig ist, ich bin gern mit Kindern zusammen“, so formuliert sie ihre Begeisterung.
Wichtig ist ihr die Arbeit im Kindergarten und in der Gemeinde zugleich, beides kommt in ihrer Person zusammen. Wenn sie mit Kindern und Eltern den Gottesdienst gestalte, dann sage der Pfarrer schon mal: „Das ist die Gemeinde der Susanne“, so erzählt sie mit Freude vom Wohlwollen des Pfarrers. Aber dass der Pfarrer und die Leute ihr persönliches Engagement in der Gemeinde schätzen, damit gab sie sich nicht zufrieden. Sie sieht in ihrem Dienst mehr als ein privates Anliegen: „Es ist mir wichtig geworden, dass die Kirche auch offiziell meinen Dienst annimmt und dass das auch für die Menschen sichtbar wird. Durch die Aussendungsfeier im Anschluss an den Kurs für WortgottesdienstleiterInnen, den ich vor kurzem gemacht habe, ist das geschehen.“.

Frau Raab ist nicht verheiratet.
„Ich schätze auch die Freiheit. Wenn ich Familie hätte, müsste ich manches einschränken, aber das will ich im Moment nicht. Das Engagement in der Gemeinde und im Kindergarten gibt mir so viel, dass mir jetzt nichts anderes fehlt.“ Aber diese Lebensform sei für sie kein Grundsatz, sie sei auch offen, wenn es einmal anders kommen sollte.