Pfr. Dr. Eberhard Martin Pausch, Frankfurt/M.:

Neue Prioritäten setzen

Kirchliche Kindergärten haben einen religiösen Bildungsauftrag
Da und dort wird nach der Berechtigung der kirchlichen Kindergärten gefragt, auch auf dem Hintergrund der neuen Sparzwänge in den Kirchen. Der evangelische Pfarrer Dr. Eberhard Martin Pausch (38) von der Kreuzgemeinde in Frankfurt/M. hat durch einige Aufsätze die Diskussion angeregt. Pfr. Pausch ist verheiratet, Vater von zwei Kindern und lebt und arbeitet in einem sozialen Brennpunkt in Frankfurt.

WEGBEREITER: Sie haben in der renommierten Zeitschrift „Evangelische Kommentare“ die Frage nach der Christlichkeit der kirchlichen Kindergärten gestellt. Sehen Sie da ein Defizit?
Pfr. Dr. Eberhard Martin Pausch: Als die evangelischen Kindergärten im 19. Jh. im Zeichen des diakonischen Aufbruchs gegründet wurden, hatten sie von Anfang an zwei Schwerpunkte. Sie hatten einen sozialen Zweck, aber auch einen Erziehungs- und Bildungsauftrag. Ich denke, es kommt gegenwärtig darauf an, den zweiten Aspekt, also den Erziehungs- und Bildungsauftrag, wieder mehr in den Vordergrund zu rücken.

WB: Geht es Ihnen da vor allem um den religiösen Bildungsauftrag?
Dr. Pausch: Ja. Es kommt mir also nicht darauf an, dass in meinem Kindergarten die Vorschulkinder schon besonders gut rechnen oder schreiben können, sondern es geht mir darum, dass sie beispielsweise biblische Geschichten kennenlernen oder dass Gottesdienste gefeiert werden, die auch der Gemeinde zugute kommen. Das ist für mich ein Kriterium für einen christlich geführten Kindergarten.

WB: Oft sind Kinder aber nicht getauft oder gehören einer anderen Religion an.
Dr. Pausch: Ein Kindergarten, wie ich ihn mir vorstelle, ist durch Toleranz gekennzeichnet, d.h. Kinder werden nicht indoktriniert, sie werden auch nicht gezwungen zu beten oder dergleichen, aber man sollte ihnen dieses Angebot machen. Dieses Angebot sollte man auch von Anfang an klarstellen, wenn etwa die Konzeption der Kindergartens den Eltern vorgestellt wird. Da soll das christliche Profil nicht verschwiegen werden.

WB: Nicht-christliche Eltern sollten also das christliche Profil akzeptieren.
Dr. Pausch: Das darf man deshalb erwarten, weil wir in unserer Kindergartenarbeit auch die Bräuche und Feste anderer Religionen darstellen. Das ist wichtig, weil wir den Kindern so die Vielfalt der Religionen vor Augen führen und das Miteinander einüben können.

WB: Was erwarten Sie von den Erzieherinnen im Hinblick auf kirchlichen Glauben?
Dr. Pausch: Bei uns gibt es das Einstellungskriterium: Mitgliedschaft in einer christlichen Kirche. Die Erzieherinnen brauchen keine kirchlichen Insider zu sein, aber sie müssen sich mit der christlichen Lehre, mit der Kirche identifizieren können. Was wir auf jeden Fall erwarten, ist eine Bereitschaft zur Fortbildung und die nötige Offenheit für eine Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde vor Ort. So besuchen etwa wir Pfarrer regelmäßig die Gruppen in unserem Kindergarten und erzählen dort je nach Anlass und kirchlicher Jahreszeit biblische Geschichten. Das können auch andere Mitglieder der Kerngemeinde tun. So unterstützen wir die Arbeit der Erzieherinnen und formen aus Kindergarten und Gemeinde eine Einheit.

WB: Wie sehen Sie die ökumenische Zusammenarbeit?
Dr. Pausch: Da geschieht vor Ort schon sehr viel. An zwei Punkten könnte ich mir noch ein stärkeres Zusammenwirken vorstellen. In beiden großen christlichen Konfessionen müsste der Vorrang des Gottesdienstes vor anderen gemeindlichen Aufgaben neu erkannt und die Möglichkeiten der Kindertagesstättenarbeit gerade im Hinblick auf die feierliche, gemeinsame, auch ökumenische Gestaltung von Gottesdiensten gesehen werden. Auch bei Verhandlungen mit kommunalen und staatlichen Behörden, wenn es zum Beispiel um Finanzen geht, können wir gemeinsam mehr erreichen.