Neues Berufsprofil:

Wie statt Was


Der Dachverband der Gemeindereferenten/innen und Religionslehrer/innen in Deutschland erarbeitet unter Beteiligung der Mitgliedsverbände ein eigenständiges Profil für den Beruf des/der Gemeindereferenten/in. Jutta Hanmann, Dortmund, Vorsitzende des Dachverbandes, berichtet.

Neuansatz in einem dialogischen Prozess
Seit es die Berufsbezeichnung Gemeindereferent/Gemeindereferentin (GR) gibt, wird immer wieder neu gefragt: Was tut ein GR? Was ist eine GR? Die Antworten reichen von „die rechte Hand des Pfarrers“ bis hin zur Aufzählung der verschiedenen Arbeitsbereiche. Doch kann das Berufsbild GR weder auf bestimmte Aufgabenbereiche (z.B. Jugendarbeit) festgeschrieben werden, noch ist eine Berufsbeschreibung in Abgrenzung von anderen pastoralen Berufen förderlich, die eigene Position positiv zu formulieren. Eine qualifizierte Formulierung des Berufsprofils zu finden, hat sich der Bundesverband zur Aufgabe gemacht.
Dazu wurde 1997 ein Prozess angestoßen, in den möglichst viele Berufskollegen/innen mit eingebunden sein sollten und immer noch sind. Zu jedem Schritt in diesem Prozess gehört grundsätzlich: Information an die Mitglieder, Gelegenheit zu Rückmeldung und Kritik, außerdem der Blick über den beruflichen Tellerrand, indem wissenschaftliche Erkenntnisse in die Auseinandersetzung mit einbezogen werden. Auf den Frühjahrs- und Herbst-Vollversammlungen werden die Ergebnisse diskutiert, werden Beschlüsse gefasst und wird der nächste Schritt geplant.

Einstieg über Werteprofil
Ausgehend vom Nutzen oder Wert unserer Berufsgruppe für Kirche und Gesellschaft mit Blick auf die Menschen als „Kunden“ unserer Dienstleistung sollte das Werteprofil unseres Berufes Ausgangspunkt zur Entwicklung unseres Berufsprofils werden. Weitere Schritte sollten die Entwicklung von Handlungskonzepten und Aufgabenbeschreibungen sein, sowie die anschließende Dokumentation des Projektes, das heisst die Überprüfung, ob die formulierten Werte auch wirklich von den Menschen erfahren werden. Nach der Verabschiedung des „Werteprofils des/der GR“ auf der Frühjahrs-Vollversammlung ‘98 kam es zu einer ersten Änderung des geplanten Weges. Es wurde deutlich, dass das Berufsbild eine theologische Basis braucht. Michael Scherer-Rath, Pastoraltheologe an der katholischen Universität Nijmwegen, erstellte nach unseren Vorgaben die theologische Vergewisserung. Er stellte die Botschaft Jesu vom nahenden Reich Gottes in die Mitte, in der das Heil für die Menschen um Gottes Willen auf eine ganz neue Weise zugesagt wird.

Wie statt Was
Schließlich kam es zu einer weiteren wichtigen Kursänderung:
Anstatt mit der Formulierung konkreter Arbeitsfeldbeschreibungen fortzufahren, sollte die Qualität, also das „wie“ der Arbeit eines GR formuliert werden. So war die neue Fragestellung: Was sind konkrete, in einzelnen Handlungsfeldern gültige Standards für GR? In diesem Wie liegt eine entscheidende Wende in der jahrelangen Diskussion um das Berufsbild von GemeindereferentInnen und ReligionslehrerInnen: In der Regel wurden bisher nur Handlungsfelder beschrieben, die sich aber zwischen den einzelnen Bistümern oft wesentlich unterscheiden. Auch deswegen war es bis heute kaum möglich, ein einheitliches Berufsprofil zu erstellen.
Ein Beispiel kann den neuen Ansatz verdeutlichen. Ausgehend von der „Reich-Gottes-Perspektive“ geht es darum, dem Heil der Menschen zu dienen. Dienst ist aber keine Einbahnstraße, Dienst ist vielmehr zu definieren als eine kommunikative Handlung. Der „Dienstleister“ kann sein Ziel, das Wohlergehen des Menschen in der Perspektive des Evangeliums, also nur erreichen, wenn er über ein möglichst weites Handlungsrepertoire im Bereich der Kommunikationstechniken verfügt und dieses situationsgerecht anwenden kann.

Bei der Herbstvollversammlung ‘99 soll eine Gesamtvorlage „Standards“ vorgestellt werden.

Weitere Informationen zum Bundesverband, insbesondere zum Berufsprofil, können bei mir angefordert werden:

Jutta Hanmann
Vereinsstr. 13
44225 Dortmund