Musikensemble „Entzücklika“

Da ist Spannung drin

Mit neuer geistlicher Musik Menschen in der Kirche zur Bewegung einladen.
Mit dem Musikhörspiel „Johannes XXIII.“ hatten sie bisher den größten Erfolg. Aber ihnen geht es nicht nur um verkaufte CDs, sie machen sich auch mit Gemeinden und Gruppen auf die Suche nach neuen musikalischen und sprachlichen Gestaltungsmöglichkeiten von Gottesdiensten. Alexander Bayer, der Texter und Komponist der Gruppe, stellt ihren Weg und ihre Anliegen vor.

Wer hätte das gedacht!
Das erste Lied auf der ersten CD hat die Überschrift: „Ein rechtes Urteil ist schwer und darum kommt’s meist hinterher.“ Nach dem Urteil der Zeitgenossen, die 1992 das Entstehen von Entzücklika beobachteten, hätte Entzücklika nie eine Chance gehabt. Entsprechend gering war die Unterstützung auch von kirchlicher Seite. Statt Starthilfen gab es gut gemeinte Ratschläge. Unzählige Male bekamen die Mitglieder zu hören: „Davon kann man ja nicht leben!“. Mit dem Titel der ersten CD hielt Entzücklika dagegen, wenn es behauptete: „Auf Flügeln der Zuversicht!“.
In der Rückschau stellen die drei Theologen und Gründungsmitglieder Maria Sailer, Bernhard Lämmle und Alexander Bayer fest, dass die erste CD eine Auseinandersetzung um die Existenzberechtigung des Ensembles beinhaltet. Eine Berufungs-CD. Es geht um das prophetische Urteil und um den berühmten Gang auf dem Wasser. Und es geht um die Einstellung als Katholik zur sich verändernden Welt.
Die Entzücklikanten verdanken ihr Entstehen einem Gottesdienst zu Ehren des Papstes Johannes XXIII. in Tübingen und seine dialogsuchenden Gedanken haben sie geprägt. Bei allen Enttäuschungen, die sie gerade auch im kirchlichen Kontext erlebt haben, sind sie nicht der Versuchung erlegen, sich beleidigt in einen Schmollwinkel zurückzuziehen. Statt dessen werben sie nun dafür, die Angst vor den anstehenden innerkirchlichen Veränderungen abzulegen.

Armut praktisch – Reichtum konkret
Inzwischen ist die mit Simone Jakob zum Gesangsensemble gewordene Gruppe bei 150 Veranstaltungen im Jahr für viele Menschen eine Brücke zur Kirche geworden, weil sie sich konsequent um eine nachvollziehbare Sprache im gottesdienstlichen Raum bemühen und bei aller liturgischer Feierlichkeit und allem Ernst, den die Entzücklikanten ihren vom Schicksal gezeichneten Gemeindemitgliedern schulden, immer auch eine ausgesprochen heitere Seite bewahren. Natürlich haben die musizierenden Theologen ihren jetzigen „Erfolg“ mit einigen Pleiten und Pannen bezahlen müssen, doch am wichtigsten wurde ihnen die Erfahrung am eigenen Leib, dass die beste Investition im Leben das Vertrauen und der Zuspruch ist. Dennoch ist der Weg von Entzücklika nicht einfach nachzumachen. Wer ein gesichertes Auskommen mag, sollte es nicht probieren. So richtig davon leben können die Entzücklikanten auch heute noch nicht und ohne Freunde und Gönner gäb’s jetzt nichts zu berichten über Entzücklika. Der Geldmangel ist eher chronisch als franziskanisch, denn Armut ist für die Mitglieder nie ein Ideal, sondern immer hinderlich gewesen. Doch sie wissen um ganz andere Reichtümer, um die sie viele beneiden und die sie ab und zu in ihren Liedern verraten. Dazu gehört z.B. dass gerade auch die sogenannten Alten ihre jungen Lieder gern singen, dass Menschen aufgrund ihrer Lieder neue Perspektiven wagen, sie kennen kaum einen Unterschied zwischen Arbeit, Freizeit und Gottesdienst, und sie sind viel an der frischen Luft. Abseits vom hektischen Stadtleben hat das Ensemble in der Klosteranlage Obermarchtal, 50 km donauaufwärts von Ulm, seine Zelte aufgeschlagen.

Ostern aus dem Geschichtsbuch herausholen
Die eigenen Lieder des Ensembles entstehen nicht aus dem Impuls, „die jungen Leute in die Kirche zurückzubringen“. Die auf inzwischen 7 CDs dokumentierten Lieder sind viel mehr gedacht als spirituelle Wegbegleiter (altersunabhängig). Besonders bei den Abendgesängen, wo Entzücklika durch Schreibmeditationen oder Impulsgespräche vom Innenleben der Gottesdienstbesucher erfährt, liegen die kreativen Wurzeln der Lieder von Alexander Bayer. Wichtiges Anliegen ist es dabei, das Ostergeschehen aus dem Geschichtsbuch herauszuholen und mit Hilfe der neuen Lieder transparent zu machen, dass Ostern auch heute noch, z.B. in Oberschwaben möglich ist. Dafür fehlt aber in vielen sehr traditionell geprägten Gemeinden einfach noch die Sprache.
Und sehr wichtig ist, dass es nicht wie in vielen alten Liedern um dogmatische „Richtigkeiten“ geht, sondern um den therapeutischen Aspekt biblischer oder theologischer Aussagen. Kein Wunder, dass dann Entzücklika-Veranstaltungen nicht nur nach lösen, er-lösen, ent-spannen, öffnen, abschütteln, leichter werden, erwärmen klingen, sondern die Menschen zum Singen mit lösenden, erwärmenden, erleichternden oder entspannenden Bewegungen einladen. (Das ist natürlich besonders für Männer oder Liturgen nicht immer ganz so leicht.) Dennoch hat Entzücklika schon vielen kirchlichen Oberen beweisen können, dass ein Großteil der aktiven Kirchgänger wesentlich aufgeschlossener ist, als es gemeinhin angenommen wird.
Und weil die kirchlichen Oberen angesprochen wurden: Inzwischen ist es gar keine Frage mehr, dass Entzücklika nicht mehr nur eine Veranstaltung für oder in der Kirche ist, sondern ein Herzensanliegen der Kirche selbst.

Da ist Spannung drin

Wenn Neubeginn
nicht so weh tut wie kein Sinn,
wenn zunächst man nur Stein wegräumt,
wo man sich Halt erträumt,
wo ein Lied Kräfte weckt,
die vom Sprachstaub zugedeckt,
wo es fließt, wo es sprießt,
nicht „Plus-Minus“ alles ist:
Da ist Spannung drin!
Lösen, Reifen, Neubeginn,
da ist Spannung drin!

Scheint Zuversicht
wie durch Regentropfen Licht,
trifft wer Gott und verwandelt sich,
vergisst unweigerlich,
wie Gott ist, wenn er ist,
weil Gott Tür und Regen ist,
nicht „Kalt-Heiß“,
nicht Kastengeist,
Gott begegnen sprengt „Schwarz-Weiß“:
Da ist Spannung drin!
Lösen, Reifen, Neubeginn,
da ist Spannung drin!

Text + Musik: Alexander Bayer
in der neuen „Entzücklika“-CD
„Es ist noch so viel offen“

 

Kontaktadresse:
Bernhard Lämmle
Klosteranlage 9,
89611 Obermarchtal
Tel 07375-950051 Fax -950053
eMail:
Ensemble_Entzuecklika@t-online.de
Homepage:
www.musica-e-vita.de

Termine:
17.9.99: Ludwigshafen-Pfingstweide, Kath. Kirche St. Albert, 20.00 Uhr: Musikalisches und Humorvolles zum Kirchenjubiläum

• 3.10.99: Ulm-Waiblingen, ca. 14.00 Uhr: Offenes Singen beim Diözesantag

• 24.10.99: Besigheim, Heilig-Kreuz, 10.30 Uhr: Gottesdienst mit verschiedenen Musikgruppen der Gemeinde

• 20.11.99: Fellbach-Oeffingen, Christus-König, 17.30 Uhr: Gottesdienst beim Dekanatstag

CDs – Kostproben zum Kennenlernen:
„Auf Flügeln der Zuversicht“ (1993)
„Johannes XXIII. - ein Musikhörspiel“ (1996)
„Erdentöne – Himmelsklang“ (1997)
„Feier-Abend“ (1998)
„Himmel, Herz und Hirn“ (1998)
„Es ist noch so viel offen“ (1999)
Dazu die Entzücklika-Liedersammlung mit über 100 Liedern für Chor, Band, Gemeinde.