„Grüß Gott – iyi günler – buon giorno“

Interkulturelle Erziehung im katholischen Kindergarten


In der Diözese Eichstätt bildete sich ein „Arbeitskreis für interkulturelle Erziehung“. Die Leiterin, Andrea Peyerl, berichtet über die wichtigsten Probleme, die es zu bewältigen gilt.

Die Kulturvielfalt
Für mehr Fremdheitskompetenz haben wir vorab unser Wissen über andere Kulturen und Religionen erweitert. Dazu luden wir z.B. eine Referentin des islamisch-alevitischen Kulturkreises ein, die uns die religiösen Gruppierungen innerhalb der islamischen Kultur erläuterte. Ebenso eröffnete uns das Wissen über den kulturprägenden Generationenverlauf der ehemaligen Gastarbeiterfamilien, die nun zum Teil in vierter Generation in Deutschland leben, die komplexen Zusammenhänge von Migration und Integration türkischer Familien in Deutschland. Mit mehr Einblick in die Tradition und über das Rollenverhalten von Mann und Frau wuchs das Verständnis gegenüber den verschiedenen Erwartungen und Haltungen der Eltern.

Die Erwartungsvielfalt
Für mehr Sozialkompetenz klärten wir, was sich ausländische Familien von unserem katholischen Kindergarten erwarten. Eltern ausländischer Kinder erwarten natürlich auch, dass sich ihre Kinder in der Kindergartengruppe wohlfühlen, dass sie Freunde finden und gut zurechtkommen. Aber gleichermaßen bedeutend ist für sie das Lernen der deutschen Sprache. Gerade türkische Familien verbinden mit dem Spracherwerb soziale Anerkennung und bessere Bildungschancen für ihre Kinder. Für sie ist der Übergang ihrer Kinder in eine deutsche Schulklasse von zentraler Bedeutung. Dementsprechend setzen sie die Erzieherinnen häufig unter Druck, dieses Schuleintrittsziel zu erreichen. Nun erstellten wir einen Kriterienkatalog zur Schulfähigkeit im sprachlichen Bereich, um zum einen selbst die umfassende sprachliche Kompetenz zum Schuleintritt zu überblicken, und zum anderen konkrete Unterstützungsmaßnahmen bei Schwächen z.B. in der Artikelverwendung anbieten zu können.

Die Praxisvielfalt
Für mehr Fachkompetenz überprüften und erweiterten wir unser pädagogisches Angebot. Es ist für uns selbstverständlich, gerade für Kinder verschiedener Kulturen, auf die Bereiche Gemeinschaft und Kommunikation besonderen Wert zu legen. Gemeinschaft, um ihnen Anerkennung und in gewisser Weise Heimat zu geben; Kommunikation, um ihnen mittels der Sprache ein zentrales Integrationsmittel zukommen zu lassen. Im gemeinsamen Austausch, mit Einbezug vorhandener Literatur und Medien entstand hier ein buntes Bild für internationale Spiel- und Sprachanlässe, die in den Gruppen unmittelbar umgesetzt werden konnten.Der von uns dazu entwickelte Fragebogen zur Situation des ausländischen Kindes zum Kindergarteneintritt wird von nun an als Standard bei Einstellungsgesprächen bzw. in den ersten Kindergartenmonaten als Beobachtungsbogen dienen.

Die Religionsvielfalt
Für mehr Bewusstheit in unserem Glauben „gruben wir selbst nach unseren Wurzeln“. Basis für die religiöse Erziehung im Kindergarten ist das christliche Selbstverständnis.
Das heisst im Konkreten:
Alle Kinder sind bei uns herzlich willkommen. Es geht uns um die gelebte Solidarität mit den Kindern und ihren Familien in den konkreten Lebensverhältnissen, in denen sie Hilfe und Unterstützung brauchen. Jedes Kind wird in seiner Person und Herkunft geachtet und unterstützt. Der katholische Kindergarten ermöglicht Subjektwerdung, in dem sich alle als gerngesehene Gäste fühlen und individuell heranwachsen können.
Wir sind offen für andere Religionen und erwarten diese Offenheit auch uns gegenüber. Unterschiedliche Kulturen und Religionen finden in unserem katholischen Kindergarten eine Atmosphäre der Offenheit und Toleranz. Kinder sollen erleben, was in ihren verschiedenen Religionen verbindend sein kann.
Sie sollen wie wir Erwachsene durch mehr Offenheit und mehr Wissen mehr Verständnis und Verantwortung füreinander erlangen – dann haben wir unseren Auftrag erfüllt.